Mittwoch, 13.März. Alles ist gut. Der Motor läuft, spuckt auch kein Öl mehr aus, ist in besserem Zustand denn je. Es war ein steiniger Weg bis hierher.

Spoileralarm: Im folgenden kommen jede Menge technischer Details, nicht wirklich interessant. Aber für mich stellen sie im Augenblick das Wichtigste in meinem Alltag dar. Und bestimmen meine Stimmungen. »Sonst beschreibt er jedes winzige Schräubchen, aber über deine Arbeit verliert er gerade mal einen Satz!« – so hat Andrea (völlig zurecht) über Paulas Rolle bei der Reparatur in der Blackness Marina bei Dartmouth geurteilt. Paula hat dort das komplette Antifouling aufgetragen [die Bewuchsverhinderungsschicht am Unterwasserschiff, eklig klebriges und giftiges Zeug]. Also: die folgenden Absätze gerne überspringen, wenn es euch nicht interessiert.
Alejandro und sein Stift Julio haben tatsächlich am Do., 7.3. den Motor schräg nach oben gehebelt bzw. gewuchtet, zuvor die Propellerwelle abgebaut, und Kupplungsdom samt Getriebe abgeschraubt. Dann war der Schaden zu sehen: die Kupplungsscheibe [die eigentlich nur ein Impulsdämpfer ist: Verbrennungsmotoren drehen nicht rund, bei jeder Zündung/Explosion jagt ein Ruck hindurch, der von drei kräftigen Spiralfedern in der Kupplung vom Getriebe abgeschirmt wird] hatte sich vom Schwungrad abgeschoren, sieben der acht Befestigungsschrauben lagen im Gehäuse. Die achte war gebrochen. Also mussten die beiden das Schwungrad demontieren und mitnehmen, um die abgebrochene Schraube ausbohren zu lassen. Haben sie am Freitag, 8.3. gemacht, (wie geschrieben). Kamen sie am Montag nachmittag wieder, haben alles zusammengebaut (das Schwungrad war sandgestrahlt und sah aus wie neu). Vorher haben sie einen Helfer, Miguel geschickt, der den gesamten Motor und den Motorraum entfettet, gereinigt und poliert hat. Sah zwar nicht aus wie neu (viel abgeplatzter Lack), aber sehr sauber. Um vier waren sie fertig und ich hatte einen funktionsfähigen Motor. Brauchte ich nur noch den Ölfilter erneuern (der sollte nämlich lecken) und Öl nachfüllen.

Am Dienstag in der Stadt Öl und -filter gekauft, alten Filter abgeschraubt und die Dichtfläche genau untersucht. Ziemlicher Fehler bzw. nochmal gut gegangen: im Flansch, der die Gummidichtung des Ölfilters aufnehmen soll, klafft ein ca. 8mm langer und 1-2mm tiefer Riss, wahrscheinlich ein Gießfehler im Aludruckguss des Motorgehäuses. Der Riss sitzt quer zur Dichtung und ist augenscheinlich der Grund für den heftigen Ölverlust. Alejandro war zum Glück in der Marina zugange und kam sofort vorbei: das lasse sich flicken, müsse ausgefräst und mit Epoxy gefüllt werden. Könne er am folgenden Tag (heute: Mittwoch) ab ca. 1000 machen. Um elf hab ich Julio und ihn auf einem anderen Boot werkeln sehen, als sie um 1300 immer noch nicht aufgetaucht sind (»Warten auf Mechaniker«, ist als Überschrift leider schon so oft genutzt, dass ich mir was anderes einfallen lassen muss – story of my life), habe ich ihn angerufen, er hat mich versetzt: eine andere Reparatur habe viel länger als geplant gedauert, er könne erst am Freitag kommen. Durch Betteln habe ich ihn auf Donnerstag Nachmittag überredet. Aber trotzdem wirft das meinen Zeitplan komplett durcheinander. Niño, mein Bewacher in Vacamonte, hat schon angerufen, ich habe ihn von Montag auf Mittwoch, jetzt auf Freitag vertröstet. Aber wenn es am Freitag nicht klappt, bin ich in Schwierigkeiten – am Montag muss ich einen Flug kriegen. Und vorher in Vacamonte das Boot ordentlich verankern, es winterfest machen, mich bei der Hafenbehörde anmelden, Niño seinen Vorschuss geben … Tiefes Loch.
Dann besinne ich mich. Epoxy habe ich an Bord. Davon ein paar Tropfen anzumischen und mit ein paar Fitzeln Glasfasern anzudicken, damit das Zeug nicht davonläuft, kann nicht so schwer sein. Der Schlitz ist schließlich winzig, an beiden Enden geschlossen und muss nichts aushalten als den Druck des Öls. Gesagt, getan. Um halb vier ist das Loch geflickt, um halb sechs das Epoxy hart geworden und mit dem scharfen Stanley-Messer abziehbar, um sechs klemmt der neue Ölfilter, ist das Öl drin und der Motor läuft Probe: dicht. Den Höhenflug konnte ich nicht so richtig auskosten, immer in Erwartung, dass doch noch was schiefläuft. Aber ein deftiges Abendessen hab ich mir gegönnt.

(gesehen auf der Suche nach dem Avianca-Büro)
Das Paket
Weil ich viel zu viele Sachen dabei habe, u.a. zwei Kamelhaardecken, hielt ich es für eine gute Idee, überzählige Klamotten (und ein paar Reisemitbringsel) in ein Paket zu packen und an mich (bzw. Paula) zu schicken. Keine gute Idee. Am Sa,. 2.3. hab ich es aufgegeben. »Ist aber schon sehr teuer«, sagte selbst der Angestellte im DHL-Büro: USD 248 für 12 Kilo. Per Flieger, per Express, was anderes bieten sie im Stadtbüro nicht an (nur am Flughafen, wäre eine weitere Stunde Fahrt und etwa die Hälfte kostet es dennoch). Soll am 5.3. („vor 1200 h“) zugestellt werden. So eilig hatte ich es gar nicht. Am Mi., 6.3. bekomme ich einen Anruf aus dem Büro Panamá, erst auf spanisch, später englisch, weil ich mich verhaspelt habe: Ich soll den Inhalt des Pakets genauestens beschreiben. Es sei nichts verloren gegangen, nein, es habe irgendwas mit dem Zoll zu tun. Am Fr., 8.3. werfe ich die Sendungsverfolgung an: Das Paket liege beim Flughafenzoll Leipzig. Schreibe ich eine Mail dorthin. Kommt postwendend, kompetent und freundlich eine Mail zurück: keineswegs liege das Paket beim Zoll, es sei gerade mal vorangemeldet und von DHL noch nicht bereitgestellt worden. (Skandal: DHL schiebt den Zoll vor!) Inzwischen kommt eine Aufforderung per Post an Paula (die Adressatin): Sie solle a) eine Kopie meines Passes, b) meiner Reisetickets für Hin- und Rückreise, c) eine genaue Inhaltauflistung und d) eine Erklärung darüber schicken, dass der Inhalt aus Reisegepäck bestehe. (Sonst werde das Paket am 12.3. zurückgeschickt!) Schicke ich Kopien meiner zwei Flugtickets (St.Maarten-Curaçao und Panamá-Manaus) mit. Soll ich sämtliche Tickets der Reise nachreichen. Zähle ich einfach auf (Bus, Kreuzfahrtschiff, Flieger, Segelyacht, Flieger, Fähre, Bus, Kreuzfahrtschiff, Bus). Und im Kleingedruckten steht auch noch, dass DHL € 41 an Gebühr für die Zollabfertigung verlangt. Schreibe ich meine nächste geharnischte Mail an den dhlhubLeipzig. (Inzwischen sind acht (1) identische Warnmails bei mir aufgelaufen, die mir den Termin (13.3.) für eine „Customs Clearance“ avisieren nicht einmal die EDV weiß, was sie tut.) Jetzt hat Paula auch noch eine Zahlungsanweisung über € 71 erhalten, so als ob die Zollabfertigung tatsächlich schon stattgefunden hätte … Keine Ahnung, wie das ausgeht.
Zwischendurch, am Sa., 9.3. den Flug nach Manaus gebucht bzw. zu buchen versucht: das Stadtbüro (Adresse von der Avianca-homepage) ist schon seit Jahren geschlossen, am Flughafen gibt es nur die Abfertigungsschalter, lange Schlangen davor. Heutzutage muss man einfach über Internet buchen, was ich dann am Samstagabend auch entnervt tue. Am Sonntag, 10.3. im Biomuseo gewesen, gleich hier auf dem künstlichen Damm, den die Amerikaner aus dem Abraum des Kanalbaus aufgeschüttet haben und damit die Inseln Naos, Perico und Flamenco mit dem Festland verbunden (und zu Festungen und Geschützstellungen ausgebaut) haben. Ein kunterbunt verschachtelter Gehry-Bau, der die (erdgeschichtliche) Entwicklung des Istmus, der Landenge, und ihrer Bedeutung für Flora, Fauna, Besiedlung und Geschichte erzählt. Sehr anschaulich, sehr computeranimiert und überwältigende Filmaufnahmen (im Rundum-Kino). Außerdem zwei gebäudehohe Aquarien mit den Meeresbewohnern von Karibik und Pazifik (nur mit glasklarem Pazifik-Wasser). Sehr schöner Spaziergang, sehr schöner Tag.

Diese ganzen Ereignisse schreibe ich mir eigentlich nur deswegen vom Leib, weil ich absehbar in nächster Zeit offline sein werde: bis Montag in Vacamonte (kein WLAN), dann Flug, drei Stunden Aufenthalt in Bogota (vielleicht WLAN), dann vier Tage Fähre (kein WLAN), dann 20h Busfahrt Belem-Brasilia, dann nochmal 20h bis Rio. Dann vielleicht WLAN im Hotel. Dann Kreuzfahrtschiff bis 20.April und Barcelona. Dann Bus.
Kurz gesagt: Geht besser davon aus, dass ihr in nächster Zeit nichts von mir hört. Es folgt noch ein kurzer Jahresrückblick, irgendwann im April. Aber eigentlich war es das für dieses (halbe) Jahr. Im Januar 2025 geht es hoffentlich weiter.