VI. Nach Panama – 37. Vertraute Gewässer

Freitag, 24. Nov. 2023, 18:00h. Der erste Sonnenuntergang über dem Meer. Wieder. Aber ganz anders: ewig lang, fast ohne Bewegung. Reisen auf einem Kreuzfahrtschiff sind mit Segelreisen nicht zu vergleichen. Alleine der Auslauf: Heute (Samstag) neun Uhr früh: Morgenspaziergang, 25 Minuten auf der Joggingstrecke (180m, Deck 11) rund um den Zuluftkamin am Heck des Schiffes auf einer leuchtendgelb markierten Strecke, jeweils eine schön, eine schäl Seite: einmal gegen, einmal mit dem (Fahrt-) Wind. Blick ins Weite, über die Wogen (die sich aber weit unten verlaufen). Teilnehmer wie im richtigen Leben: die ehrgeizigen, die ein paar Runden lang laut schnaufend überholen, die müden, die nach ein paar Runden lautlos aufgeben: am Ende sind von den ca. 25 anfänglichen TeilnehmerInnen gerade noch fünf übrig geblieben. Anschließend Morgengymnastik. Auf dem Sonnendeck 9, zwischen Jacuzzis, Pool und Wasserrutsche mitten im Theaterhalbrund, dessen Terrassen von Sonnenliegen statt von Klappsitzen gefüllt sind. Superspannend. Gewagte Kleidung, nicht nur bei den Bikinis (gestern war das Motto rot und schwarz: Häkelkleid mit weit offenen Maschen, das die darunterliegende (schwarze) Unterwäsche deutlich präsentiert). Oder: Ultrakurzer Mini über schlanken Beinen, Gesicht Ü50; Gürtelkleid mit Spitzentransparenz, schulterfrei. Ausschnitte weit wie das Meer. Und ebenso tief. Und Achtzigjährige, deren handgefertigter Busen noch immer atomfest absteht … An das Publikum muss ich mich erst noch gewöhnen. Aber sie sind lange nicht so schlimm wie befürchtet: Costa Kreuzfahrten gehören zu den günstigsten auf dem Markt. Da sind die Leute fast schon bodenständig. Es gibt alle Schattierungen: Buffalo Bill (wenn weiße Haare und Kinnbart frisch geföhnt sind), PoCs mit Locks und lila Kurzhaar, Asiaten. Schönheiten und gelebte Körper. Sogar ein paar Jugendliche und Kinder (mit eigener Clubbespaßung). Aber zum allergrößten Teil Menschen wie du.

Regel 26: Ins Jacuzzi: nie ohne Sonnenbrille.

KreuzfahrerInnenweisheit
Anreise

Mittwoch (22.11.) nachts in den Bus, Croissant in Paris, Donnerstag nacht Barcelona, Hotel, Freitagfrüh Metro und Bus zum Hafen. Aber Regel 23 missachtet: (»Immer fragen!«). Navi setzt mich am äußersten Ende des Industriehafens ab, weit und breit: Nichts. Zum Glück eine Stunde zu früh. Fußmarsch (glücklicherweise mit Rollkoffer, Danke, P.!), Frage nach einem Taxi in einem Hafenarbeitercafé: keine Chance. Auskunft: zwei Kreisverkehre passieren, dann über die Brücke (das Schiff, die COSTA FORTUNA, das zweitgrößte im Hafen (die MSCs sind höher und länger und breiter) hab ich bereits auf dem Herweg gesehen, es liegt nur leider an der gegenüberliegenden, entfernten Seite des Hafenbeckens!) Inzwischen ist es halb elf. Elf Uhr soll ich da sein.

Ging aber alles gut aus, einchecken, Passfoto, Immigration, noch ein Foto durch die Polizei, Gepäck wird auf die Kabine gebracht. Kabine 2405 ist innen, eine Doppelkabine, nicht wirklich klein, praktisch eingerichtet, Grundfarbe Gold. Heimelig. Davor ein ewig langer Flur.

Der Flur der UNgeraden Kabinen

Wo gibt es Abendessen? Sollte auf der Mitgliederkarte vermerkt sein, ist es aber nicht. Die Schlange am Helpdesk ist endlos und bewegt sich vor allem überhaupt nicht. Geübte Vordränglerinnen beiderlei Geschlechts mit lebenslanger Erfahrung darin agieren und sind gewohnt, damit durchzukommen. So auch hier.

Abendessen, viertel vor Sieben (erste Schicht): ein deutschsprachiger Tisch. Schweizer Ehepaar, eine schweizer Witwe, zwei schweizer Freundinnen, eine Frau aus Martinique (auf dem Heimweg, sie nutzt die Kreuzfahrt als das günstigste Verkehrsmittel, genau wie ich), eine Kölnerin, Kreuzfahrterfahren: mindestens 15 Mal über den Altlantik, mit eigener Speisekarte: glutenfrei, zuckerfrei. »Gibt es hier kein zuckerfreies Eis?«
Und: Wasser kostet extra! Weil: Wir sitzen am Bedienungstisch; alle anderen haben Getränkepakete gebucht. Ich komm mir zwar superkleinlich vor, hab aber meinen Ehrgeiz reingesetzt, das Bezahlmodell der Reederei zu boykottieren und ohne Extrakosten zu fahren. Also zu schauen, ob das geht.
Die Tischgesellschaft ist vom ersten Abend an zwanglos, interessiert und lustig. Mit der Witwe bin ich zur Spezialshow im Teatro Rex (mindestens 1000 Plätze, steile Arena, im Bug das Schiffs) verabredet: Bunter Abend: eine Rockband heizt ein, kleines Tanztheater des schiffseigenen Baletts, Gesangseinlage, Trapez/Reifen/Gelenkartistin, Madonna-Medley, Flamencotänzer, indische Derwische, Animationsfinale – halbe Stunde Show-Feuerwerk. Aber die Witwe hab ich nicht getroffen.
Danach lateinamerikanische Nacht. Jetzt ist die (selbe) Band in Rot und schwarz angetreten, Tanzanimation, Gaudi.
Im Spielsalon: Roulette beliebt, Pokertisch unbewohnt, die unbeschäftigte Croupière legt sorgfältig einen wunderschönen Kartenfächer aus. Disko erst ab 00:00. Zu spät für mich. Es ist immer noch Freitagabend, der erste Tag an Bord.

Reiseinformation (ex: MitseglerInnen gesucht)

Ihr Lieben,
bald fahre ich wieder los und wollte euch darüber informieren. MitseglerInnen suche ich nicht mehr, meldet sich eh keineR. Stattdessen finde ich zum Glück ab und zu jemand (s.u.), worüber ich mich sehr freue. Dass ihr alle jederzeit eingeladen seid, wiederhole ich jetzt nicht nochmal …
Im April habe ich die ELIZABETH hoch zu Land in Curaçao/Karibik zurückgelassen und mich seither in Deutschland aufgehalten. Inzwischen eine Augen-OP und alle möglichen Arztbesuche hinter mich gebracht. Und vor allem: versucht, mein Leben in Köln mit Paula und den Töchtern wieder auf die Reihe zu kriegen. Eine der Konsequenzen: Ich segle ab jetzt nicht mehr für ewig lange Zeit, sondern in Etappen von einigen (4-5) Monaten.
Mitte November geht es wieder los. Vom 22.11 bis 06.12 bin ich (Bus, Kreuzfahrtschiff, Flieger) in die Karibik unterwegs. Am 15.12. trifft mich Mitseglerin INA, 55 (riesige Segelerfahrung, halb um die Welt, Schwerwetter-erfahren: guckst du: Clipperaroundtheworld unstoppable journey) in Willemsburg, Curaçao.
Die Strecke ist wie folgt geplant: Aruba, Sta Marta (Kolumbien), Cartagena (Kolumbien), San Blas-Inseln (Panama), Shelter Bay Marina (Colon, Panama), Panama-Kanal, Panama City (Panama). Von dort fliegt Ina am 25.01.2024 zurück. Ich werde die Pazifikküste von Kolumbien und Ecuador nach Süden gondeln und die Yacht wahrscheinlich in Salinas, Ecuador (auf der Höhe von Guayaquil) für die (hiesigen) Sommermonate wieder einwintern. Wenn alles klappt bin ich also im April/Mai wieder da.
Das wollte ich euch gesagt haben, alles Gute für euch und eure Lieben, schönen Winter,
Ulrich (Brandt)

English version: Dear friends,
after nearly half a year in Germany, I’m in the middle of preparing my departure for Curaçao/Caribbean, where my trustworthy vessel ELIZABETH has been waiting for me on the dry. In order for all of you to be able to join me, to which you are, as you well know, warmly invited, I try to keep you informed about my travel plans.
After a 11-day journey (by bus, cruiseship, aeroplane) I hope to reach Willemsburg, Curaçao on Dec. 6th, where ELIZABETH will already have been splashed and waiting in the marina. It is my joy and pleasure to expect INA, 55, from Cologne, Germany, an experienced and well-travelled sailor (and weather-worn shipmate: see Clipperaroundtheworld unstoppable journey) to join me on Dec. 15th.
We intend to sail to Aruba, to Sta Marta and Cartagena (Colombia), to the San Blas Islands (Panama), to Shelter Bay Marina (Colon, Panama) and through the Canal. Ina will leave the yacht by the end of January and fly back from Panama. I intend to continue south, along the coast of Columbia and Ecuador and plan to leave the boat again in Salinas/Ecuador (near Guayaquil) (Puerto Lucía Marina) for the (southern) winter (May to September 2024) and come back to Germany.
That is all for now, I am glad and happy for the friendship and support of all of you, I hope to restart my blog www.sailing-elizabeth.com by Mid-December (it is, alas, in German, but people tell me the automatic translation by Google or other programs works quite well …),

warm regards
Ulrich Brandt

aus: Mail, die Anfang November an meinen SeglerInnen-Verteiler ging
Aus dem Bordleben

Erste Beschäftigung: Leute gucken. So etwa: hochgewachsene Schönheit mit hüftlangen rotbraunen Haaren, Ende 20, Kimono-Bademantel in gold und schwarz, der über den langen Beinen aufspringt. Aber: Sie balanciert auf 20-cm-Strohhackensandalen, also Superhighheels, als Zehenspitzenläuferin. Oder auch: Männer in Adiletten und Badetüchern. Bei Italienermännern sind superknappe Badehosenslips anscheinend noch tragbar.
Es gibt auch Freaks, ein Barfuß-in-offenen-Wanderschuhen, Ledergürtel um die Halblangen Outdoorhosen-Typ; eine PoC-Frau, blonde Extensions hochgesteckt (sonst sicher bis zum Po), eine Inderin (?) mit Goldlamée in den Extensions. Buffalo Bill sieht mit ungeföhnten Haaren aus wie ein ziegenbärtiger Penner.

Kreuzfahrerweisheiten, neu gelernt (I): 
Beten: zum Altar (Kapelle)

Das Helpdesk ist morgens (9h) frei, die Jacuzzis ebenso. Bordbibliothek (zwei Glasschränke) ist morgens (ca. 10:00) geöffnet. Und neben dieser gibt es sogar eine Kapelle!

Predigen: zur Gemeinde (Kapelle)

Die vielen Aufzüge (12 Decks/Stockwerke! [und das sind nur die, die für Gäste zugänglich sind]) versuche ich zu vermeiden, ich will trainieren. Allerdings: Auf einer Kreuzfahrt abnehmen zu wollen, war vielleicht nicht die beste aller Ideen. Für inklusive gibt es abends einen Tisch im Restaurant Michelangelo, oder im Selfservice-Büffetrestaurant. Frühstück und Mittagessen werden als Buffet angeboten. Mit allem. Bloß: kein Wasser, kein Kaffee. Silke, erfahrene Kreuzfahrerin, hat KeepCups dabei und bunkert Kaffe und Wasser zu den Frühstückszeiten (wie ich inzwischen auch).

Samstagmorgens um zehn sind wir östlich (und südlich) von Marbella. Der Estrecho ist auf halb neun (abends) angesagt. Der Roomservice (Inder, geschieden) hat den Bettbezug auf Fächer gedrillt. Die Zeit wird heute Nacht eine Stunde zurückgestellt. Um 20:20h, wie nachmittags schon minutengenau angekündigt, passieren wir die Straße von Gibraltar. Einige Lichter auf dem Felsen, dafür die Bucht von Algeciras hell erleuchtet, ebenso der Industriehafen auf der marokkanischen Seite. Von Ceuta, wo P. und ich letztes Jahr Heiligabend verbracht haben, blinkt freundlich der Leuchtturm herüber. Ernüchterung beim Tischgespräch: (Schweizerin, über Gibraltar): »Da kommen keine Flüchtlinge hin, weil sie genau wissen, dass die keinen reinlassen.« Stimmt irgendwie, geht aber natürlich gar nicht. (Und sie hat es auch nicht böse gemeint.)
Abends große Flamencoshow. Zwei Tänzerinnen und ein Tänzer beherrschen Kastagnetten, Handflächen- und Absatzklappern. Beim Fernsehballett (sechs Tänzerinnen und drei Tänzer) überzeugen hautsächlich die interessanten Kostümwechsel. Frenetisches Publikum, stehende Ovationen, Oppi in der ersten Reihe heizt an.

So., 26.11.: 08:00 Frühstück 09:00 Morgenspaziergang; 09:30 Streching/Morgengymnastik; 10:00 Sushi-Workshop (mit Arjtxs [oder so, ich konnte mir den Namen nicht merken, hab versäumt, ihn aufzuschreiben, er enthielt jedenfalls hauptsächlich Konsonanten]), 11:00 Rumba-Tanzkurs , 12:00 Mittagessen – Kreuzfahrerstress.

Erkenntnisse aus dem Sushi-Workshop:
Einmalhandschuhe aus Plastikfolie, als erstes kommt ein Kleks Majo drauf: „einreiben“. Darunter: schnittsichere Handschuhe. Arjtxs, die Baskin, hat Sushi noch nie gegessen, geschweige denn gekocht. Agiert dabei sehr selbstbewusst (und ohne vorher genau zuzuhören). Lässt sich aber gerne von mir helfen –
Sashimi: Lachs schräg geschnitten (quer zur Faser/Streifen), Gurke dito (als Blume gelegt), Möhren- und Rettichhaar als Deko, Wasabi-Türmchen und IngwerRose und Zitrone und Algen als Deko. Nigiri: Scampi-Filets, kleine Reiskugel drauf, umdrehen und fest pressen, mit Majo dekorieren (und das übliche Sträußchen, Türmchen, Rose). Maki: Unterlage Bambusmatte, Algenblatt drauf, Handvoll Reis verstreichen bis zum Rand, unteren Rand 2 cm freilassen, FliegendeFischeKaviar drauf verstreichen. Umwenden (inside out) Tunfisch, scharf, mariniert, in der Mitte drauf verteilen, auf Bambusmatte rollen. In acht Teile schneiden (sieben Mal halbieren), mit Bambusrolle nochmal schön zusammendrücken, auf Servierschiefer drapieren: rote Majo drauf, Sträußchen.
Sah an unserem Tisch (einem von acht Teilnehmertischen, bei ca. 40 Zuschauern) nicht völlig überzeugend aus, hat aber super geschmeckt.

Tanzkurs mit Toni, Italiener, »Energía!, Allegría!, Battería!«, der sein Publikum um den Finger wickelt und im Griff hat, aufgeteilt nach Männlein und Weiblein. Ich hab sooo schön getanzt, Rumba, kurz-kurz-LAAANG, und das Bein stehen lassen, mich in den Hüften gewiegt, die Arme gespreizt … und erst nach dem Mittagessen in der Kabine gemerkt, dass ich die ganze Zeit den Hosenlatz offenstehen hatte …
Inzwischen sind wir beim Abendessen per Du: Silke ist die Kreuzfahrtexpertin aus Köln, Ueli und Heidi das Schweizer Ehepaar, Erika die dito Witwe, Evelyn und Silvia die Freundinnen.

Fuerteventura: Puerto del Rosario (ex.: Puerto Cabras)
Chaostag auf Fuerteventura

Montag: Ernsthaft gefrühstückt (Rührei, Speck, nicht nur drei Scheiben Ananas, wie sonst), weil: große Pläne: Jandía Playa, wo es den höchsten (400m) Berg der Insel geben soll. »Nach einer Wegstrecke von 7,5 km wird der Gipfel erreicht«, beschreibt Wikipedia ganz nüchtern. Allerdings: ganz im Süden.
Jetzt erst einmal Sonnenaufgang, Lavaball mit Wolkenbrocken. Erinnert sehr an einen anderen Sonnenaufgang, nur ein paar Kilometer weiter nördlich, auf Lanzarote, mit Gawain . Und Bier um sechs Uhr in der Früh.
Ich muss nach Morro Jable. Frage auch brav nach: Bus fährt dahin? Klar. Kostet auch nur 1,40€. Nur: Beim Museo del Sal, mitten im Nirgendwo, ist Endstation. Ich hab zwar gefragt, aber offensichtlich nicht das Richtige. Also zurück zur letzten Abzweigung. Allerdings: der Bus nach Morro Jable (42 km) fährt nur viermal am Tag, letzte Rückfahrt 15:45h. Wenn ich den verpasse, ist das Schiff weg. Also zurück nach Puerto del Rosario und aufs Schiff. Stress: ID-Karte verloren. Hafenpolizist lässt mich von Kollegen bis zur Gangway geleiten. Dort Check durch die Schiffs-Security, dann Ansage: direkt zum Hospitality-Desk und neue Karte drucken lassen. Wird gemacht. Null Probleme. Dann schon Zeit zum Mittagessen. Weil alle an Land sind und nichts los ist: Heute nicht Büffet, sondern à la Carte. Also noch eine Mahlzeit zu viel. Telefonverabredung. Und anschließend eine Signalnachricht: Gawain (ja, ebender, s.o.) will von Panama aus nach Kolumbien mitfahren! Achill (Mitsegler aus Rostock ab Januar, Freund von Axel, ANEMOI) hat nichts dagegen, also zwei Stunden später zugesagt. Jetzt Abendessen, dann Abba-Abend, dann Sängerin („Women on World“ (???). Auf Schiff man spricht international.

Di. 28.11.: Santa Cruz de Tenerife. Das Schiff wird vollgetankt. Der Tanktender, auch nicht gerade klein, ragt anschließend anderthalb Meter über seiner Wasserlinie aus dem Meer: sind einige Tonnen reingeflossen. Santa Cruz sieht vielversprechend aus, groß. lebendig, schattige Parks, Verwaltungsgebäude im Kolonialstil – Hauptstadt der westlichen Kanaren. Ausflug heute (Empfehlung von Kreuzfahrtexpertin Silke): La Laguna. Altstadt im Kolonialstil, Weltkulturerbe. Mit der Straßenbahn („El Tribunal“) leicht zu erreichen: den Berg hoch bis zur Endstation.

San Cristóbal de la Laguna ist vollgestellt mit hochherrschaftlichen Stadtpalais‘ und Kapitänshäusern (später Museen und Verwaltungsgebäuden). Alle nach dem Prinzip der Römervillen (wie z.B. in Pompeij): Innenhof, Zimmer in zwei Stockwerken drumrum. Nur heute eben pátios, wunderbar begrünte Dschungelhöfe.

Türschloss, 200 Jahre alt – aber funktioniert!


Neues aus der Bordbibliothek: Ian Ranking: The impossible dead. Grandios (wie Rankin eigentlich immer). Aber beim zweiten Nachdenken: Dass die Auflösung allein über die schlecht (zu nahe am Original) gewählten Kampfnamen/noms de guerre funktionieren soll (Alice Watts=Alison Watson, Pears = Pierce): eher schwach.
Ruth Rendell: No more dying, then („Schuld verjährt nicht“, der dt. Titel verrät schon die halbe Handlung). Was für eine genial erzählte unmögliche Schnulze: brave Frauen sind ordentliche Hausfrauen, der verführerische Vamp (rothaarig) ist schlampig und eine schlechte Mutter (allerdings auch: der verwitwete Aufklärer vernachlässigt für Stelldicheins mit ihr seine eigenen Kinder (und deren biedere Tante, die sich nach dem Tod ihrer Schwester um die Kleinen kümmert)). Menschenbilder unerträglich holzschnittartig, kaum zu ertragen – aber wunderbar geschrieben.
Ich dagegen: Keine Lust zu schreiben. Es ist einfach zu viel los. Das ist eben das Konzept: atemloser Animationsurlaub. Gestern abend mit Beatrix und Silke und Erika in der Show: LED-beleuchtete Hiphopper, Gewinner von India‘s got talent. Super act. Trägt aber nicht für 45 Min. Technisch enorm sophisticated: Nicht nur können einzelne Körperteile der Tänzer (z.B. der Hut) in allen Farben und einzeln geschaltet werden (und damit auf den Köpfen der drei parallel agierenden Tänzer hin- und herspringen), ein Leuchtstab lässt beim Herumwirbeln in seinem Halo sogar das COSTA-Logo aufleuchten. Wahnsinn. Beatrix hat mir zum Tanzen einen Korb gegeben. Silke (hat Internet gebucht) findet für mich ein Hotel auf St. Maarten.
Im Restpublikum erste Anzeichen von Stimmungseintrübungen – die Zeit der Landausflüge ist vorbei, vor uns liegen sechs Seetage. Wichtigste Veränderung: Frühstück gibt es erst eine Stunde später.
Kleines Beispiel gefällig? – Furienterror am Buffet: Eine mit wallendem Goldlamétuch, mindestens bodenlang, fast eine Schleppe. In der Schlange am Büffet tapst eine andere drauf – und merkt es nicht. Als die Erste zieht, festhängt, stärker zieht, wütend wird, pfeift sie die zweite an. Zweite pfeift erbost zurück (keine Ahnung, in welcher Sprache, könnte italienisch gewesen sein). Erste: Hätte sich wenigstens entschuldigen können. Zweite: Muss mich doch nicht gleich so anfahren (oder so ähnlich). Giftet jedenfalls noch lange hinterher, faucht und kocht, als die erste längst weitergegangen ist. Es ist der zweite Seetag, etwas Welle, 27kn Wind. Wird langsam ungemütlich, geht auf die Nerven. Und dabei liegen die meisten Seetage noch vor uns …

2 Kommentare zu „VI. Nach Panama – 37. Vertraute Gewässer“

  1. Hallo Ulrich, dank deiner Beschreibung, brauche ich gar nicht mehr selbst auf ein Kreuzfahrtschiff zu gehen. Großartig! VG Thomas

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