
Warten auf Oswaldo
(Do., 22.2. Flamenco Marina (wieder), Panamá, Panamá.)
Oswaldo, der Bootsbauer aus Playa del Merced, hatte uns zugesagt, uns am Morgen zu helfen und uns aus der Flussmündung zu schleppen, weil der Wind zuletzt genau gegenan stand. Morgens um acht war vereinbart, nachdem er vom Fischen zurückkäme. Wir waren seit halb acht bereit. Um neun fuhr er (mit seinen Söhnen (?)) an uns vorbei, winkte auch. Dann kam nichts mehr. Um elf, die Ebbströmung zog uns hinaus und der Wind stand exakt achtern, haben wir uns entschlossen, alleine loszusegeln. Ohne Antrieb war das eine Nervensache. Ein Palmwedel, der mit der Flut hereingetragen worden war, trieb neben uns hinaus – und machte uns Mut. Tatsächlich lief alles glatt: im Schritttempo, und manchmal nicht mal das, schlichen wir aus der Flussmündung, aus der Bucht und aufs offene Meer. Ein langer Baumstamm, von Pelikanen (oder anderen Vögeln) belagert, trieb den ganzen Nachmittag neben uns in Sichtweite, viel Geschwindigkeit machten wir also nicht. Draußen lief der Humboldstrom die Küste entlang, nach Norden und Nordosten – eigentlich genau, wo wir hinwollten. Ziel war der Fischereihafen Vacamonte, wo es laut unserem Führer einen Travellift [Möglichkeit, das Schiff aus dem Wasser zu heben] und zahlreiche Werkstätten (für Fischerboote) geben sollte. Astillero Nacional hieß der Reparaturbetrieb unseres Vertrauens (oder meiner Hoffnungen). Zwei Stunden frischer Wind brachte uns in die Nähe der Isla El Pelado, die zwar auf dem Weg, aber auch im selben lag. Danach wieder Flaute, wir haben sogar gebadet. Und Delfine gesehen, zumindest die Rückenflossen. Um 1900 setzt sich ein großer Vogel, schwarz, Typ Geier oder Greif, nach mehreren Anflatterversuchen auf die Mastspitze, und zwar genau auf den Impeller des Anemometers, ein empfindliches Plastikteil mit einem sensibel gelagerten Windrädchen. War nicht zu vertreiben, wahrscheinlich wurde das Vieh vom Masttoplicht angelockt. Und anschließend funktionierte der Windanzeiger nicht mehr, klar. Die ganze Nacht über war kaum ein Lüftchen zu spüren, eine Flautennacht. So still und glatt lag das Meer, dass wir einen doppelten Sternhimmel hatten. Oben das Funkeln, unten das Phosphorisieren der Algen (oder die Spiegelungen der Sterne.) Die Lichter von Panamá-Stadt lagen weit voraus, scheinbar unerreichbar. Im Morgengrauen stellten sie sich als die Lampen des Arbeitslichts von vier Fischerbooten heraus, die wir zwar passieren konnten, die aber eben mitten im Meer und nicht am Ufer lagen … Immerhin hatten wir am Morgen fünf (5) Meilen in die richtige Richtung gutgemacht. Allerdings trieb der Vogelbaum noch immer in Sichtweite. Nur den Palmwedel hatten wir zum Glück abgehängt. Am zweiten Tag kam ab elf etwas Wind auf, (die Wartezeit darauf zog sich endlos!) der uns mit 4 ½ kn in die gewünschte Richtung (Kurs 285°) schob. Und um 1545 einschlief. Wieder totale Flaute. Bis uns um 1600, also eine Viertelstunde später, plötzlich eine Bö mit sicher 3-4 Bf aus der entgegengesetzten Richtung (N statt S)! um die Nase pfiff. Und um 1635 wieder Flaute einzog. Die zweite Nacht brach an, unstet blieb der Wind und wir hatten das Fahrwasser zum Panamakanal zu kreuzen, knapp, falls der Wind seine Richtung behielt, außerhalb des Verkehrstrennungsgebiets, das wir nur streng rechtwinklig hätten queren dürfen. Da die Batterien seit Pearl Island Marina nicht mehr geladen worden waren, hatten wir vorsorglich die Maschine eine halbe Stunde laufen lassen. Aber jetzt fiel die Batterieanzeige wieder auf 12,0 V. (Bei einer Entladung unter 11,8 ruiniert man die Batterien). In meiner Wache von 1900 bis 2300 konnten wir das Fahrwasser queren, aber mit Winddrehern und kurzen Flautenabschnitten geriet die Fahrt zur Nervensache. Odysse ging es nicht besser: In seiner Wache musste er eine unbefeuerte (und nachts kaum auszumachende) Insel zu vermeiden versuchen. Auf der anderen Seite der Bucht lief die Humboldströmung (oder die Tidenströmung) uns entgegen, drohte, uns aus der Bucht wieder hinauszutreiben. Bei Wassertiefen um die zwanzig Meter war an Ankern nicht zu denken (jedenfalls nur theoretisch). Morgens um drei, zu Beginn meiner Wache, lag das Festland (und ankerfähige Wassertiefe) scheinbar unerreichbar in Windrichtung.
Bis Neuseeland
Ab halb sieben blieben wir beide wach. Wenn uns die Strömung weiter hinaustriebe und wir keine Ankermöglichkeit fänden, wäre der nächste Stopp Neuseeland, scherzte Odysse. Konnte ich nicht wirklich drüber lachen, aber die Stimmung blieb gut. Und dann kam auch wieder Wind auf, wieder aus Süd, fast aus der richtigen Richtung. Statt vor der Hafeneinfahrt von Vacamonte zu ankern, wie wir es vorhatten, erfragten wir die Erlaubnis, unter Segeln einzulaufen und der Torre de Control sah darin kein Problem. Zwischen rostigen Fischkuttern, die im Hafenbecken in großen Päckchen lagen, und mit zwei Wenden schafften wir es schließlich zu einem Ankerplatz im Hafenbecken, den uns ein hilfsbereiter Motorbootfahrer als commun (allgemein zugänglich) anwies. Der Mann vom Zubringerboot (Lancha) bot sich sogar an, mich und die Papiere zum Hafenmeisterbüro, also an Land, zu bringen.

Anmelden beim Hafenmeister, der uns einen Platz an der Muelle, also am Pier, zuwies, Schlepphilfe von diesmal gleich zwei Lanchas, und um 1200 Mittag lagen wir tief und sicher am Kai. Große Erleichterung beim Kapi und der gesamten Besatzung (Odysse). Spätestens am Nachmittag musste auch Odysse zum Hafenmeister, seinen Pass vorzeigen. Aber erstmal: Pause und Erholung.
Ostblock, 80er Jahre

Vacamonte ist ein Erlebnis der besonderen Art. »Das Original-Panamá«, sagt Odysse, abseits vom Schuss der glänzenden Bankpaläste, Wolkenkratzer und Luxushotels der City. Auch wenn sie uns, wie sich zeigen wird, mit der Reparatur der ELSBIETA nicht helfen konnten. Wir lagen drei Tage am Kai – ich sage absichtlich nicht „Steg“, weil der Anleger sicher zehn Meter hoch aus groben Holzpollern und Betonstelzen unzerstörbar gebaut ist. Und neun Meter (bei Flut: vier Meter) über uns liegt, erreichbar über eine aus Baustahl geschweißte wacklige Leiter (über die wir gottfroh sind). Am ersten Nachmittag löschte an der anderen Seite des Kais ein Fischkutter seine Fracht, meterlange Untiere (keine Ahnung, welche Sorte), die von Hand aus dem tiefen Schiffsrumpf (und der Kühlung) in Hebekörbe geworfen, mittels Kran auf den Kai gehievt und dort in Kühlbehälter sortiert worden sind. Ein Korb voller Riesenfische (der größte, haiartige, war sicher zwei Meter lang) kam als letztes. Und dann haben sie noch sicher einen Kubikmeter Tunfische, jeder fast einen Meter, von einem Kühlraum im Kutterinneren in einen anderen umgeladen – und wieder mitgenommen, wahrscheinlich war der Preis für Atún im Keller.
Direkt am Kai steht eine riesige Fischfabrik, Kühllaster in allen Stadien des Verfalls sind drumherum geparkt, teilweise auch ohne Kühlung. Hier werden Langusten verarbeitet (deren Saison in diesen Tagen zu Ende geht), jeden Morgen bringen Busse scharenweise Arbeiterinnen, die in Hauben, Schürzen und Gummistiefeln Krabben (puhlen und?) verpacken. Eine Eismaschine, die mittels Gabelstapler beschickt wird, spuckt kubikmeterweise Graupelschnee in Kühlbehälter. An einem Wasserschlauch dürfen wir, Odysse hat mit dem Vorarbeiter gesprochen, uns waschen. Leider im Freien und vor den Augen der Arbeiterinnen (Schichtwechsel) bloß durch einen Stapel Kühlbehälter kaum verborgen. Abends selbstgebratene Krabben, die Odysse vom Ermöglicher der Duschgelegenheit geschenkt bekommen hatte. Außerdem gibt es das Restaurant Vacamonte, die Cafetería Vacamonte und einen kleinen Supermarkt Vacamonte. Alle vom Team derselben überfreundlichen Bedienungen bewirtschaftet, die uns bald wie alte Bekannte begrüßen. Das Restaurant (Neonlicht, Resopaltische, Salsa-Latino-Pop-Video-Beschallung) ist nämlich (das einzige und) unschlagbar billig: zwei Fischermahlzeiten (es gibt alles, außer Fisch, riesige Portionen, vor allem Fleisch) nebst Getränken kosten USD 10, sicher subventioniert.

Zum Frühstück gibt es manchmal Rührei, sonst Huhn, Schwein, Rind, Leber in leckeren Soßen, gebratene Bananen und köstlichen Reis oder Fettgebäck (und Linsen oder Bohnen). Die Fischarbeiter behandeln uns freundlich und kameradschaftlich, alle grüßen überschwänglich und mehrfach haben wir schon Mitfahrangebote bekommen – der Hafen liegt kilometerweit außerhalb der Stadt. Mehrere Flotten Fischkutter sind im Hafen festgemacht, Arbeitsboote, denen man die tägliche Belastung ansieht. Auch halbversunkene Wracks liegen im Hafen.
Nachmittags mit Odysse die Behördengänge erledigt. Passvorweisen bei der Hafenpolizei im Kontrollturm, eine Etage darunter eine Behörde undurchsichtiger Funktion. Die aber unser in Shelter Bay beantragtes (und bezahltes) Cruising Permit prüft (und als unbezahlt im Internet findet!). Beim Marinabüro (sechs Angestellte beiderlei Geschlechts) kann man uns nicht sagen, wieviel unser Aufenthalt kosten wird, Nachfragen, die Reihe der Schreibtische entlang, ergeben einen Preis von wenigen Dollars pro Tag. Am Ende werden wir für drei Tage Aufenthalt insgesamt 16 USD bezahlen. Dafür gab es aber auch: keinen Strom, kein Wasser, keine Duschen. Aber die Möglichkeit, unseren Müll zu entsorgen – der von den streunenden Hunden aus dem Eimer gestoßen und zerwühlt wird.
Im Büro der Migration arbeiten vier Menschen. Der jüngste erhebt sich schüchtern bei unserem Eintreten, weiß mit uns aber nichts anzufangen. Eine Angestellte starrt angestrengt auf ihren Bildschirm, Odysse sieht, dass sie die Suchmaske von Google offen hat und ihr beim besten Willen nichteinfallen will, nach welchem Stichwort sie noch suchen könnte; einer, dem Alter nach kurz vor der Pension, schläft, zugedeckt mit seiner Jacke (weil die Klimanlage auf voller Kraft ballert) und lässt sich nicht stören. Schließlich kommt einer, Typ Polizist/Macher im besten Mannesalter, zieht sich das Koppel stramm und erklärt uns, dass wir eine nota bräuchten, ein formloses Ersuchen, unser Boot im Hafen lassen zu dürfen. Er zeigt uns sogar eine Vorlage, einen förmlichen Brief an die zuständige Dezernentin, kann uns aber keine Kopie machen, weil sein Edding nur rot schreibt und er damit die Daten aus der Vorlage nicht schwärzen kann. Wenigstens schneidet er uns den Hauptteil des Briefs (mit Adressen und Anreden) aus. Odysse kann sich kaum halten vor Kopfschütteln. Denn die Szenerie könnte man nicht erfinden. Wie früher, als wir über die Transitautobahn nach Berlin gefahren sind.

Schneller Vorlauf: Gestern, als wir uns abmeldeten und Odysse Fotos machen wollte, sind die Büros offensichtlich vorgewarnt worden, wurden wir auch vom Cruising-Permit-Jungbeamten am Händchen durch den Bürokratiedschungel geleitet. Und alles war anders: in der Migration standen Wartestühle aufgestellt, die Angestellte führte ihre Suchen jetzt am Handy durch und der schläfrige Alte stellt sich als Beauftragter für Stempel und Unterschrift heraus (kein anderes Utensil störte seine Schreibtischoberfläche).

Auf der Polizeistation nebenan warteten Handschellen, an einem Rohr in der Wand fixiert auf Bösewichter. Höhepunkt war jedoch sicher das Marinabüro. Der Vorgang ELIZABETH (erkennbar an der nur schlecht, weil zu dunkel kopierbaren Zulassung) wurde über drei Schreibtische gereicht, leider waren die Angaben unleserlich (und auf deutsch), aber Nachfragen lagen unter der Würde der Beamtinnen und Beamten. Erst unser hilfsbereiter Begleiter kam zu uns und fragte nach, welches Netto- und Bruttogewischt das Schiff wohl haben könnte (stand nicht in den Zulassungspapieren). Dann sprang tackernd ein Nadeldrucker an. Und in der Zwischenzeit (kaum anderthalb Stunden, ich schwöre!) hatte eine weitere (eine schleppte sich zur Tür, telefonieren, eine durchmaß das Büro gemessenen Schrittes mehrfach auf dem Weg zur Toilette, zur Mikrowelle, einer fragte nach dem genauen Wortlaut der Eingabe in eine Suchmaschine) hatte die kompetente Suchmaschinenberaterin einen einseitigen Formbrief mit den Daten der ELLI komplettiert und ausgedruckt – auf Laserdrucker, den wir nirgendwo entdecken konnten. Es war ein sensationell skurriles Erlebnis. Insgesamt erhielt wir vier z.T. mehrseitige Formulare, jeweils per Unterschrift von Ausstellerin und PrüferIn zur Feststellung der Richtigkeit als vollständig und ausreichend bestätigt, signiert und gestempelt – u.a. die Rechnung für eine zarpe [Hafenausfahrtsbescheinigung], die Bestätigung der Richtigkeit ebenjener zarpe, den Antrag auf dieselbe und den Formbrief der Internetspezialistin, der bestätigte, dass wir im Hafen gewesen waren. (Einen Teil der Formulare mussten wir bei der Hafenpolizei wieder abgeben, um die eigentliche zarpe, ein Dokument mit metallisch glänzendem Siegel, zu bekommen). Zur Erholung meinte uns der freundliche Begleiter (und diensthabender Cruising-Permit-Beamter) zu einer eisgekühlten Wildkirschen-Limonade (narze) einladen zu müssen. Das hat Odysse aber unterbunden und selbst bezahlt. Das ausgedruckte Cruising permit, die Erlaubnis, durch Panama zu segeln (die wir jetzt nicht mehr brauchen) haben wir auch noch bekommen.
Vielleicht noch interessanter, vor allem unter Inneneinrichtungsgesichtspunkten war der Besuch bei Astillero Nacional, der Reparaturwerkstatt unserer Träume. Die hatten nicht nur einen Travellift, sondern ein veritables Schiffshebewerk und einen Güterbahnhof an Gleisen, um die Schiffe auf Rollwagen über das ausgedehnte Gelände zu bugsieren. Am Vortag hatte ich erfragt, ob meine Probleme dort lösbar seien (cutless bearing, Motor leckt, Schaltung funktioniert nicht, ich möchte das Boot zehn Monate dort parken) und durchgehend positive Antworten erhalten (könnte ein Verständigungs- oder ein Kompetenzproblem gewesen sein). Der zuständige Ingeniero Alejandro (Brudell) sei aber erst am Folgetag ab 0830 wieder da. Dort sind Odysse und ich hingetapert. Sein Büro war leer. Aber stilsicher 60er Jahre eingerichtet: mächtiger Edelholzschreibtisch, Freischwinger, Glastisch, Dunkelholz-Furnier-Sideboard. Selbst die National Geographics sahen original aus – man hätte dort eine historische Serie drehen können; Odysse begeisterte sich, dass seine Frau die Einrichtung sicher ultraschick fände. Dann kam ein Räuspern aus dem Hinterzimmer: Ingeniero Alejandro war doch da, hatte nur Ohrhörer aufgehabt. Superkompetent, superfreundlich, auch englischsprachig. Nur: er konnte nichts für uns tun. Unten in der Werkstatt, Dreherei, Schweißerei hatten wir fachkundige Arbeiter und Arbeiten gesehen. Allerdings waren die Propellerwellen baumdick und die Propeller von der Größe eines Kleinwagens. Mit dem cutless bearing könnte er uns helfen, aber es gab keinen Mechaniker: alle Fischereiflotten beschäftigten ihre eigenen Mechaniker. Und die befassten sich mit einem Schiffsdiesel erst ab acht Zylinder.
Im Lager einer der Flottenwerkstätten half uns ein superfreundlicher Lagermeister, telefonierte herum, passte uns später im Café (Cafetería Vacamonte) ab und machte uns mit einem jungen Mechaniker bekannt, der sich am nächsten Morgen ab sechs (ab acht musste er arbeiten) um uns kümmert würde.

Nachmittags Ausflug (Taxi, Bus, Taxi) in die Stadt, an der Einfahrt des Kanals sollte es eine Marina (»Muelle Diablo«) geben, von wo aus oft Yachten zu Astillero Nacional kämen, so Ingeniero Alejandro. Dabei kennengelernt: Raoul, der uns seinen Bootsanhänger leihen will, Lupe, der uns eine Auflage dafür bauen will. Und den Manager des (privaten) Yachtclubs, der seinen Chef fragen will, ob wir über die dortige Rampe die ELLI aus dem Wasser ziehen können. Sehe ich zwar noch nicht, aber alle Vorbereitungen laufen; dazu hoffentlich mehr an einem anderen Tag.)
Warten auf Mechaniker.
Klar, dass ich ab fünf den Motorraum und den Zugang von der Achterkajüte freigeräumt hatte. Um halb acht kam der Mechaniker, er konnte zwar selbst nicht, hatte aber einen Freund, (ebenfalls) Supermechaniker, an der Hand, der um zwölf kommen könnte. Sollte er ihn anrufen? Mir war alles recht.
Um kurz nach zwölf, beim Mittagessen, kam ein Unbekannter zu uns an den Tisch (wir waren das einzige Segelboot im Hafen, die einzigen Menschen mit heller Haut und ohne Gummi- oder schwerlederne Seestiefel): bei unserem Boot warte ein Mechaniker!
Hetze zur ELIZABETH, tatsächlich war Rigo pünktlich wie die Uhr, hatte sogar Werkzeug und einen Helfer dabei und innerhalb weniger Minuten den Schaden beurteilt: Der Ölverlust lag bloß an einer verrutschten Gummidichtung am Ölfilter, der Getriebeschaden war wahrscheinlich ein Kupplungsschaden. Um den zu beheben musste aber der Motor ausgebaut werden. Tatkräftig hatte Rigo einen Deckel des Schalthebels am Getriebe abmontiert, aber keinen Fehler gefunden, Ich hatte dafür die Bedienungsanleitung des Getriebes aufgetan, in der zu ebendiesem Deckel eine Warnung fettgedruckt stand: »Diesen Deckel (siehe Zeichnung) NICHT öffnen! Justierung NUR durch Fachpersonal!« Aber Rigo machte einen echt professionellen Eindruck und galt mit Sicherheit als Fachpersonal. Gestern Abend dann noch Strand/Kai-Spaziergang, an der Hafeneinfahrt lagen chinesische Fischkutter mit ostasiatischer Besatzung, die im Hafenbecken angelten (Kugelfisch in den letzten Atemzügen. Beim Rückweg nicht einmal mehr zur Kugel aufgeblasen). Daneben ein Riesenfrachter mit merkwürdig flache Heckrampe, vielleicht ein Kabelleger. Zwar schwimmend, aber in völlig verrottetem Zustand. »Seelenverkäufer, wie aus einem Siegfried-Lenz-Roman «, sagte Odysse. Dabei sahen die Schiffe mit chinesischen Namen und glücksbringende Bemalungen noch besser in Schuss als die übrigen Kutter im Hafen.

Heute früh noch einmal gefrühstückt (Restaurant Vacamonte), es gab Rührei (war gestern alle), dafür war das Restaurant (zwar offen, aber) abgeschlossen (der Typ mit dem Schlüssel sei heute nicht erschienen), beim Torre de Control abgemeldet (Gute-Fahrt-Wünsche) und unter Segeln abgelegt. Mit frischem, fast perfektem Wind in drei Stunden bis vor die Marina-Einfahrt gepest und mit per Funk angeforderter Schlepphilfe (ein Boot vorne zum Ziehen, eins hinten zum Bremsen) um elf Uhr festgemacht. Inzwischen hat sich der Travellift/Reparaturbetrieb der Marina schon per Email mit der Abfrage meiner Reparaturwünsche gemeldet: Es gibt Hoffnung.



























