
Sa., 13. Jan., Shelter Bay Marina, Colon/Panama. Segelreisen sind Stress. Heute früh um 07:45h im Büro der Marina mit dem Elektriker telefoniert – mein europäischer Stromanschluss passt nicht an die (Us-amerikanischen) Steckdosen der Marina. 08:00 den Bus in die Stadt genommen, der mich zur Citibank bringen soll, wo ich meine Ersparnisse einzahlen wollte, um den Transit durch den Kanal zu bezahlen – Durchfahrt nur gegen Vorkasse in bar. Erster Stopp: Supermarkt. Einkäufe erledigt, um elf auf den Bus gewartet, der mich in die Stadt bringen sollte. Aber: er fährt zurück zur Marina. Für die Bank hätte ich sitzenbleiben müssen. Dumm gelaufen. Zwar habe ich den Fahrer gefragt, auch nach der Citi, aber ihn dann anscheinend falsch verstanden. Also raus aus dem Bus, Taxi genommen (USD 5.–), zurück ins Zentrum, die Bank sollte bis 12:00 offen haben, hatte aber schon um halb zwölf das »Cerrado«-Schild in der Tür hängen. Metzgergang. Mit dem Taxi zurück zur Marina (USD 25.–), um meinen Telefontermin mit Paula zu halten. War aber nicht. Zwar hatte ich mich am Morgen ins WiFi eingebucht (USD 28 für 15 Tage), aber in der Mittagshitze krieg ich mich nicht eingeloggt: »Wrong Password.« Also neuer Plan: Montag als erstes zur Bank. Dafür muss ich aber meine Kanalpassage als Linehandler auf der SABRINAS-EXPEDITIONS (Yegor und Marlené, kenn ich aus Curaçao, Nachbarboot) absagen. Die gehen nämlich am Montag durch die Schleusen. Also jetzt endlich frei. Und eigentlich sollte Entspannung einsetzen.
Weil: auch gestern war Stress angesagt. Erst hatten wir Grundberührung bei der Ausfahrt aus Cayos Limon (Lemmon Cays), ließ sich aber mit Motorkraft regeln. Dann eine Schule (6 Stück) großer Delfine (hatte Ina beim Veranstalter gebucht, haben wir seit Tagen von geredet, sie hätte sonst reklamiert (natürlich gibt es keinen Veranstalter, nur mich)).
»I’m Jack. – You’re only crew.«
Seglerlatein (»Capt’n Jack« ist Inas Anrede an mich, wenn etwas gut geklappt hat, wie bisher eigentlich alles und immer).
Dann ein ganzer Trupp kleinerer (ca. 1,50m) Delfine, die in Formation und großen Luftsprüngen seitlich angerauscht kommen und unter dem Schiff hindurchtauchen, als wäre die ELLI gar nicht da. Dann geraten wir mit dem Zeitplan in Verzug (wir wollen die Einfahrt zum Kanal unbedingt bei Tageslicht erreichen), erst weil wir zu langsam sind, dann weil wir zu weit nördlich vom Kurs abkommen, dann weil der Wind einschläft. Abends sind wir schon anderthalb Stunden motort, weil wir ein Marine-Reservat umgehen müssen und der Wind gegen uns steht. In der Nacht mussten wir uns unbedingt von einem notorisch gefährlichen Einzelfelsen vor der Küste Panamas freizuhalten. Gegen zehn Uhr vormittags sind wir noch immer 27 nm von Colon, der Einfahrt vom Atlantik aus, entfernt. Unter Segeln sind nur bis zu 2 kn möglich. Ungefähr Stehgeschwindigkeit. Würde mehr als 10 Stunden dauern. Also wieder Maschine an und 2 ½ Stunden motort. Anstrengend, weil unter Motor die Windsteuerung, die sonst unsere größte und beste Entlastung darstellt, nicht funktioniert. Gegen eins sind wir vor dem Hafen, wo riesige Frachtschiffe vor Anker liegen und warten. Maschine stopp, Segel runter, Ruder der Hydrovane hochziehen und zwei Fahrwasser kreuzen: das kleinere, das die Einfahrt in den (riesigen Industrie-) Hafen von Colon darstellt; und das größere, das zwischen den Wellenbrechern in den Vorhafen des Kanals führt. Nervensache: rechtwinklig quer zum Fahrwasser passieren, und hoffen, dass keiner kommt. War am Ende piepseinfach, weil sich keins der Riesenschiffe um uns herum bewegt hat. (Später haben wir einen der Riesen, geschoben von zwei Schleppern, gesehen: im Hafen fahren sie nur Schrittgeschwindigkeit.) Ging also auch alles gut.
Dann die Marina angefunkt (die Ina vierfach per Internet reserviert hat, ohne WLAN haben wir aber in den Tagen auf Kuna Yala (s.u.) keine Bestätigung bekommen). Ging auch gut, wir haben einen Platz (No. 60), fahren rein, finden auch D 40, leer, leicht anzufahren … das werden wir wieder angefunkt: E (»Echo«)-40 ist unser Platz. Und die Marineros winken auch schon. Seitenwind und zwei vergebliche Anläufe hab ich gebraucht, rückwärts einzubiegen, bis ich den (ersten) Rat des Marineros beherzige, vorwärts in die Boxengasse und dann rückwärts mit dem Wind (der den Bug dreht) einzuparken. Muss ich erwähnen, dass das Manöver unter den (mehr oder weniger) fachkundigen Kommentaren der Crews von zwei deutschen Luxusyachten (Halberg-Rassy 38, Contest 46) stattfand? Dass ich meinen Motor zweimal abgewürgt habe? Dass Thomas, unser Nachbar das Ankergeschirr seiner Contest mit einem Kugelfender verteidigen zu müssen glaubte? Alles gutgegangen, die drei Marineros machen uns fachmännisch fest. Endlich Feierabend.
Denkste. Es ist halb drei Uhr nachmittags, an einem Freitag, Hafenpolizei (Anmeldung) und Immigration (Einreisestempel) machen um halb vier Feierabend, dann wäre Wochenende! Also Papiere gegriffen und verschwitzt und in Segelklamotten (lila T-Shirt) losgehetzt. Zum Glück dauert die Dateneingabe bei der superfreundlichen (trotz Kopfweh) und tiefgekühlt klimatisierten (Kopf- und Halsweh) Hafenpolizistin so lange, dass ich zwischendurch Ina holen (die Immigration will Fotos machen) und mich umziehen kann. Dann klappt wieder alles und um halb vier sitzen wir bei Frozen Margarita und Bier (und Kippen) auf der Terrasse des Marina-Restaurants. Und alles ist gut (nur etwas benebelt). Abendessen und um halb acht ins Bett. Schlafen allerdings schlecht. Weil: Um halb sieben klingelt der Wecker, weil ich heute so viel vorhatte …
Kuna Yala
So heißt das Gebiet der Inseln, der Heimat der Ureinwohner Kuna. Dass man ihre Inseln »San Blas Inseln« nennt, mögen die Kuna nicht besonders, der Name stammt von den spanischen Konquistadoren. Innerhalb Panamas haben sie sich eine Art Autonomie bewahrt und führen eine (zwei) eigene Flaggen: eine mit gekreuzten Oberarmen mit Pfeil und Bogen, die andere zeigt ein spiegelverkehrtes Hakenkreuz auf gelbem Grund.


Es ist, 6. Januar, Reyes, Dreikönige, und wir faulenzen seit drei Tagen zwischen einer winzigen Sandinsel Tiadup (5 Palmen, 150m entfernt), einer unbewohnten Insel Olosicuidup (aber mit Hütte, guckst du Video (u.) 350m) und einer, wie sich beim Herantauchen herausstellt, von einer großen Familie sehr wohl bewohnter Dupwala (300m), wo ich mich, nachdem der Hund mich verbellt (und sein Herrchen mich freundlich gegrüßt hat) sehr schnell wieder vom Acker mache. Etwas abseits liegt ein Sandflecken, völlig ohne Vegetation Warsobguadup. Und zwei andere, mit Palmen, die wir beim Einfahren links liegen gelassen haben, Gorgidup und Dainyadup. »Dup«, so die begründete Vermutung, heißt auf Kuna wohl Insel (oder Garten?)
Am 2. Januar sind wir aus Cartagena los, der Taucher hat uns die Achterleinen gelöst, John uns intensiv beraten und uns an einer Sorgleine rückwärts ins Hafenbecken gelotst – es war kräftiger Wind aufgekommen und ich hatte schon das Ruder der Hydrovane montiert [welches das Manövrieren auf engem Raum schwierig macht]. Alles ging glatt. Ewig lange Ausfahrt, wie die ewig lange Einfahrt an Heiligabend. Cartagenas Skyline (Boca Grande) leuchtet uns noch lange nach.



Mit zwei Reffs im Groß und reduziertem Vorsegel dennoch mit bis zu sechs Knoten durch hohe Wogen und halben Wind in 1d 19h, also anderthalb Tagen, nach Kuna Yala. Ausnahmsweise hat der Zeitplan geklappt und wir sind morgens vor den Inseln angekommen, die man nur bei Tageslicht (und Sonne von hinten) anlaufen soll, hat Moritz uns eingeschärft. Wieder lange Einfahrt. Vor allem sind keine Inseln zu sehen, nur einzelne Sträußchen windzerzauster Palmen. Aber das ist es: grün auf der Karte sind Korallenriffe, gelb ist Sand, der sich auch manchmal von der Stelle bewegt. Unseren anvisierten Ankerplatz erreichen wir um neun, der Anker will nicht recht halten, in der ersten Nacht stellen wir den Ankeralarm am Funkgerät an. Aber er hält. Für die zweite Nacht fahren wir ihn noch einmal mit voller Kraft rückwärts ein. Seitdem liegen wir fest, zwischen Inseln (s.o.) und Korallenriff (scharfkantig, siehe Video: Cayos Coco Bandero).

Nachmittags kommt ein Boot mit Benancio vorbei und verkauft uns Molas, Schmucktücher in aufwendiger Stick- und Nähmusterung. Sollte man einmal kaufen (rät Moritz), damit man späteren Anbietern sagen kann: »Wir haben schon!« (Klar, dass nach Venancio keiner mehr kam, oder?)
Und alles sollte wie ein Traum sein. Die Brandung bricht sich einen halben Kilometer entfernt. Hier drin schaukelt uns nur eine schwache Welle dennoch durch. Wind weht, sodass man nachts sogar ein Laken überziehen möchte. Tagsüber vor allem Lesen und Träumen und schnorcheln (und Dinghy aufbauen, mühsam).
»So., 7.01.
aus dem Logbuch der ELIZABETH
Herd VOR Frühstück repariert
09:15 ab Cayos Coco Bandero
11.45 Schildkröte StB. (Ina sieht etwas vorbeitreiben, das aussieht wie ein umgestülpter Bastkorb, braun. Dann streckt es einen Kopf heraus und taucht ab: eine Schildkröte, sicher fast ein Meter Panzerdurchmesser.)
15:45 vor Anker Cayos Limon.«

»Mo., 8. Jan.
aus dem Logbuch
Großpersenning fertig (genäht), aufgezogen
Dinghybrett gebolzt („repariert“)
Ausflug zu Hotelinsel Tiadup und Laguneninsel Niadidup
Nudelsalat
Handbreit
Rumpf abgeschabt, geschrubbt. Elli hat eine Riesenmatte.«

Mo., 8.1., Cayos Limon (Lemmon Cays). Südsee-Feeling. Winzige Inseln, Palmen und weißer Sandstrand, Hüttchen drauf. Auf der ersten, rechts der Einfahrt Tiadup, ein Restaurant auf Stelzen, „Welcome“, dahinter am Strand Miethütten, jede mit eigener Veranda, Hängematte und Badeplattform. Einzelne sind sogar belegt. Gegenüber eine derzeit unbewohnte Insel Naguarchirdup, auf der anderen Seite der Einfahrt eine dicht mit Schilf (??) bewachsene Miriardup, vor dem Horizont noch mindestens drei Inseln, bewohnt, weil nachts elektrisch beleuchtet. Auf unserem Ankerplatz scheinen wir in einer Durchfahrt zu liegen, immer wieder sausen Motorboote wie Wassertaxis an uns vorbei. Neben uns eine kanadische Yacht und ein Spanier. Beide selten zu sehen. Und ein Katamaran-Wrack, das bereits komplett ausgeweidet wirkt, Dach eingedrückt, Fetzen vom Vorsegel am Vorstag, und darauf zu warten zu scheint, endlich untergehen zu dürfen. (Habt ihr mitgezählt? Insgesamt nur VIER Boote hier, uns eingeschlossen. So unbelebt dürfte es sonst nirgends auf den Inseln sein …) Mehrfach danken wir Moritz (im Geist) für seine Ankerplatz-Empfehlungen, alles allererste Sahne. Und ein weiteres Abendessen hat er sich mehr als verdient …)

Heute Ruder-Ausflug zum Restaurant und zum Hotel der Strandhütten. Alles abgeranzt und bretterbudenmäßig wie im Traveller-Handbuch vorgeschrieben. Aber Süßwasser und Duschen in jeder Hütte oder zumindest in Laufentfernung, Restaurant am Strand mit Sonnenuntergang. Was will ich noch in der Südsee, wenn man das doch alles hier in der Karibik haben kann? Weißer kann der Strand dort auch nicht sein. Höchstens Landausflüge, Berge beklettern wäre vielleicht schön.

Tage wie Träume, Schlafen von acht bis sieben, dann dösen, dann lesen, dann essen, dann dösen, dann schlafen. Heute Dinghy notdürftig repariert (beim Aufbauen in Coco Bandero hab ich es geschrottet). Dann Ausflug zu den Nachbarinseln, jeweils ca. 500m. Bisschen Wind, bisschen Strömung, kein Problem.
»Di., 9.1.
aus dem Logbuch der ELSE
1 Schoner, 1 Kreuzfahrtschiff, 2 Einbäume mit stehenden Fischern (?) Neue Gäste im Hüttchenhotel
Kreuzfahrtschiff ankert, lässt 3 Schlauchboote ab, fährt Passagiere zu Bilderbuchinsel, wo (Stände aufgebaut sind und) Taxiboote warten.
Abends laden sie wieder ein und fahren – den Kanal hoch!
Fischer mit 10j Sohn „Bulito“ verkauft uns zwei Makrelen (?) „Sena“ (1 ½ kg). Gebraten von Ina: lecker.
Obstboot: Bananen, Salat, Tomaten 5 USD
Abends Bier im Hafenrestaurant. Das andere, zum Kanal hin, sieht VIEL besser aus: einfacher, uriger, sauberer.«



Moritz hatte Recht: von West nach Ost werden die Inseln immer schöner. Hier sind sie mehr bewohnt, die Cayas Coco Bandero kamen uns ursprünglicher, weniger bebaut vor. Und der Strand war weißer. Am Boot zieht eine Strömung von sicher anderthalb Knoten vorbei, muss man gegen anschwimmen, um vor den Rumpf zu kommen (oder Unterwasseraufnahmen vom Kiel zu machen, der nur 30 cm über dem Grund schwebt: Handbreit.) Ach ja: der Tiefenmesser zeigt die wirklich Tiefe an, nicht erst ab Unterkante Kiel (habe ich gestern gelernt.)

Schöne Fotosession an der Pelikan-Insel gegenüber (mit kreisrundem Beton-Pier –Stonehenge? Aufgegebene Fischfarm?) an einer Palme am Strand. Aber das ist auch schon der Höhepunkt einer Inselerkundung: die Fotosession. Sonst ist nicht zu tun, als sich über den Müll zu ärgern und den Einsiedlerkrebsen beim Herumkrebsen zuzusehen – und ihre geliehenen Schneckenhäuser zu vergleichen, zu bewundern und zu kommentieren.

Ina legt Wert auf die Feststellung, dass ihr Fäzes nach Farbe und Konsistenz als »Bristol 4« qualifiziert ist, also die höchste (gesündeste) Wertung in Bezug auf ihr Mikrobiom (Darmflora) erreicht. Ina hört interessante Podcasts. Ich lese uninteressante Bücher: Slumdog Millionaire liest sich beim zweiten Mal doch eher schematisch. Dabei hatte mich The God of small things (auch beim zweiten Mal wunderbar) auf Indien angefixt. Wahrscheinlich hab ich mir die Erinnerung durch den Film verdorben. Oder der Film war besser als das Buch. Eine eindrückliche Latrinen-Szene hab ich jedenfalls vermisst. Soviel zum Thema Darm.

Inas Arm (Nerven/Muskelschmerzen) wird langsam besser, zum Glück. Hoffentlich hat sie sich beim Schwimmen heute nicht zuviel zugemutet. Nudelsalat mit dem Rest der Spaghetti von gestern (mit Guacamole aus phantastischen Avocados, superlecker). Sonst essen wir wenig Kohlehydrate, mehr Obst (köstliche Mangos) und Gemüse (Gurken, Tomaten). An das langsame Leben im Paradies kann man sich gewöhnen.
»Mi, 10.1.
aus dem Logbuch
09:30 ab Cayos Limon
10.15 Anker fällt Cayos Chichime
Makrelensandwich – lecker
Dinghy hochgehievt und abgebaut.«

Letzte Station auf Kuna Yala: Cayos Chichime, Fische gucken (rät Moritz). Einfahrt etwas verwinkelt, Wrackteile regen aus dem Riff, draußen liegt das Wrack eines Frachters als eindringliche Mahnung. (Auch die markanten riesigen Kegelbojen, die wir schon vor anderen Inseln bemerkt haben, stellen sich bei näherer Betrachtung als Büge gesunkener Yachten heraus.) Ankern auf elf Meter Tiefe (aber der Anker ist beim Schnorcheln glasklar zu sehen! – Siehe Video), mindestens vierzehn andere Yachten sind schon da und wir quetschen uns dazwischen. So liegen wir wenige Meter vor einer Anlegestelle mit schmalem Sandstrand, dahinter Wohn- und Vorratshütte einer Kuna-Familie mit kleinem (2J) Kind und Frau in bunter Tracht. Die arbeitet in der Hängematte sitzend, putzt Gemüse, macht Handarbeiten.
À propos: Molas, Motivtücher in Fresco-Technik [mehrere verschiedenfarbige Lagen Stoff, die Muster werden herausgearbeitet, indem man eine Lage ausschneidet und vernäht, dann kommt die darunterliegende zum Vorschein] haben wir schon am ersten Tag gekauft.
Weitere Händler in Booten: Gemüse (nach der Verpackung vom Großmarkt), Fische (zwei Makrelen, s.o.), mit Sohn (ca. 10j.) Bulito, sicher ein Dutzend Fische von zwei Sorten (bunt, wie Mahi-Mahi; mit seitlicher Zeichnung, wie Makrelen) Saubermachen? – Claro. Tiene Cuchillo? – Reiche ich ihm ein Messer, legt er sein Paddel quer über den Einbaum und nutzt ihn als Schneidbrett und nimmt die Fische aus.)

Cayos Chichime ist genau das Schnorchelparadies zum Fischegucken, das Moritz uns versprochen hatte: alle Größen, alle Farben. Und direkt vom Boot aus, wenige Dutzend Meter Richtung Riff hinausugeschwommen, tummeln sie sich. Ina hat sogar direkt am Ankerplatz einen Stachelrochen (Manta) gesehen. (Ich später auch, hab aber an der GoPro den falschen Knopf gedrückt, also keinen Beweis. Guckst du Fische: Video.)
Am Donnerstag nachmittag wollen wir los, für den kurzen Schlag zum Panama-Kanal. Vorher noch einmal abkühlen. Wasser perfekt temperiert, glasklar. Kurzes Sandwälzen am Strand: Paradies. (am Morgen hat eine Gruppe westlicher Freiwilliger eine Müllsammel-Aktion auf der Insel durchgezogen. Sah gut aus.) Übermütig probiere ich auf dem Rückweg meine Beweglichkeit: Ich kann wieder Delfin, meine Schulter ist völlig in Ordnung! Glückseligkeit.
Anker auf um 14:00h. Die nahen Nachbarn umfährt Ina wie ein Pro. Bei der Ausfahrt, ich verzurre den eben gehobenen Anker, Ina fährt raus, die ferne Lücke zwischen der brechenden Brandung fest im Blick, braucht das Navi ewig, um hochzufahren. Als es endlich anzeigt wo wir hinfahren, sind wir vom Kurs ab: »Hier rechts, und zwar scharf!« Da setzen wir bereits auf, der Kiel knirscht sich ins (weiche) Korallenriff. Leerlauf und Rückwärtsgang, volle Kraft. Noch mehr Knirschen, das Boot dreht zum Riff hin in ab. Ich meine, wir hätten schon etwas Lage, aber mit Ruder zum Wasser und Vollgas voraus bahnt sich die gute ELSBETH einen Weg ins Tiefe. Nochmal gut gegangen. Denn das Peinlichste wäre, unter den Augen (und Kommentaren) von vierzehn Yachtie-Besatzungen festzuhängen …
Thema Motor: der gute alte Nanni-Diesel ist seit England ein Fels in der Brandung (gewagtes Bild, passt hier nicht gut): springt sofort an, tut auch stundenlang klaglos seinen Dienst. (Dass er in Curaçao, nach einem heißen Sommer mit Salzwasser in der Kühlung, nicht ansprang, war ein Bediener-Fehler! Regel 24: Motor vor der Einwinterung mit Süßwasser spülen – und Frostschutz in die innere Kühlung! (Nicht wegen Gefrierens, sondern weil das Zeug auch Schmiermittel enthält)). Er hat sich einen eigenen Namen verdient. »Nennt mich Gustav.« Auch Eisenbeißer-Gustav nach den Geräuschen, die er macht. Jedenfalls stets zuverlässig und vermittelt ein gutes Gefühl. Ganz anders als zu Beginn der Reise …
Es macht so viel Spaß Dir zu folgen. Bei einer kleinen Segeltour möchte ich Dich gerne begleiten, so wie wir das auf der Costa besprochen haben. Bis dahin wünsche ich Dir viel Spaß. Liebe Grüße Maria
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