VIII. Amazonas & Brasilien – 49. Trübe Wasser

Farbig: Hängematte

(Do., 21.3.)
18 Stunden pro Tag in der Hängematte liegen hört sich nach Erholungsurlaub an. Ist jedenfalls sehr ruhig (bis auf das Motorbrummen, Tag und Nacht). Eine Fahrt den Amazonas hinab ist der Traum aller Weltenbummler – Harald Schmidt hat sie in seinem Gap-Year nach Ende seiner LateNightShow auch gemacht. Und volksnah ist die Sache auch: Auf zwei Decks, das obere dem Wetter ausgesetzt, sind Haken an der Decke festgeschweißt und Lattenroste auf dem Boden ausgelegt: man hängt seine Hängematte auf und stapelt sein Gepäck wasser- und insektensicher auf die Lattenroste. Wir sind wie vorgebucht seit Mittwochmittag unterwegs und es ist so abenteuerlich wie gehofft – nur dass zwischen den spannenden Momenten stundenlang nichts passiert (außer, dass Flusslandschaft vorbeizieht …).

Bräunlich: Fluss

Mittwoch früh steht Armstrongs Fahrer pünktlich wie die Uhr vor dem Hotel, bringt mich zur Bank, leider sind meine Kreditkarten ausgelaugt, für beide wird mangelnde Deckung angezeigt. Also funktioniert meine Finanzierung nicht: weil Armstrong feste Buchungen vornehmen wird, braucht er Vorkasse. In seinem Hotel schmeiß ich das WiFi an und bringe eine Auslandsüberweisung auf den Weg. Dann warten Fahrer und ich ergebnislos, aber schließlich fährt er mich zu Hafen. Welches Schiff? Weiß ich nicht, ich dachte, es gibt nur eins – das, was um elf Uhr losfährt eben. Gehen wir drauf, stehen an einer Art Rezeption an der Rampe, mitten im Weg: schwerbeladene Lastenträger keuchen herein, zwischen parkenden Autos (es ist eine Fähre!) und Ladegut (und wartenden Passagieren wie ich) hindurch. Meine Buchungsnummer ist anscheinend nur agenturintern, sie können zwar die Bestätigungsmail auf meinem Telefon ins Portugiesische übergoogeln, aber finden mich nicht. Fahrer hilft überzeugend, doch am Ende rufe ich die Agentur an und reiche den Hörer an die Rezeptionsdame weiter. Großes Palaver, inzwischen ist auch der Kapitän eingeschaltet, der Name eines anderen (Schwester-?) Schiffs fällt, erleichtertes Aha und Kopfnicken. Und sie tragen mich in die Liste ein, ich bekomme mein Disko-Bändchen ums Handgelenk und bin drin. Möglichst oben, möglichst vorn lautete der Rat für den Platz. Ich finde zwei Haken neben einer Familie mit Kind. Und Punkt 12 geht es, wie von Armstrong prophezeit, los. Der Schiffsdiesel keucht und raucht und heult auf. Die Hafen- und Marktanlagen von Manaus. Flussabwärts der neuere Containerhafen. Die ärmlichen Stadtviertel an den erdrutschgefährdeten Hanglagen. Und der breite Strom. Das Wasser des Rio Negro ist dunkelbraun vor Humus aus dem Amazonasbecken. Sieben Kilometer hinter der Stadt (Richtung Meer) vereinigt er sich mit dem Rio Urucu und wird (für die Brasilianer) erst dort zum Amazonas. Und grüngelb-trüb statt schwärzlich-braun. (Manaus ist wie Augsburg, wüsste Herbert. Auch dort vereinigen sich zwei Flüsse, die ihre Namen lassen müsse(n) …).

Schlank: Herbert

Seither brummeln die Motoren ununterbrochen, leiert und wummert Latino-Hiphop und -schlager aus den Wummerboxen an der Bordbar (Deck drei) und liegen wir in den Hängematten …

Teil 1

Auf Deck 0 parken sechs Autos und ein paar (Lasten-) Motorräder. Der Rest des Decks ist vollgepackt mit sicher hundert Kubikmetern Paranüssen in groben Plastiksäcken, geschätzt mehrere (zig) Tonnen. Deck 1 bietet den geschlossenen Passagierraum, gut gefüllt und schlecht belüftet, daneben die Sanitäranlagen, (saubere Duschen und Waschbecken) ein paar Suiten und Kabinen (Camarotes, die sehr kärglich aussehen, grobgezimmerte Stockbetten) und das refectorio, den winzigen Speisesaal. Dreimal am Tag werden warme Mahlzeiten in kompletter Wegwerfoptik ausgegeben: Aluteller, Plastikbecher, und -besteck. Für 15 bis 20 Reales (€ 3 bis 4). Deck 2 weist ein Schiffsdrittel Kabinen und Suiten auf und das obere offene Passagierdeck (insgesamt ist die Fähre für 824 Gäste zugelassen, im Augenblick höchstens zur Hälfte gebucht). Das offene Deck 3 bietet die Bordbar (0730 bis 2400) und zwei Terrassen. Am ersten Nachmittag wechselte der brennende Sonnenschein zu einem Regensturm, fegt die Plastikmöbel über das offene Deck und zerschmetterte einen Tisch und einen Stuhl. Dann wieder Sonnenglühen und nachmittags noch einen Regensturm: es ist Regenzeit, wir sind (3°) südlich des Äquators.

Terrasse hinter der Bordbar (nicht im Bild)

Zwischen 1700 und 1900 (bzw. solange es reicht) gibt es das Abendessen (Schweinebraten, Reis, Spaghetti, Salatgarnitur) und morgens ab 0600 Frühstück (Kaffee, Käsetoast, Obstteller).

»Ô quesu-quesu-quesu!«

Heute früh 0600 im ersten Licht ein Halt. Pontonanleger, ein paar neue Passagiere, etwas Fracht. Aber vor allem Käseverkäufer mit langen Stangen, an deren oberem Ende ein Haken (für die Ware in Plastiktüte) und eine umgedrehte halbierte Plastikflasche (für Geld und Wechselgeld) befestigt sind. Und ihre melodiösen ausgesungenen Lockrufe.
Gegen acht lag zum ersten Mal ein Hügelrücken im Weg, ziemlich ungewöhnliches Bild im topfebenen Amazonasbecken (das einmal (Gondvana) Teil des Kongo-Flusssystems gewesen sein soll – Herbert war (oder ist) Geologie-Student. Um zehn der zweite Halt, diesmal an einer Lehmpiste. Am Ponton verluden sie einen schweren Motor (Generator?) auf eine andere, kleinere Fähre. Am Fluss verstreut einzeln liegende Hütten, Gehöfte, Liegenschaften, teilweise mit Anlegern. Nachts strahlend hell (und einladend) beleuchtet. Heute abend, weiß ich von Armstrong, machen wir über Nacht in Santarém fest. Und ich werde mir ein Abendessen schießen. Die Mittagsöffnungszeit (1100 bis 1300) habe ich nämlich verschlafen, um viertel vor eins gab es nichts mehr. (Nur überbackenes Sandwich von der Bar). Am Spätnachmittag breitet sich der Fluss mitten in einer (hunderte) Quadratkilometer weiten Seenlandschaft aus, zu beiden Seiten nur von flachen (natürlichen?) Dämmen begrenzt, die kaum buschbewachsen sind, mit einzelnen niedrigen Bäumen.

Santarém, Pará
Santarém

Fr., 22.03., Santarém
Die Stadt liegt wie am Meer, mit allem: Strandpromenade mit Kinderbelustigung, Anglern, Fressbuden, Ruhebänken für verliebte Paare, Restaurants (Pizzeria mit Livemusik). Das von der Schiffsassistentin empfohlene Restaurant über dem Wasser ist gerammelt voll mit Touristen; die Bastion mit Kanonen und Luxushotel (»London«) mit Aussichtsterrasse thronen hoch über der Stadt, eine endlose Treppe hinauf. Wieder unten folgt die Einkaufsmeile, nachts selbstverständlich alles geschlossen und die kitschig beleuchtete Kathedrale samt Vorplatz, der als Markt genutzt wird. Und immer noch am Wasser liegt, an der endlosen Promenade, deren Lichter sich bis zum Horizont ziehen. Wir haben um 1800 am Donnerstag angelegt und 17 h Aufenthalt: die ganze Nacht. Mein Hunger war zu groß zum lange Suchen, in einem Ecklokal im Freien servieren sie Gegrilltes, weißen Reis, Gemüsereis mit Graupen/den Kichererbsen und Kräutern, den es auch auf den Kapverden gab, Kartoffelsalat. Und Acerola-Limonade. Dann Spaziergang ins Städtchen. Die Gegend am Ufer wirkt alt und heruntergekommen und mir nicht ganz koscher. Teils Bretterbuden, teils Geschäfte mit großen Plänen: für gemauerte Gartengrills, für Klimaanlagen, eine Fahrschule. Und Eckkneipen und kleine Supermärkte. Später: Freiluftplätze für Beachtennis, auf Beachvolleyballfeldern. Sieht nicht wirklich athletisch aus, aber interessant.
Die Strandpromenade fängt belebt als Treffpunkt der Jugend an, ein Grilllokal mit Biergarten im baumbestandenen Park am Wasser. Von da ab zieht sich die Spazierstrecke das Ufer entlang. Auf dem Rückweg wage ich mich durchs Hafenviertel – alles völlig harmlos. In einer In-Bar, halb offen am Ufer, mit Livemusik (zwei Jungs, Gitarre, Cajon) ist die Hölle los. Ich muss vor allem die Toilette aufsuchen, kann mich aber nicht verständlich machen, die gebe es hier nicht. Finde ich aber. Nach zwei Halbliterflaschen Spatenbräu sieht alles noch freundlicher aus. Auf dem Rückweg setzt Regen ein, ich stelle mich unter. Und bin um elf wieder aufm Schiff.

Auch ein Frachtschiff: die AMAZON STAR am Ponton in Santarém

Heute, Freitag, früh um 0600 vom Kaffeeverkäufer geweckt, der mich über den Tisch zieht. Milch flockig, Kaffee lauwarm, trotzdem verlangt er RS 5 (€ 1). Was sich als Gringo natürlich leicht verschmerzen lässt. Yucca-Pfannkuchen mit Rührei zum Frühstück an der Hafenbude. Plus drei Kaffee für RS 10 (€ 2). Nervig sind zwei andere Passagiere der AMAZON STAR. Sie verlangen Kaffee ohne Zucker (muss frisch gemacht werden), um dann doch esslöffelweise Zucker hineinzurühren, bestellen große Wasserflaschen (die die Budenbetreiberin von quer über den Platz besorgt), um sie dann doch nicht zu nehmen – sie wollen zum nahen Supermarkt, wo es das Wasser billiger gibt. Dabei hat die eine sicher ein halbes Monatseinkommen in aufgespritzte Lippen, gefärbte Haare, Sonnenbrille und -schirm investiert. Und die ganze Zeit beschweren sie sich (soweit ich das verstehe, sie reden portugiesisch) darüber wie teuer alles sei und wie schäbig die Kabinen. Dagegen sind meine alten Kreuzfahrterfahrungen erbauliche Geschichten mit erhebenden Charakteren. Überhaupt Frauen an Bord. Nennen wir sie die Lebenslustige: Minipants, tiefer Ausschnitt, Haare zur Scheitelpalme hochgesteckt. Sucht schäkernd Anschluss mit Jung und Alt, Hauptsache männlich. Und wer sitzt in dem Wagen, der gestern Nacht augenscheinlich ohne Berechtigung Zufahrt zum Anleger erschleichen wollte, das Schmiergeld vorsichtshalber schon nach vorne gereicht? Heute ist die Lebenslustige aufgedreht mit ihrem Sohn (ca. 18) auf der Barterrasse zugange, schießt Selfies und lacht verliebt. Wahrscheinlich bilde ich mir das alles nur ein, sie haben gestern Nacht noch Passagen gekauft, der Junge trägt ein Armbändchen wie wir alle. So erklärt Klein-Ulli sich eben die Welt …
Draußen vor dem Anleger laufen heute zwei Farben Wasser zusammen, dunkelbraun und hellgrün, beides trüb (wie auch aus Wasserhähnen und in der Kloschüssel). Wo der leichte Wind im weiten Flussbogen vor Santarém gegen die Strömung der Wasserläufe steht, baut sich eine kurze, fiese Welle auf. Mal sehen, wie wir dort gleich durchkommen … Seit Manaus habe ich übrigens kein einziges Segelboot gesehen, obwohl es doch schick sein soll, den Amazonas hochzusegeln und es laut Navionics sogar Marinas gibt am Fluss …

(funktioniert gerade nicht, weiß der Himmel, wieso –
hier der link): https://youtu.be/TGODe_Z69nA

Überpünktlich um 1045 pfeift der Dampfer mehrfach dröhnend und legt ab. Einmal Dünnpfiff-Hose (die klumpige Milch von vor dem Frühstück steht in Verdacht!) ausgewaschen, zwei Stunden geschlafen, schon biegt die Fähre in einen Seitenarm mit Sumpfweiden ab und legt 1530 in /Monte Allegre an. Dort drängeln sich Reisende und Snackverkäufer auf dem Ponton und ein Delfinpaar zieht (wie gestern beim Anleger an der Lehmpiste) direkt davor seine Kreise – im Trüben, die können auch mit Ultraschall jagen, hab ich gelesen.

Um halb acht der nächste Stop, Parinha, an einem winzigen verblichenen Holzanleger, zweistöckig, der gut am Mississippi von Onkel Toms Hütte oder Tom Sawyer und Huckleberry Finn stehen könnte. Nur eine Viertelstunde, Passagiere austauschen. Und vier Männer wuchten eine riesige Kingsize Matratze die schmale Treppe zum Oberdeck des Stegs hoch. Spätestens seit Santarém sind wir nicht mehr in Amazonien, sondern im Bundesstaat Pará (nach dem indigenen Namen des /Gråo Pará, des Fluss-(so weit wie das) Meer(es)).
Lukas heißt der Londoner/Brasilianer, der mich, samt seiner blond-kurzhaarigen deutschen Freundin so sehr an mich/uns vor vierzig Jahren erinnert (beide mit riesigen Brillen) und mir deshalb unwillkürlich sympathisch ist. Andrea ist der Italiener aus Livorno, seine Freundin, Brasilianerin, kommt aus Sao Paolo. Die drei Amerikanerinnen, von denen eine deutsch und aus dem Harz ist. Und das französisch-schweizerische Paar aus der Suite No. 8 – es ist der Tag der Bekanntschaften.

Billig: Deck 2

Sa., 23.03.
Regensturm um Mitternacht. Seitlich prasselt das Wasser herein. Mein Nachbar, noch exponierter als ich, baut seine Hängematte ab. Auf meinem Platz „nur“ Sprühwasser, nicht mal kalt. Bloß dass der heulende Wind dazukommt. Auf den letzten (überdachten, aber seitlich ungeschützten) drei Metern zum Klo werde ich triefend nass, bevor ich die Klotür gegen den Wind zuknallen kann.

Dunkel: Gurupá

Um 0500 Gurupá. Hier sind sogar die Holzpoller kurz vor dem Verrotten, unbehauen und schief. Zwiebeln und wenige Passagiere werden angelandet und aufgenommen. Die Nacht war lang, ab sechs gibt es endlich Frühstück. Andrea, der Italiener, weist mich darauf hin, dass meine Hängematte viel zu tief hänge. Spanne ich flacher und der zweite Schlaf bis acht geht sehr viel besser. Urplötzlich sind fliegende Händler auf dem Dampfer, der O-queso-queso-queso-Singsang ist wieder da. Dabei habe ich gar nicht mitbekommen, dass wir gehalten oder gar angelegt haben sollten …?

Lahm: Holzfloß

Wider jede Intuition wird der Fluss zur Mündung hin schmaler, verzweigt sich in unzählige Seitenarme. Der, durch den wir fahren, ist gerade mal 200m breit, nach 4,1 nm (über 7 km) gestern. Bretterhütten auf Stelzen, Einbäume, knatternde Motorboote, kleinere Fähren, einige ans Ufer gezogen. Zahlreiche Schiffbauer. (Inzwischen hätte ich auch schon fast wieder Lust, eins anzufangen.) Auch drei Kirchen mit jeweils eigenem Anleger. Kinder und Jugendliche paddeln zur Fähre heran, drehen dann wieder ab. Ob sie Geschenke erwarten? Oder einfach neugierig sind? Feinsäuberlich aufgefächert warten Holzstämme im Wasser auf ihren Weitertransport. Matratzenkino: von meiner Matte aus sehe ich durch einen Wetterschutzgrill das Uferleben wie einen Film vorbeiziehen (s. Video (folgt)). Es ist noch nicht mal 1000 und doch schon ein völlig anderer Film: Regenwald, Einbäume, Bretterhütten. Und strahlender Sonnenschein, außerhalb des Schattens unerträglich.

Wir fahren inzwischen auf einem schmalen Seitenarm, werden Belem sozusagen „auf dem Landweg“ erreichen. Und nicht, wie ich naiverweise vermutet habe, hinaus aufs offene Meer kommen – wäre auch ein enormer Umweg gewesen. Um halb zwölf Sturzregen in einer gelben Wand, so dicht, dass sogar der Dampfer kurzzeitig die Fahrt verringert. Ein ewig langes Hölzerfloß, mitten auf dem Fluss. Und dann erfahre ich, wo die Händler herkommen: mit ihren schnellen Motorbooten legen sie sich außen an den Dampfer, machen an den Traktorreifen (als Fender) fest und klettern an Bord – oder schicken ihre Kinder.
Ein Teenagermädchen, vielleicht 15, hat sich für ihre Verkaufstour mit rotem Minikleid schick gemacht. Fürsorglich schenkt ihr die (brasilianische, aus Sao Paolo) Freundin von Andrea eine Großpackung Kräcker. Die Jugendliche dankt freundlich, aber als sie sich wegdreht, verdreht sie die Augen zu ihrer Freundin – als ob sie nicht genug zu essen hätte …! Ergo: nicht nur ich Gringo hab Schwierigkeiten zu beurteilen, wie schlecht (oder gut) es den Leuten geht.

Lila: Tucumao

Um halb drei noch ein Halt, Breves, aber nur ganz kurz, das Hafenviertel am Fluss sieht auch nicht besonders vielversprechend aus. Im Fluss: ein fleischfarbener (Albino?-) Delfin.
Jetzt gerade, Mangroven an Stb, Dschungel an Bb, tritt ein, was Herbert angekündigt hatte: der Wald ist zum Greifen nah, der Flussarm vielleicht noch 30m breit.
Nachmittags esse ich meine Vorräte auf: Tucumao heißt die kokosnussgroße grüne Frucht, an der seitlich Blätter abstehen wie Fischflossen. Innen eine Überraschung: das Fruchtfleisch, ein wenig wie Kiwi und schmeckt auch so, ist leuchtend lila. Und färbt sicher tierisch ab. So kräftig ist der Farbstoff, dass er sogar noch am anderen Ende des Körpers (am nächsten Morgen) das Produkt wunderschön dunkelviolett färbt (Bristol null bis eins). Sonnenuntergang, dramatisch wie immer (mit Wetterleuchten), später gibt es eine hell aufleuchtende Sternschnuppe über einem Schlepper mit endlos langem Hölzerfloß. Und nach einer kurzen Nacht im Morgengrauen: Belém. 0530 legt der Dampfer an, schiebt sich mit Gewalt in den Schlamm (es gibt Ebbe und Flut in Belem, habe ich heute erfahren), alle packen ihre Sachen und Hängematten und die Neuwagen werden von der Fähre rangiert. Wir sind viel zu früh, mein Abholer ist noch nicht da. Später merke ich, dass die Uhr umgestellt wurde, es ist schon halb sieben. Um acht treffen wir uns endlich, Junior hat am Schiff gewartet, ich draußen vor dem (schäbigen, abgelegenen) Hafentor. Er bringt mich ins Hotel, Gepäck abgeben. Wir warten bis der Schlagregen aufhört. Stadtführung ist angesagt: Altstadt, Märkte (Fressbuden, Obst, Gemüse, Medizin- und Kräutermarkt, Fischmarkt). Dann das Museum für Sakral- und Indigenen-Kunst, im ehemaligen Jesuitenkloster aus der Gründungszeit der Stadt (1618). Besonders schön: Muiraquita frogs, aus Jade geschnittene Frösche, die einmal im Jahr verschenkt werden. Und zwar von den Frauen der Ikamiabas, eines Indigenen-Stammes aus der Nähe von Santarém, als Dank an die Männer, von denen sie sich, nur an einem bestimmte Tag, einmal im Jahr, befruchten lassen. Den Rest der Zeit leben die Frauen für sich alleine. Heute werden ähnlich nachgemachte Frösche noch immer verschenkt, als Talisman für Glück und Fruchtbarkeit … Leicht einzusehen: einen Macker nur einmal im Jahr um sich zu haben und sonst seine Ruhe: das ist Glück.


Und die Bastion am Wasser, mit Kanonen.
Im alten Hafen schrubben die Fischer ihre Kutter, sie fahren nachmittags wieder raus. Und die Geier, schwarz, mit grauem Faltenhals, warten auf den Giebeln der umliegenden Altstadthäuser (z.T. mit portugiesischen Kacheln als Fassadenschmuck) darauf, dass die Flut vorbeigeht und die Ebbe den Hafenboden freilegt, wo die Fisch(rest)e liegen, die von den Fischern über Bord geworfen worden sind … Alles sehr prall und lebendig.

Teil 3

Mein Guide Junior stammt aus Marajó einer Insel mitten in der Mündung und der Stadt gegenüber (und größer als die Schweiz), die Belém mit Arbeit (Aluminiumfabrik) und Ost und Gemüse versorgt. Andauernd setzen Fähren über den Fluss, vor allem aber alle Richtungen: der Amazonas ist eher Meer als Fluss.
Abends habe ich die Empfehlungen von  Junior abgearbeitet, das Freiluftrestaurant genau neben der alten Oper (so alt wie die Manaus). Excellente Cupuaçu-Limonade, der Filhote alla Cheff, Superfisch gemäß Junior, war leider zu Tode paniert (Fischstäbchen vom Edelfisch), dazu Jambu-Soße, das Leib- und Magen-Würzkraut der lokals (in fast allem vom Likör bis zur Fischsoße). Danach zum Sonnenuntergang (verpasst) die Craft-Brauerei Amazonas Beer am Flussufer probiert. Die ehemaligen Lagerhallen sind zur Ausgehmeile par excellence aufgehübscht, etwa wie das Kranufer (auch mit Kränen!), nur in schön und superpopulär. 2025 wird in Belém der Weltklimagipfel stattfinden, danach kennt es jeder … Kurz: Es ist (für mich) die zweitschönste Stadt Brasiliens.

Belém: Oper

45. Zwei Tage und zwei Nächte

Playa del Merced, Punta Bruja
Warten auf Oswaldo

(Do., 22.2. Flamenco Marina (wieder), Panamá, Panamá.)
Oswaldo, der Bootsbauer aus Playa del Merced, hatte uns zugesagt, uns am Morgen zu helfen und uns aus der Flussmündung zu schleppen, weil der Wind zuletzt genau gegenan stand. Morgens um acht war vereinbart, nachdem er vom Fischen zurückkäme. Wir waren seit halb acht bereit. Um neun fuhr er (mit seinen Söhnen (?)) an uns vorbei, winkte auch. Dann kam nichts mehr. Um elf, die Ebbströmung zog uns hinaus und der Wind stand exakt achtern, haben wir uns entschlossen, alleine loszusegeln. Ohne Antrieb war das eine Nervensache. Ein Palmwedel, der mit der Flut hereingetragen worden war, trieb neben uns hinaus – und machte uns Mut. Tatsächlich lief alles glatt: im Schritttempo, und manchmal nicht mal das, schlichen wir aus der Flussmündung, aus der Bucht und aufs offene Meer. Ein langer Baumstamm, von Pelikanen (oder anderen Vögeln) belagert, trieb den ganzen Nachmittag neben uns in Sichtweite, viel Geschwindigkeit machten wir also nicht. Draußen lief der Humboldstrom die Küste entlang, nach Norden und Nordosten – eigentlich genau, wo wir hinwollten. Ziel war der Fischereihafen Vacamonte, wo es laut unserem Führer einen Travellift [Möglichkeit, das Schiff aus dem Wasser zu heben] und zahlreiche Werkstätten (für Fischerboote) geben sollte. Astillero Nacional hieß der Reparaturbetrieb unseres Vertrauens (oder meiner Hoffnungen). Zwei Stunden frischer Wind brachte uns in die Nähe der Isla El Pelado, die zwar auf dem Weg, aber auch im selben lag. Danach wieder Flaute, wir haben sogar gebadet. Und Delfine gesehen, zumindest die Rückenflossen. Um 1900 setzt sich ein großer Vogel, schwarz, Typ Geier oder Greif, nach mehreren Anflatterversuchen auf die Mastspitze, und zwar genau auf den Impeller des Anemometers, ein empfindliches Plastikteil mit einem sensibel gelagerten Windrädchen. War nicht zu vertreiben, wahrscheinlich wurde das Vieh vom Masttoplicht angelockt. Und anschließend funktionierte der Windanzeiger nicht mehr, klar. Die ganze Nacht über war kaum ein Lüftchen zu spüren, eine Flautennacht. So still und glatt lag das Meer, dass wir einen doppelten Sternhimmel hatten. Oben das Funkeln, unten das Phosphorisieren der Algen (oder die Spiegelungen der Sterne.) Die Lichter von Panamá-Stadt lagen weit voraus, scheinbar unerreichbar. Im Morgengrauen stellten sie sich als die Lampen des Arbeitslichts von vier Fischerbooten heraus, die wir zwar passieren konnten, die aber eben mitten im Meer und nicht am Ufer lagen … Immerhin hatten wir am Morgen fünf (5) Meilen in die richtige Richtung gutgemacht. Allerdings trieb der Vogelbaum noch immer in Sichtweite. Nur den Palmwedel hatten wir zum Glück abgehängt. Am zweiten Tag kam ab elf etwas Wind auf, (die Wartezeit darauf zog sich endlos!) der uns mit 4 ½ kn in die gewünschte Richtung (Kurs 285°) schob. Und um 1545 einschlief. Wieder totale Flaute. Bis uns um 1600, also eine Viertelstunde später, plötzlich eine Bö mit sicher 3-4 Bf aus der entgegengesetzten Richtung (N statt S)! um die Nase pfiff. Und um 1635 wieder Flaute einzog. Die zweite Nacht brach an, unstet blieb der Wind und wir hatten das Fahrwasser zum Panamakanal zu kreuzen, knapp, falls der Wind seine Richtung behielt, außerhalb des Verkehrstrennungsgebiets, das wir nur streng rechtwinklig hätten queren dürfen. Da die Batterien seit Pearl Island Marina nicht mehr geladen worden waren, hatten wir vorsorglich die Maschine eine halbe Stunde laufen lassen. Aber jetzt fiel die Batterieanzeige wieder auf 12,0 V. (Bei einer Entladung unter 11,8 ruiniert man die Batterien). In meiner Wache von 1900 bis 2300 konnten wir das Fahrwasser queren, aber mit Winddrehern und kurzen Flautenabschnitten geriet die Fahrt zur Nervensache. Odysse ging es nicht besser: In seiner Wache musste er eine unbefeuerte (und nachts kaum auszumachende) Insel zu vermeiden versuchen. Auf der anderen Seite der Bucht lief die Humboldströmung (oder die Tidenströmung) uns entgegen, drohte, uns aus der Bucht wieder hinauszutreiben. Bei Wassertiefen um die zwanzig Meter war an Ankern nicht zu denken (jedenfalls nur theoretisch). Morgens um drei, zu Beginn meiner Wache, lag das Festland (und ankerfähige Wassertiefe) scheinbar unerreichbar in Windrichtung.

Bis Neuseeland

Ab halb sieben blieben wir beide wach. Wenn uns die Strömung weiter hinaustriebe und wir keine Ankermöglichkeit fänden, wäre der nächste Stopp Neuseeland, scherzte Odysse. Konnte ich nicht wirklich drüber lachen, aber die Stimmung blieb gut. Und dann kam auch wieder Wind auf, wieder aus Süd, fast aus der richtigen Richtung. Statt vor der Hafeneinfahrt von Vacamonte zu ankern, wie wir es vorhatten, erfragten wir die Erlaubnis, unter Segeln einzulaufen und der Torre de Control sah darin kein Problem. Zwischen rostigen Fischkuttern, die im Hafenbecken in großen Päckchen lagen, und mit zwei Wenden schafften wir es schließlich zu einem Ankerplatz im Hafenbecken, den uns ein hilfsbereiter Motorbootfahrer als commun (allgemein zugänglich) anwies. Der Mann vom Zubringerboot (Lancha) bot sich sogar an, mich und die Papiere zum Hafenmeisterbüro, also an Land, zu bringen.

Strand am Hafen Vacamonte

Anmelden beim Hafenmeister, der uns einen Platz an der Muelle, also am Pier, zuwies, Schlepphilfe von diesmal gleich zwei Lanchas, und um 1200 Mittag lagen wir tief und sicher am Kai. Große Erleichterung beim Kapi und der gesamten Besatzung (Odysse). Spätestens am Nachmittag musste auch Odysse zum Hafenmeister, seinen Pass vorzeigen. Aber erstmal: Pause und Erholung.

Ostblock, 80er Jahre

Vacamonte ist ein Erlebnis der besonderen Art. »Das Original-Panamá«, sagt Odysse, abseits vom Schuss der glänzenden Bankpaläste, Wolkenkratzer und Luxushotels der City. Auch wenn sie uns, wie sich zeigen wird, mit der Reparatur der ELSBIETA nicht helfen konnten. Wir lagen drei Tage am Kai – ich sage absichtlich nicht „Steg“, weil der Anleger sicher zehn Meter hoch aus groben Holzpollern und Betonstelzen unzerstörbar gebaut ist. Und neun Meter (bei Flut: vier Meter) über uns liegt, erreichbar über eine aus Baustahl geschweißte wacklige Leiter (über die wir gottfroh sind). Am ersten Nachmittag löschte an der anderen Seite des Kais ein Fischkutter seine Fracht, meterlange Untiere (keine Ahnung, welche Sorte), die von Hand aus dem tiefen Schiffsrumpf (und der Kühlung) in Hebekörbe geworfen, mittels Kran auf den Kai gehievt und dort in Kühlbehälter sortiert worden sind. Ein Korb voller Riesenfische (der größte, haiartige, war sicher zwei Meter lang) kam als letztes. Und dann haben sie noch sicher einen Kubikmeter Tunfische, jeder fast einen Meter, von einem Kühlraum im Kutterinneren in einen anderen umgeladen – und wieder mitgenommen, wahrscheinlich war der Preis für Atún im Keller.
Direkt am Kai steht eine riesige Fischfabrik, Kühllaster in allen Stadien des Verfalls sind drumherum geparkt, teilweise auch ohne Kühlung. Hier werden Langusten verarbeitet (deren Saison in diesen Tagen zu Ende geht), jeden Morgen bringen Busse scharenweise Arbeiterinnen, die in Hauben, Schürzen und Gummistiefeln Krabben (puhlen und?) verpacken. Eine Eismaschine, die mittels Gabelstapler beschickt wird, spuckt kubikmeterweise Graupelschnee in Kühlbehälter. An einem Wasserschlauch dürfen wir, Odysse hat mit dem Vorarbeiter gesprochen, uns waschen. Leider im Freien und vor den Augen der Arbeiterinnen (Schichtwechsel) bloß durch einen Stapel Kühlbehälter kaum verborgen. Abends selbstgebratene Krabben, die Odysse vom Ermöglicher der Duschgelegenheit geschenkt bekommen hatte. Außerdem gibt es das Restaurant Vacamonte, die Cafetería Vacamonte und einen kleinen Supermarkt Vacamonte. Alle vom Team derselben überfreundlichen Bedienungen bewirtschaftet, die uns bald wie alte Bekannte begrüßen. Das Restaurant (Neonlicht, Resopaltische, Salsa-Latino-Pop-Video-Beschallung) ist nämlich (das einzige und) unschlagbar billig: zwei Fischermahlzeiten (es gibt alles, außer Fisch, riesige Portionen, vor allem Fleisch) nebst Getränken kosten USD 10, sicher subventioniert.

Restaurante Vacamonte

Zum Frühstück gibt es manchmal Rührei, sonst Huhn, Schwein, Rind, Leber in leckeren Soßen, gebratene Bananen und köstlichen Reis oder Fettgebäck (und Linsen oder Bohnen). Die Fischarbeiter behandeln uns freundlich und kameradschaftlich, alle grüßen überschwänglich und mehrfach haben wir schon Mitfahrangebote bekommen – der Hafen liegt kilometerweit außerhalb der Stadt. Mehrere Flotten Fischkutter sind im Hafen festgemacht, Arbeitsboote, denen man die tägliche Belastung ansieht. Auch halbversunkene Wracks liegen im Hafen.
Nachmittags mit Odysse die Behördengänge erledigt. Passvorweisen bei der Hafenpolizei im Kontrollturm, eine Etage darunter eine Behörde undurchsichtiger Funktion. Die aber unser in Shelter Bay beantragtes (und bezahltes) Cruising Permit prüft (und als unbezahlt im Internet findet!). Beim Marinabüro (sechs Angestellte beiderlei Geschlechts) kann man uns nicht sagen, wieviel unser Aufenthalt kosten wird, Nachfragen, die Reihe der Schreibtische entlang, ergeben einen Preis von wenigen Dollars pro Tag. Am Ende werden wir für drei Tage Aufenthalt insgesamt 16 USD bezahlen. Dafür gab es aber auch: keinen Strom, kein Wasser, keine Duschen. Aber die Möglichkeit, unseren Müll zu entsorgen – der von den streunenden Hunden aus dem Eimer gestoßen und zerwühlt wird. 
Im Büro der Migration arbeiten vier Menschen. Der jüngste erhebt sich schüchtern bei unserem Eintreten, weiß mit uns aber nichts anzufangen. Eine Angestellte starrt angestrengt auf ihren Bildschirm, Odysse sieht, dass sie die Suchmaske von Google offen hat und ihr beim besten Willen nichteinfallen will, nach welchem Stichwort sie noch suchen könnte; einer, dem Alter nach kurz vor der Pension, schläft, zugedeckt mit seiner Jacke (weil die Klimanlage auf voller Kraft ballert) und lässt sich nicht stören. Schließlich kommt einer, Typ Polizist/Macher im besten Mannesalter, zieht sich das Koppel stramm und erklärt uns, dass wir eine nota bräuchten, ein formloses Ersuchen, unser Boot im Hafen lassen zu dürfen. Er zeigt uns sogar eine Vorlage, einen förmlichen Brief an die zuständige Dezernentin, kann uns aber keine Kopie machen, weil sein Edding nur rot schreibt und er damit die Daten aus der Vorlage nicht schwärzen kann. Wenigstens schneidet er uns den Hauptteil des Briefs (mit Adressen und Anreden) aus. Odysse kann sich kaum halten vor Kopfschütteln. Denn die Szenerie könnte man nicht erfinden. Wie früher, als wir über die Transitautobahn nach Berlin gefahren sind.

Schneller Vorlauf: Gestern, als wir uns abmeldeten und Odysse Fotos machen wollte, sind die Büros offensichtlich vorgewarnt worden, wurden wir auch vom Cruising-Permit-Jungbeamten am Händchen durch den Bürokratiedschungel geleitet. Und alles war anders: in der Migration standen Wartestühle aufgestellt, die Angestellte führte ihre Suchen jetzt am Handy durch und der schläfrige Alte stellt sich als Beauftragter für Stempel und Unterschrift heraus (kein anderes Utensil störte seine Schreibtischoberfläche).

Auf der Polizeistation nebenan warteten Handschellen, an einem Rohr in der Wand fixiert auf Bösewichter. Höhepunkt war jedoch sicher das Marinabüro. Der Vorgang ELIZABETH (erkennbar an der nur schlecht, weil zu dunkel kopierbaren Zulassung) wurde über drei Schreibtische gereicht, leider waren die Angaben unleserlich (und auf deutsch), aber Nachfragen lagen unter der Würde der Beamtinnen und Beamten. Erst unser hilfsbereiter Begleiter kam zu uns und fragte nach, welches Netto- und Bruttogewischt das Schiff wohl haben könnte (stand nicht in den Zulassungspapieren). Dann sprang tackernd ein Nadeldrucker an. Und in der Zwischenzeit (kaum anderthalb Stunden, ich schwöre!) hatte eine weitere (eine schleppte sich zur Tür, telefonieren, eine durchmaß das Büro gemessenen Schrittes mehrfach auf dem Weg zur Toilette, zur Mikrowelle, einer fragte nach dem genauen Wortlaut der Eingabe in eine Suchmaschine) hatte die kompetente Suchmaschinenberaterin einen einseitigen Formbrief mit den Daten der ELLI komplettiert und ausgedruckt – auf Laserdrucker, den wir nirgendwo entdecken konnten. Es war ein sensationell skurriles Erlebnis. Insgesamt erhielt wir vier z.T. mehrseitige Formulare, jeweils per Unterschrift von Ausstellerin und PrüferIn zur Feststellung der Richtigkeit als vollständig und ausreichend bestätigt, signiert und gestempelt – u.a. die Rechnung für eine zarpe [Hafenausfahrtsbescheinigung], die Bestätigung der Richtigkeit ebenjener zarpe, den Antrag auf dieselbe und den Formbrief der Internetspezialistin, der bestätigte, dass wir im Hafen gewesen waren. (Einen Teil der Formulare mussten wir bei der Hafenpolizei wieder abgeben, um die eigentliche zarpe, ein Dokument mit metallisch glänzendem Siegel, zu bekommen). Zur Erholung meinte uns der freundliche Begleiter (und diensthabender Cruising-Permit-Beamter) zu einer eisgekühlten Wildkirschen-Limonade (narze) einladen zu müssen. Das hat Odysse aber unterbunden und selbst bezahlt. Das ausgedruckte Cruising permit, die Erlaubnis, durch Panama zu segeln (die wir jetzt nicht mehr brauchen) haben wir auch noch bekommen.
Vielleicht noch interessanter, vor allem unter Inneneinrichtungsgesichtspunkten war der Besuch bei Astillero Nacional, der Reparaturwerkstatt unserer Träume. Die hatten nicht nur einen Travellift, sondern ein veritables Schiffshebewerk und einen Güterbahnhof an Gleisen, um die Schiffe auf Rollwagen über das ausgedehnte Gelände zu bugsieren. Am Vortag hatte ich erfragt, ob meine Probleme dort lösbar seien (cutless bearing, Motor leckt, Schaltung funktioniert nicht, ich möchte das Boot zehn Monate dort parken) und durchgehend positive Antworten erhalten (könnte ein Verständigungs- oder ein Kompetenzproblem gewesen sein). Der zuständige Ingeniero Alejandro (Brudell) sei aber erst am Folgetag ab 0830 wieder da. Dort sind Odysse und ich hingetapert. Sein Büro war leer. Aber stilsicher 60er Jahre eingerichtet: mächtiger Edelholzschreibtisch, Freischwinger, Glastisch, Dunkelholz-Furnier-Sideboard. Selbst die National Geographics sahen original aus – man hätte dort eine historische Serie drehen können; Odysse begeisterte sich, dass seine Frau die Einrichtung sicher ultraschick fände. Dann kam ein Räuspern aus dem Hinterzimmer: Ingeniero Alejandro war doch da, hatte nur Ohrhörer aufgehabt. Superkompetent, superfreundlich, auch englischsprachig. Nur: er konnte nichts für uns tun. Unten in der Werkstatt, Dreherei, Schweißerei hatten wir fachkundige Arbeiter und Arbeiten gesehen. Allerdings waren die Propellerwellen baumdick und die Propeller von der Größe eines Kleinwagens. Mit dem cutless bearing könnte er uns helfen, aber es gab keinen Mechaniker: alle Fischereiflotten beschäftigten ihre eigenen Mechaniker. Und die befassten sich mit einem Schiffsdiesel erst ab acht Zylinder.
Im Lager einer der Flottenwerkstätten half uns ein superfreundlicher Lagermeister, telefonierte herum, passte uns später im Café (Cafetería Vacamonte) ab und machte uns mit einem jungen Mechaniker bekannt, der sich am nächsten Morgen ab sechs (ab acht musste er arbeiten) um uns kümmert würde.

Panamá-Panorama

Nachmittags Ausflug (Taxi, Bus, Taxi) in die Stadt, an der Einfahrt des Kanals sollte es eine Marina (»Muelle Diablo«) geben, von wo aus oft Yachten zu Astillero Nacional kämen, so Ingeniero Alejandro. Dabei kennengelernt: Raoul, der uns seinen Bootsanhänger leihen will, Lupe, der uns eine Auflage dafür bauen will. Und den Manager des (privaten) Yachtclubs, der seinen Chef fragen will, ob wir über die dortige Rampe die ELLI aus dem Wasser ziehen können. Sehe ich zwar noch nicht, aber alle Vorbereitungen laufen; dazu hoffentlich mehr an einem anderen Tag.)

Warten auf Mechaniker.

Klar, dass ich ab fünf den Motorraum und den Zugang von der Achterkajüte freigeräumt hatte. Um halb acht kam der Mechaniker, er konnte zwar selbst nicht, hatte aber einen Freund, (ebenfalls) Supermechaniker, an der Hand, der um zwölf kommen könnte. Sollte er ihn anrufen? Mir war alles recht.
Um kurz nach zwölf, beim Mittagessen, kam ein Unbekannter zu uns an den Tisch (wir waren das einzige Segelboot im Hafen, die einzigen Menschen mit heller Haut und ohne Gummi- oder schwerlederne Seestiefel): bei unserem Boot warte ein Mechaniker!
Hetze zur ELIZABETH, tatsächlich war Rigo pünktlich wie die Uhr, hatte sogar Werkzeug und einen Helfer dabei und innerhalb weniger Minuten den Schaden beurteilt: Der Ölverlust lag bloß an einer verrutschten Gummidichtung am Ölfilter, der Getriebeschaden war wahrscheinlich ein Kupplungsschaden. Um den zu beheben musste aber der Motor ausgebaut werden. Tatkräftig hatte Rigo einen Deckel des Schalthebels am Getriebe abmontiert, aber keinen Fehler gefunden, Ich hatte dafür die Bedienungsanleitung des Getriebes aufgetan, in der zu ebendiesem Deckel eine Warnung fettgedruckt stand: »Diesen Deckel (siehe Zeichnung) NICHT öffnen! Justierung NUR durch Fachpersonal!« Aber Rigo machte einen echt professionellen Eindruck und galt mit Sicherheit als Fachpersonal. Gestern Abend dann noch Strand/Kai-Spaziergang, an der Hafeneinfahrt lagen chinesische Fischkutter mit ostasiatischer Besatzung, die im Hafenbecken angelten (Kugelfisch in den letzten Atemzügen. Beim Rückweg nicht einmal mehr zur Kugel aufgeblasen). Daneben ein Riesenfrachter mit merkwürdig flache Heckrampe, vielleicht ein Kabelleger. Zwar schwimmend, aber in völlig verrottetem Zustand. »Seelenverkäufer, wie aus einem Siegfried-Lenz-Roman «, sagte Odysse. Dabei sahen die Schiffe mit chinesischen Namen und glücksbringende Bemalungen noch besser in Schuss als die übrigen Kutter im Hafen.

Hektik im Hafenbüro

Heute früh noch einmal gefrühstückt (Restaurant Vacamonte),  es gab Rührei (war gestern alle), dafür war das Restaurant (zwar offen, aber) abgeschlossen (der Typ mit dem Schlüssel sei heute nicht erschienen), beim Torre de Control abgemeldet (Gute-Fahrt-Wünsche) und unter Segeln abgelegt. Mit frischem, fast perfektem Wind in drei Stunden bis vor die Marina-Einfahrt gepest und mit per Funk angeforderter Schlepphilfe (ein Boot vorne zum Ziehen, eins hinten zum Bremsen) um elf Uhr festgemacht. Inzwischen hat sich der Travellift/Reparaturbetrieb der Marina schon per Email mit der Abfrage meiner Reparaturwünsche gemeldet: Es gibt Hoffnung.

Im Bankendistrikt. Foto: Odysse

44. Golfo de San Miguel

Adios, la Palma

Rosenmontag, 12.02. Rio Iglesias (ein Nebenfluss des Rio Sabana). Der Flussarm ist kaum fünfzig Meter breit, wir liegen zwischen Mangroven, aus dem Dschungel dahinter krächzen Vögel, ansonsten himmlische Stille. Der Ankerplatz ist paradiesisch. Ab und zu tuckert ein Einbaum vorbei, eine Meile den Fluss hinauf ist ein Umschlagplatz mit vielen Autos und einem Green Warehouse, wo man von der Straße auf die Lanchas, die Wassertaxis umsteigen kann. Aber außer ab und zu Lastwagengebrumm aus der Ferne (die Panamericana endet ganz in der Nähe) ist hier nichts zu hören. Das war letzte Nacht anders: Dieselgeneratorenbrummen, Musikfetzen (vor allem die Bässe!) La Palma war kein angenehmer Ort. Diskos, Casino, Hotel, Badeanstalt, Supermärkte, Trinkgelegenheiten. Die Hauptstadt des Darién zeigt starke Mitlitär-und Polizeipräsenz. Aber am Karnevalssonntag vor allem einen abgesperrten Bereich der Hauptgasse, der bauchdröhnend beschallt wird und als Wasserschlachtarena dient (eine Hahnenkampfarena gibt es auch an der Hauptstraße). Hat mich ein wenig mürbe und niedergeschlagen gemacht. So oder ähnlich müssen die Westernstädte zur Zeit des Goldrauschs ausgesehen haben. Alkohol, Glücksspiel, Hahnenkämpfe und Mädels. La Palma hat uns jedenfalls nicht gefallen.

Tunela (oder so ähnlich)

Am Donnerstag, 8.2. Weiberfastnacht, sind wir noch eine Nacht in Pearl Island Marina geblieben, haben nochmal zu Abend gegessen. Ein Dinghy-Ausflug zu einer Landhütte, wo anlanden (und in den Ort spazieren) möglich schien, war ein Fehlschlag: wir befanden uns noch immer auf dem Privatgelände des BeachClubs. Und konnten das DInghy dort nicht lassen, nicht anlanden, gar nichts. Außerdem war das Meer zu unruhig, choppy und die Welle zu steil und der Wind zu heftig, also sind wir zurück in die Marina (und ich war froh, dass wir heil ankamen).
Freitag früh los. Ableger bei starkem Wind, rückwärts aus der Gasse, fast wieder quer zwischen den Fingerstegen, aber ging gut. Rüber nach Isla del Rey, die größte der Las Perlas. Bewegte Überfahrt, Wind und Wellen, und das Dinghy (mit Motor!) geschleppt, sehr unseemännisch. In kleiner Bucht am Südende haben wir geankert. Eine Militärpatrouille kurvt um uns rum. Fischer fragen nach Softdrinks, bekommen sie und schenken uns dafür einen Fisch Tunela: sehr sehr lecker. Odysse hat ihn sauber ausgenommen, war gar nicht so groß, die Sauerei im Cockpit. Aber: der Fisch war so frisch, dass er noch Leichenstarre hatte, man konnte den Bauchlappen nicht aufklappen, sondern musste ihn aufbrechen. Dazu Kartoffel-Möhrengemüse.

Samstag sehr früh (07:00) los, Motor verstaut, wir hatten eine lange Überfahrt vor: 34 nm zum Festland, nach Darién, dem bergigen Dschungelgebiet an der Grenze zu Kolumbien, das der Panamerican Highway nicht quert. Viel Wind, viel Welle, zwischendurch gerefft, mit Strom von hinten und (hoch) am Wind bis zu 6 kn gemacht und früher als geplant, schon um vier, an unserem Ankerplatz angekommen. »Punkt A« nennt unser Führer Schwalbe Zydler & Zydler: Panama Guide diesen Ort inmitten des Golfs von San Miguel, der augenscheinlich mitten im Meer, tatsächlich aber auf nur drei Meter Tiefe vor/hinter der Insel Isla Iguana liegt und sicher auch oft genug geschützt ist vor der Welle aus dem Pazifik. Wir hatten leider Nordwind und eine nervig schaukelige Nacht. Zwischendurch war ich so aggressiv, dass ich hätte brüllen mögen. Wusste nur nicht, gegen wen. Am Sonntag dann ewig lange Motorfahrt (z.T. englisch, mit steif gespannter Genua) quer über den Golf, in die Mündung zweier Flüsse, Boca Grande. Durch Strudel und emporquellendes Wasser, zwischen treibendem Laub und Baumstämmen hindurch, durch eine nervenzerfetzende Abkürzung mit »Stromschnellchen« und »Untiefen« bis vor die Hauptstadt der Dschungelregion Darién, La Palma, 4500 Bewohner.

LIZ vor la Palma – quer zur Strömung
Tinseltown
Gasse in La Palma. Foto: Odysse

Schon vom Fluss aus (hier sicher einen Kilometer breit) flackern einem die Disco-Lichter und dröht einem der zugehörige Bass entgegen. Hinter der Ansiedlung eine Art Bucht, Fischerhäuser auf Stelzen am Ufer, dort ist unser Ankerplatz. Ebbe und Flut, Tiefe, die sich wie von Geisterhand ändert, Strömungen flußauf- und flußabwärts, je nach Tide: eine vernünftige Ankermöglichkeit hab ich nicht rausgekriegt. Bug- und Heckanker hat nicht funktioniert, als wir zurückkamen lag die ELLI quer zur Strömung (und der Fluss war so stark gestiegen, dass die Festmachreleinen des Dinghys unter Wasser lagen!). Zufallslösung: Wenn man die Leinen/Ketten beider Anker am Bug vereinigt und das Boot mittels Ruder auf den Fluss hinaus steuert, stehen zwar die Halteleinen/ketten seitlich (zum Ufer) vom Boot ab und vibrieren vor Strom, aber das Boot hält genug Abstand vom Ufer, um vernünftigen Tiefgang zu garantieren. Bei Tidenwechsel selbstverständlich umsteuern!

Aufgestelzte Häuser (5m Tidenhub!) bei La Palma

Rosenmontag, 12. Mit der kommenden Flut (11:56h) losfahren wollen. Ab zehn hab ich mich um die Anker gekümmert, wurde tatsächlich schwer. Der zweite (Bruce-) Anker ließ sich partout nicht ausbrechen, stand unter heftigem Zug, selbst als er schon fast an Bord kommen sollte: er hatte sich in der (straff gespannten) Kette eines anderen (meines anderen???) Ankers eingehängt. Odysse hat die Kette hochgezogen, ich versucht, den Anker darunter hervorzuholen, war nicht zu machen. Also zweiten (ersten, Haupt-) Anker gehoben, kam die blöde Kette wieder hoch und verhakte sich am Snubber, der Zusatzleine, die mit einem Gummipuffer parallel zu den letzten Metern Kette gespannt ist und Kette und Ankerspill entlasten soll. Chaos. Irgendwann ging dann doch alles klar, beide Anker, sämtliche Ketten und Taue an Bord. Und eine Riesensauerei metallischgrauer Schlick, der in der Hitze zu betonharten Krusten trocknet.

Ein Marienbild? Ein Fliegenpilz?

Jetzt, um vier, ist die Flut hereingeströmt und wir machen uns auf Richtung Quimba/Las  Iglesias, einem Örtchen eine halbe Stunde Fußmarsch flussaufwärts. Mal sehen.

Ein Platz für den Sommer?

Das Dinghy landen wir an einem Boatyard, ein japanischstämmiger Bootsbauer und Besitzer des Geländes werkelt dort, hat auch Zeit für einen Schwatz. Ob ich wohl die ELLI dort ein paar Monate stehen lassen kann? Sein Kran kann nur 4 Tonnen, zu wenig für die dicke Alte. Vor seinem Grundstück verläuft eine fantastisch ausgebaute Straße, hügelan, hügelab zwischen Finkas mit Bananenplantagen und Rinderfarmen (mit Verladerampen – für Vieh). Vor uns eine Trinkgesellschaft zu Fuß, eine bleibt zurück und tapert hinterher, ist aber nicht langsamer, wir holen sie auch erst kurz vor dem Ort ein.

Las Iglesias sieht amerikanisch aus, einzeln stehende Häuser, oft von der Straße zurückgesetzt. Es gibt Läden und Trinkhallen, auch einen Gemüsestand. Zigaretten und Bier soll es in La Cantina geben, nach der Schule rechts. Die Schule sieht gepflegt aus, weißblauer Zaun, Spielgeräte im Hof, alles geschlossen – Rosenmontag ist auch hier Feiertag, wie auch der Dienstag. Die Cantina hätten wir alleine nicht gefunden, eine anonyme Bretterbude. Aber ein redseliger Trinker/Philosoph dröhnt sich davor mit Rum zu und ist mehr als gesprächig, ruft den Wirt heraus, der uns Biere bringt. Zugaretten besorgt uns sein Kumpel, wahrscheinlich aus Privatvorrat; und zu essen gebe es auch. Die zweite Seite des Gemüsestands ist auch Restaurant, abgeranzte Tische mit zerfetzten Plastikdecken, macht aber einen freundlichen Eindruck. Was es gibt? Tortillas und gebratene Chorizo. Bestellen wir. Biertrinken und Rauchen in der Cantina, und reden. Der Fußmarsch über die Berge von Kolumbien dauere drei Tage (und zwei Nächte), es gebe oft Räubereien und sogar Mord und Totschlag. Viele Migranten seien mit Frauen und sogar Kindern unterwegs. Grausame Schicksale. Oder: ganz in der Nähe gebe es eine Lagune, Süßwasser, wo uns der jüngere gerne hinführen würde, jederzeit.

Die Busse von Panamá nach La Palma verkehren bis zur Rampe am Fluß (Green Warehouse), an der wir vorbeigefahren sind. (von La Palma nach Kolumbien geht es mit der Lancha/Motorboot Mo, Mi, Fr, in zwei Stunden zum ersten Hafen, in vier zur Bahia Solana (To-do-list: Checken, ob es von dort eine Busverbindung ins Landesinnere gibt!). Las Iglesias, das im Führer als nice, clean beezeichne wird, hat Straßenanbindung. Das macht allen Unterschied. Nach dem Essen (Tortilla tiefgefroren vom Convenience-Truck, Wurst okay, gibtaber weder Senf, noch Ketchup, noch Mayo) Rückweg in die Nacht zum Yachtbauer. Seine Hunde verbellen uns, aber alles geht gut. In der Mondsichelnacht (drei Tage nach Neumond) ist die ELLI kaum auszumachen, erst als wir schon fast da sind, taucht sie aus dem Dunkel auf – große Erleichterung. Die kleine Insel, hinter der wir ankern, ist ein Vogelparadies, alle Bäume leuchten vor weißem Gefieder. Auf dem Schiff: Stille, die die Ohren klingeln lässt. Dschungelgeräusche.

Brüllaffen klingen wie startende Düsenjäger

Am nächsten Morgen hab ich sie auf Video aufgenommen, vielleicht sind sogar die Brüllaffen zu hören, hoffentlich. Inzwischen herrscht Flut, am Ufer ist kein Streifen Morast mehr zu sehen, am gestrigen Nachmittag lagen wir inmitten von Schlammkegeln, heute mitten im Fluss. Odysse steht um Mitternacht auf, um zu checken, ob wir auch nicht aufsetzen (Wassertiefe laut Echolot 70 cm, bei 1,55 m Tiefgang). Wurde aber alles nicht so heiß gegessen. Heute früh um 06:00 aufgestanden, Frühstart wegen der Flut, die ab Viertal nach sechs ablaufen soll. Ging tatsächlich gegen sieben los, nur kalte Tortilla zum Frühstück. Ausfahrt aus dem unberührt wirkenden Fluss traumhaft. Vogelkreischen, Froschquaken, Brüllaffen nur in der Morgendämmreung. Anker unfassbar vermulcht, zäher, betongrauer Schlamm, der auch fast so schlimm härtet. Nach vier Biegungen (bei Flut keinerlei Stress, Tiefe immer über zehn, bis zu 19 m) treihen wir den Rio Sabenas hinab, den breiten Fluss, der sich mit dem Rio Tiuro verbindet und im Boca Grande in die Bucht von San Miguel ausläuft. Frühstück (Toast, Marmelade) beim Treibenlassen mitten im Fluss. Sehr leise. Später starten wir einen Segelversuch. Odysse schafft tatsächlich die 2,6 kn, die wir unter Motor (1400 u/min) vorwärts gekommen sind. Zusätzlich schieben bis über 5 kn Tidenstrom, sodass wir über Grund mit bis zu 8 kn jagen. Baumstämme und Laub und Müll in Strudeln auf dem Weg.
Hinter la Palma nehmen wir diesmal die ganze Flussbiegung mit und nicht die Abkürzung. Wind schläft ein, noch mehr Baumstämme und Biomüll im Wasser. Die Spanische Festung, die sich auf der riesigen Insel in der Flussbiegung befinden soll, können wir nicht ausmachen. (Von der Halbinsel am Rio Sabenas aus soll Bilboa (zweispitziger Lederhelm wie der Mann mit dem Goldhelm), der als erster Europäer die Landenge Panamás überquert hat, den Pazifik „entdeckt“ haben.) Odysse steuert, ich döse fast bis zu unserem Tagesziel: Punta Allegre. Schon draußen, beim Ankerplatzsuchen, weist uns ein Fischer im Einbaum ein: Victor. Und verabredet sich mit uns für einen Ausflug nach Mogue, zu den Emberá für den nächsten Tag. Außerdem bezahlen wir ihm heute an der Tanke den Sprit. Dann kommen acht Jungs im Fischerboot vorbei. Wollen Quatschen und uns Hummer oder anderen Fisch verkaufen. Mögen wir nicht. Wir sehen uns gleich im Dorf!

Hummer gefällig?

Ging aber anders aus als erwartet. Kaum ziehen wir das Dinghy auf den (hohen: Flut!) Strand, erwartet uns der erste, Xavier. Führt uns zum »Fischmarkt«, wo sie ihren Fang in die Tiefkühltruhe räumen. Und uns zwei Pfund Hummer verkaufen. Die werden im Restaurant für uns zubereitet werden. Wir warten solange in der Dorfbar, Odysse gibt Xavier und Manuel (und jedem, der da ist) Bier aus. Ich rauche. Das mit dem Esse zieht sich. Schaue ich mich im Ort um. Ein Fischer flickt sein Netz, Kinder spielen, Frauen sitzen im Schatten auf einer Art Veranda. Es gibt nur ein betoniertes Trottoir, sonst alles Sand. Bretterhütten, eine ist die Bar, eine die Disko, eine sicher auch der Lebensmittelladen, auf den wir gehofft hatten. Nach einer Stunde ist Essenzeit. Manuels Mutter (Victors Tochter) bringt uns vier kleine Hummer, rosaorange gekocht. Und zeigt uns, wie man sie knackt und isst. Sie selbst kriegt auch das Fleisch aus den Beinchen und sogar aus den Scheren heraus. Ich nicht. Stellen wir uns sicher ungeschickt an. Lassen sie uns aber nicht spüren.

Zwei von Victors Töchtern (links) und andere Schönheiten

Drei Heiratsanträge hab ich in der Bar bekommen (Victors zwei andere Töchter sind schon etwas beschickert, in der Disco gewesen. Odysse ist Zielperson einer Tanzenden mit augefahrenem Dekollete, zeigt sich aber unbedarft: „Mein Spanisch ist ein Katastrophe“).
Xavier  bemüht sich um Konversation, findet aber nicht viele Themen. Ein paar kleine, erste Hummer, Langustino, sind schon rosa und fertig, wir bekommen sie von der Köchin gebracht und gezeigt, wie man sie aufmacht (den Darm entfernt) und wie man sie isst: Wir essen alles. »Se come todo.«
Endlich ist das Essen fertig, wir gehen – auf den Balkon eines Privathauses und bekommen eine Glasform mit vier Pfund Hummer und Papitos (Kochbananenpuffern) serviert. Besteck ist nicht vorgesehen. Unter den Augen aller acht Jungs (und ihrer Freunde) machen wir uns darüber her. Der erste Hummer meines Lebens. Superlecker. Aber den Kopf mit seinem wabbeligen Inhalt auszusaugen, bringe ich nicht. Aber selbst wenn wir nur die Schwänze essen, werden wir satt. Bei der Bezahlung tun sie sich schwer. Ein lauter Wortführer, der immer wieder ins Englische fällt, hat für den Hummer 16 bekommen. Der Koch (einer der Jungs) ist mit seinen 5, dann 10 unzufrieden. Aber vor allem, weil der Wortführer seine vier Restdollar nicht rausrückt. Dann Tanken mit Victor, drei Gallonen (15 Liter) für 13,50 Dollar. Die Tankstelle ist zufällig genau unter der Terrasse, auf der wir aßen. Dann Dorfrundgang. Der aber nicht stattfindet, weil wir lieber wegwollen. Xavier und Manuel (Victors Enkel) bleiben zurück.

Flechtwerkverkäuferin mit kleinem Bruder

Beim Dinghylosmachen bietet uns ein superschüchternes Mädchen (ihre/die ihrer Mutter) Flechtarbeit an. Zuckersüß, aber leider lehnen wir ab. Vielleicht finden wir die Kleine morgen nochmal.

Denn um 06:00 holt uns Victor am Boot ab, samt Wasser, Schwimmweste und Mitbringsel für die Emberá-Kinder (Schreib und Malzeug). Wird sicher spannend.  Abends in Punta Allegre (sic): Karneval auch hier. Wir liegen vor Anker, sicher hundert Meter vom Örtchen entfernt, aber der Salsa-Pop dröhnt bis hier herüber.

Kap der Hexe – verhextes Kap

Fr., 16.2., Playa del Merced, Punta Brujas [Bruchas]. Die gute Nachricht ist: Es ist paradiesisch schön hier, freundliches Dorf, sauber und ordentlich, aufgeschlossene fleißige Menschen, unser Ankerplatz liegt mitten in einem schmalen Fluss (keine zehn Meter auf jeder Seite) ist tidensicher und traumhaft schön (Dschungel, Brüllaffen, ein vorwitziger Reiher, der dauernd aufs Schiff kommt und mit Rangehen, Winken, Schimpfen kaum zu vertreiben ist). Die schlechte Nachricht ist: wir haben keinen Antrieb. Die Maschine läuft (hat aber fast kein Öl mehr), überträgt jedoch keine Kraft auf Getriebe und Propeller: Getriebe- oder Motorschaden. Morgen früh holt uns Oswaldo, Bootsbauer und Fischer ab, um uns wenigstens aus der Flussmündung und weit genug hinaus zu schleppen, dass wir segeln können.

Victor (hinten). Alle Skipperfotos: Odysse

Am Mittwochmorgen war Victor ((»Ich bin Victor. Schickt jeden (Touristen), der etwas in Punto Allegre braucht zu mir! Victor ist euer Mann.« Und das ist er tatsächlich, sein Enkel hat uns in Dorf geleitet (und sich von Odysse Bier ausgeben lassen, zwei seiner drei Töchter wollten ein Kind von mir (milchkaffebraune Haut), die dritte hat uns die Hummer gebracht), Victor also ist schon um halb sechs am Schiff und rügt uns, weil wir kein Ankerlicht ausgebracht hatten. Wir sind noch am Frühstücken und laden ihn ein. Dann geht es quer über die Bucht und einen anfangs breiten, später immer schmaleren und windungsreicheren Fluss hinauf, einmal auch durch eine kurvige, kaum Einbaumbreite Abkürzung. An einer Stelle versperrt uns ein quer im Wasser liegender Baum die Weiterfahrt, ist auch von Victor mit dem Spatenpaddel nicht zu bewegen.

Blockiert!

Glücklicherweise gibt es exakt an der Stelle ein kleines Altwasser, sodass wir doch noch weiterkommen. Mogue, das Embará-Dorf, liegt weit verstreut. Bei den ersten, palmdachbeschützen Hütten (auf Stelzen) kündigt Victor uns lautstark rufend an. Es spricht Embará, wie wir später erfahren werden. An der Anlegestelle ragt ein flachverwurzelter Baum über den Bach. Victor hat Schwierigkeiten, sein Boot zu verankern (seine Croqs drin vergessen), ich versuche ihm zu helfen und gleite auf den Wurzeln aus, hänge einen Meter über dem Wasser und sterbe vor Peinlichkeit: Ich habe als einziger ein Schwimmweste an (hat Victer empfohlen, Odysse hat seine vergessen) und stelle mir vor, wie die Indigenos sich totlachen über den blöden Gringo, der praktisch an Land in den Bach fällt, und dann explodiert auch noch seine Schwimmweste! Also eisern festgehalten, mich wieder auf den Baum gewuchtet, die Abschürfung am Unterarm tut lange nicht so weh wie verletzter Stolz, und die Situation geklärt. Und während der ganzen Zeit, kommentiert Odysse anerkennend, meine brennende Zigarette nicht aus der Hand gelassen.

Hinten: Die Wurzel allen Übels (hier beim Ablegen)

Ein Fußweg (betoniert) führt zum Dorf. Mogue, so heißt der Ort, ist, sagt unser Führer, auf Touristen eingestellt. Tatsächlich begrüßen uns El Dirigente, der Ortsvorsteher (wird alle fünf Jahre gewählt), der Kazike ( Häuptling, Heiler, aus Perlen geflochten Amtskette um den Hals, eher jung für sein Amt) und der Tourismusbeauftragte (Beanie, Sporthose). Erster Tagesordnungspunkt: Andenken kaufen (eine geschnitzte Schildkröte (Tortuga, Chichilló), geflochtene Bastteller/Topfuntersetzer, eine Halskette mit Perlenbehang.

Links: El Dirigente, Mitte hinten: der Tourismusbeauftragte, rechts: dicker Bauch

Zweiter Tagesordnungspunkt: Ansprache des Tourismusbeauftragten. Der Besuch kostet USD 10 Eintritt pro Kopf. Akzeptiert. Dann Ortsführung. Jede Familie wohnt in zwei nebeneinanderliegenden Häusern: Casa cultural, die traditionelle Palmdachhütte mit eingekerbten Baumstämmen als Leitern in den hochliegenden Aufenthaltsbereich (im Sommer in der Hitze kühler). Und Casa moderna (Holzgerüst, Blechdach, regendicht). Angebaut wird Banane, Yucca , Zucker (für Honig (??)), Kaffee (wurde gerade getrocknet, wird zum Rösten in die Hauptstadt gebracht; seit drei Jahren hat Mogue eine Straßenanbindung). Es gibt Schweine, Hühner (auch winzige, neugierige Küken, die an Croqs picken!), Ziegen (nicht gesehen) und Esel und Pferde. Und Kühe (nicht gesehen) füt Milch und Fleisch. Am Bach waschen Frauen und Mädchen Wäsche auf Steinen klopfend. Sehr pittoresk alles. Besuch beim Holzhauer/Instumentenbauer. Seine Söhne üben (Flöte, Trommel), um für die Touristen eine Band zusammenzustellen. Schnitzarbeiten, der US-Soldat trägt einen Helm wie Balboa, einer Art Schiffchen.

Waschtag

Exkurs: Ich sitze im Cockpit, während ich das schreibe. Und die Bremsen fressen mich auf! Heute Nacht gab es Mosquitos (Sirren) und Fledermäuse (in den Kabinen!) Ich hab nur den Flatterwindhauch gespürt, Odysse in der Vorderkabine hat seine Fledermaus sogar gesehen!))

Casa cultural

Das Gemeinschaftshaus für Versammlungen ist ein schlichtes Nutzgebäude, Blechdach, Holzbänke, ein langer Tisch für den Dirigente. Das Kulturhaus, Palmreetdach, ist leider beim letzten Sturm vor zwei Jahren zerstört worden und wartet auf seinen Wiederaufbau (»Dafür ist ein Komitee zuständig«). Dann ist die Führung zu Ende, weil Victor (der inzwischen seinen Sack leerverkauft und neu vollgekauft hat) und wir mit der Flut wieder hinausmüssen. Kiloweise Kochbananen und Yucca werden ihm aufs Boot geliefert. Weil inzwischen ein doppelt so großes Motoreinbaumkanu Victors Boot in der Flußmitte blockiert, muss einer der Helfer ins Wasser. Macht der ohne Mucken, klettert aufs Boot, holt es ans Ufer.

Anlegerprobleme
„Der Rücken von Odysse“

Rückfahrt ereignislos, aber im Video dokumentiert. LIZZY liegt noch immer brav vor Anker, als Victor uns zurückbringt. Und seine Kopflampe vom Morgen vergisst. Gehen wir sehr gerne noch einmal mit dem Dinghy ins Dorf, kaufen ein, trinken Limo mit Käsecräckern (lecker) und kaufen dem schüchternen Mädchen doch noch ihren Flechtteller ab. Rückfahrt zum Boot wegen a) Tidenstrom, b) Wind, c) Entfernung grenzwertig, Odysse schafft es aber, gerudert. Dann Dinghy-Abbau. Dauert von halb fünf bis Einbruch der Dunkelheit. Anstrengend und sehr nervig.

Flechtarbeiten

Am Donnerstag sind wir mit ablaufender Flut ankerauf gegenagen und aus der Bucht motort. Und leider auch fast den gesamten Tag (6 ½ h), weil partout kein Wind aufkommen wollte. »Heute einmal nur ein mittelschöner Tag,« kommentiere ich (weil wir uns sonst fast jeden Tag gesagt hatten, wie er schön er gewesen war, und das waren sie auch), was sich als folgenschwerer Fehler herausstellen sollte. Hab ich wohl das Karma gekränkt.

Denn: beim Einfahren in die Flussmündung, in der wir ankern wollen, sitzen wir plötzlich (eher: sanft) fest, im weichen, anthrazitgrauen Schlamm/Sand. Odysse kann Gas geben, so viel er will, er bekommt die ELLI nicht mehr frei. Werfen wir Anker, warten wir bis Flut kommt. Schwimmen wir an Land (da Dinghy aufbauen ist zu viel Nerv), drehen eine Runde durchs Dorf. Jugendliche folgen uns, bringen uns zum Bootsbauer (der Vater des einen), der zwar Fischerboote bis 50 Fuß baut, aber keine Möglichkeit sieht, unser Boot aus dem Wasser zu holen. Kaufen wir Kippen, Brot gibt es keines. Gehen wir bis zum anderen Ende des Ortes, auch eine Fluss(Bach-)mündung. Treibt einer der beiden Jungs (beide 13/14, aber der eine doppelt so groß wie der andere) einen Fußball auf. Und Odysse (Freizeitkicker) und die beiden Supertrickser liefern sich auf dem Fußballplatz ein Match. Sahen alle drei ziemlich professionell aus. Im Abendlicht zurück aufs Schiff, umankern. Jetzt ist es aufgeschwommen, aber Odysse kriegt es dennoch nicht in Bewegung, obwohl kaum Strom und so gut wie kein Wind herrschen. Werfe ich den Anker erneut, ein Dutzend Meter weiter die Mündung hinein. Seitlich kollidieren wir zwar fast mit einem dort festgemachten kleinen Fischerboot, bringen zur Sicherheit noch den zweiten Anker weiter ins Tiefe aus. Und liegen seither dort fest.

VII. Pazifik – 43. Bucht von Panamá

Links: LIZBETH, Mitte: Sonnenuntergang
Flamenco Marina, Panamá

Sonntag, 28. Januar. Hafenkino–Nachteinfahrt. Kommt eine schöne Yacht, vor ihr der Marinero im Motorboot, der sie einweist. Anscheinend liegt der Steg am Liegeplatz nicht auf der erwarteten Seite. »Lines on the other side.« Der Skipper klingt beherrscht, kühl. Seine Frau auf dem Vordeck quiekt aufgeregt. Vielleicht kann sie die Leinen nicht schnell genug finden und aufklarieren? »Lines on the other side.« Der Skipper bleibt cool. Noch mehr unterdrücktes nervöses Wimmern vom Vordeck. »Lines on the other side!« Die Anordnungen kommen noch immer ohne Emotion. Inzwischen rauscht die Yacht auf den Quersteg zu, unbeleuchtet. »Stop! Stop!« Die Stimme vom Vordeck ist kläglich, aber gut vernehmbar (auch aus 20m Entfernung: ich). Zwischen dem Bug der Yacht und dem Steg sind noch sechs Meter. »Stop, Stop!« Der Skipper reagiert nicht. Jetzt sind es noch vier Meter, jetzt noch zwei. »Stop!!« Aber alles Wehklagen hilft nicht, der Skipper setzt den Bug ungebremst auf den Steg. Der Steven [vorderster Teil des Kiels, Unterseite des Bugs] der Yacht hebt sich einen halben Meter aus dem Wasser. Dann rutscht er zurück und sie legen mit Hilfe des Marineros an. »Thank you for putting your light into my eyes,« kommentiert der Skipper, selbst seinen beißenden Sarkasmus bringt er in neutralem Tonfall heraus. Jetzt muss die arme Ehefrau auch noch dran schuld sein, dass er auf den Steg gefahren ist – weil sie ihn geblendet haben soll. Manche Skipper kommen eben mit allem durch.

Ansonsten verbringe ich ruhige Tage im Klischee: Langfahrtsegeln heißt, sein Boot an den schönsten Plätzen der Welt reparieren.

»Do., 25.01.: 09:00 Ina fliegt
Ganztägig: Blog
19:51: alles abgestürzt!
[to-do-list:] Reffleine einziehen
Sprit bunkern

Fr., 26.01.: Reffleine [eingezogen]
Miraflores-Film [geschnitten]

Sa., 27.01.: Einkaufen, Waschen [bei 5 de Mayo, Chinese wäscht, Buch gelesen, fieses Viertel]
20 l Kanister voll [Diesel]

So., 28.01.:
Tisch schmaler [gesägt]
Saileliza aktualisiert.
Neue Crew: Odysse

aus dem Logbuch der LIZZZY
Fieses Viertel: Warten auf Wäsche

Sonntag abend kommt Odysse [O-díss]. Oliven, Käse, Cracker, Bier. Er hat einen Tag Flüge von Hamburg nach Amsterdam nach Panamá hinter sich. Die Rückfahrt mit der Metro (drei Mal umsteigen, obwohl es nur zwei Linien gibt!) und dem überfüllten 850er Bus war schon das erste Abenteuer.

Im Stadtbus 850

Montag sind wir mit dem Bus Richtung Altstadt gefahren, Odysse ist abenteuerlustig und nimmt nicht das Taxi wie ich. Unterwegs kommen wir erst durch ein bürgerlich-gehobenes Wohnviertel, aber auf der anderen Seite der Schnellstraße fängt ein anderes Leben an. Gitter vor den kleinen Läden und Schänken, wir sollen uns von der Polizei begleiten lassen, rät uns eine junge Oma, die mit Tochter und Enkelin gerade zurück in ihren Wohnblock kommt. Ganz so schlimm ist es auch nicht, verrammelte Wohnungen, ein Obdachloser in Badehose, in den Seitengassen sieht es verwahrloster aus.

Rohrbruch im Puff

Aus dem Eingang eines Mehrfamilienhauses strömt schwallweise Wasser. Davor stehen sechs junge Frauen, eine ziemlich gewagt gegürtet. Als wir uns vorbeidrängen, das Wasser gurgelt knöchelhoch auf den Bürgersteig, sprechen und fassen sie uns an: Der Puff wird wohl gerade saubergemacht. Oder sie haben einen Rohrbruch.

Vom Casco antiguo aus: Skyline von Panamá, Panamá
Wägelchen zum Schiff

Wenige Straßen weiter Bauarbeiten. Die Straße wird neu gemacht. Dann ein kleiner Park mit einem riesigen Transparent:  »NO gentrification!«, und auf der anderen Straßenseite fangen die frischgetünchten Altbauten der Altstadt an, casquo antiguo. Odysse war hier schon mal, erinnert sich an einzelne Ecken. Die Balustrade, die Promenade auf den Mauern der Festung um die Spitze der Altstadt aufs Meer hinaus, herum, ist an einem Wochentag weniger eng mit Mola-Ständen bestückt. Sind auch weniger der Indigenen zu sehen. Später, auf der Fußgängerzone und Hauptmarkstraße, die von der 5 de Mayo zur Altstadt führt, sind (Menschen ohne Zahl und) mehr Kunafrauen zu sehen. Auch der Indio muss manchmal einkaufen. Nur Esslokale scheint es (Außer Mäckes, KFC, Dominoes) keine zu geben. Ein Imbiss-Chinese erbarmt sich unser: Reis (mit Hühnchen süßsauer, mit Schweinegoulasch). Sättigt zumindest. Seit Odysse meine Metrokarte aufgeladen hat (waren nur noch minus 40 Cent drauf!) funktioniert sie wieder wie neu, also mit der Metro nach Albrook, ewig langes gründliches Einkaufen im riesigen Super99, Taxi (stehen schon davor) zur Marina, Wägelchen zum Schiff.

Am Dienstag will ich nach der Bilgepumpe sehen, die es bei der Sicherheitseinweisung für Odysse nicht getan hat. Dabei fliegt eine Sicherung nach der anderen raus. In den SeglerBedarfsLäden am Pier finde ich: neue Sicherungen (im einen), eine neue Bilgepumpe, eine Gastlandflagge Equador (für USD 23.- (!), im anderen). Die neue Bilgepumpe hat (wie die alte) nur einen dreiviertelmeter wasserdicht vergossenes Kabel. Und wie die alte flicke ich sie so wasserdicht wie möglich an ihr Anschlusskabel. »Wird unter Wasser nicht funktionieren,« findet Odysse. Hat er wahrscheinlich recht. Abends Bier mit Eilert und Gunilla. Das sind die beiden Schweden, die in Curaçao gegenüber lagen und von Shelter Bay Marina aus fast mit uns als Linehandler gefahren wären. Und in Schweden eine weltberühmte Firma für high-end-welding (Schweißarbeiten nach höchsten Qualitätsanforderungen) betrieben haben.

Altstadtpromenade Panama

Mittwoch schlechter Ableger, ich stelle die arme ELLI quer in die enge Gasse, kratze eine Macke ins Vorschiff. Tanken (bei Ebbe an de Tankstelle außen am Wellenbrecher!), Bezahlen. Nach Taboga, 6 nm, 2 h, bei gutem Wind, wir kommen am frühen Nachmittag rein und machen an einer fremden Boje fest. Außer am Wochende geht das, meint unser Segelführer (Schwalbe Zydler & Zydler: Panama Guide). Um uns herum ankern Ausflugsschiffe, eines mit öhrenbetäubendem Requeton – aber nur so lange die zahlenden Gäste am Strand sind (s. Video: Musica [folgt]). Odysse schwimmt an Land, Spaziergang, bringt Kokosmilchgetränk und Kippen mit.

Odysse: Taboga
Am Strand von Taboga

Donnerstag nach Isla Bona (geplant: nach Contadora, aber unterwegs schlief der Wind ein. Otoque/Isla Bona war die bessere Option: nach Süden, sanfter Wind: Gennackerfahrt). 1 Delfin war zu sehen. Abends fahren wir in eine traumhafte winzige Bucht ein, nur eine Yacht ankert dort. Und zwei Fischerboote mit ihren Netzen, die sie rund um die Bucht gekringelt haben. Drei (braunrücken) Mantas ziehe ihre Kreise. Reste von Industrieanlagen: Kran, Anleger, Dock. Schrecklicher grauer Schlamm als Ankergrund. Abends: Buschbrand. Die Anhöhe neben der Bucht leuchtet in einem wild lodernden Flammenkreis, der sich rasch auszubreiten scheint. Ich funke Meldung, sogar PanPan, interessiert keine Sau. Morgens um zwei war das Feuer von alleine ausgegangen. Das Wochenende soll windarm werden, da wollen wir dort nicht bleiben.

Exkremente
Bristol (vier) – für Ina

»Zum Glück bin ich schon aus dem Wasser raus.« Sagt Odysse. Wieso, frage ich unschuldig nach, vom Klo kommend. »Weil hier schwimmen gerade deine Exkremente vorbei.« Tatsächlich. Wieder einmal (wie in Kroatien) ganz schlechtes Toiletten-Timing. Dabei hätte ich gedacht, weil alle Ausscheidungen durch ein winziges Rückschlagventil müssen, sie dabei einigermaßen zu Brei verarbeitet werden … Aber Veganerschiss, zumal mit vielen Ballaststoffen, geht eben auch nicht unter. Lustige Geschichten hat Ina vom Cruiser-Race erzählt, wenn einer aus der Besatzung zu viele Reiswaffeln gegessen hatte, und deren Überreste einfach nicht aus dem Pump-Klo absaugen konnte – weil sie immer wieder oben schwammen. Ähnlich sah mein Bristol-4-Shiss aus: Konsistenz und Farbe: gut. Schwimmfähigkeit: ausgezeichnet. Erscheinung: eher unangenehm. 

Pelikane (oder Kormorane?) am Betteln

Ebenfalls am Freitag früh holen unsere Fischer ihre Netze ein, Kormorane/Pelikane betteln am Boot, kaum einen halben Meter Abstand, weil die Fischer ihnen immer wieder zu klein geratene Exemplare zuwerfen. Bevor sie wegfahren geben sie auch uns zwei Fische, ich frage, ob sie die ausnehmen würden, weil ich nicht realisiere, dass es ein Geschenk sein soll – sie nehmen partout kein Geld an.

Der Junge (rechts) verdient ein Trinkgeld
Die Perlen (-Inseln)

09:50 ab Isla Bona. Unter Motor, Halbwind, Motor, Halbwind, also Motor-Sailing wie die Engländer, quer über die Bay of P. gewischt, TSS/Verkehrstrennungsgebiet gequert, war nicht viel los, zwischen Isla Cacheca und Isla Mogo Mogo soll es im Kanal ruhige Ankerplätze geben, allerdings mit Felsgrund. Haben wir zwei Anläufe gebraucht. Und dazu noch einen Heckanker, wieder, wie auch in der Nacht zuvor. Wir liegen hier aber paradiesisch. Abends brate ich die zwei Fische, leider zerfallen sie beim Hinsehen, schmecken wie Leberbrei. Haben wir weggeworfen. Entweder sie waren zu lange (den ganzen Tag über) im Warmen (im Schatten, in der Pfanne) oder sie waren schlecht ausgenommen, es lief rosa Brei raus. Jedenfalls nicht die besten aller Fische. »Einem geschenkten Barsch schaut man nicht in den A…«, haben wir als Pennäler immer gesagt.

Odysse wandert am Strand

Samstag. Heute haben wir (wie immer: unter Mühen; mein Reparaturversuch gelang nur teilweise; jetzt müssen wir jedes Mal zwei zusätzliche Schrauben in die Sitzbretter friemeln) das Dingy aufgebaut und die unbewohnte (bis auf die Villa eines Küstenwache-Offiziers, geht das Gerücht) Insel übergesetzt, vor der wir vor einem Sandstrand liegen. Strandspaziergang. Wir sind noch nicht zurück, da gehen die Ausflugsboote los: Sie ankern vor dem Sandstrand, die Marineros bauen Pavillions und Sessel im Sand auf. Folgt Party. bzw. Gelage. Dafür auch die riesen Eisboxen am Heck der Motoryachten auf der Badeplatform.

Aber das beste (nicht fotografierbare) Bild: Mantarochen, –oben schwarz, unten weiß, wie es sich gehört– es sind kleine, mit ca. einem halben Meter Spannweite, springen aus dem Wasser und platschen lautstark auf dem Bauch wieder auf. Zwei machen das genau hinter der ELLI, stehen einen Augenblick reglos in der Luft, vielleicht einen dreiviertel Meter über der Wasseroberfläche, und glotzen uns an.

ACHTUNG: die ersten springen schon in den ersten Sekunden

Nicht zu fotografieren, aber auch nicht zu vergessen. Die beiden machen das noch öfter, heute früh waren sie auch wieder als Duo unterwegs. Es ist Samstag, 3. Februar, 12:45h, die größte Hitze beginnt gerade. Und wir haben uns vorgenommen, es ruhig angehen zu lassen.

Höchst aufmerksam: Reiher

Samstagnachmittag Dschungelwalk auf Mogo Mogo. Auf der Hinfahrt bemerkt Odysse eine ganze Schule Mantas (mit heller Oberseite, beige-braun), sicher 10 oder 12 Exemplare – und nicht klein. Am Strand angekommen erst zwei Bier, der Bar- und Restaurantbetreiber macht gerade zu, weil die letzten Tagesgäste in ihre Fährboote steigen. Der Strand ist sauber, überall sind feste Sonnenschirme mit Palmdächern aufgebaut, Wege mit blauen Steinen markiert. »Welcome« und »Mogo‘s Beach« künden Wegweiser einladend. Und »Baño«.

Der Dschungel ist eher Mischwald. Aber eben urtümlich verwachsen und zu unzugänglich für uns Stadtkinder. Gut, dass Mogo Wege rund um die Insel und zu den Stränden angelegt hat – und dass die Touristen sie regelmäßig benutzen. Bei Ebbe am Frühnachmittag (Odysse hat noch in der Flamenco Marina alle Tidenzeiten für 14 Tage herausgeschrieben. Konnte ja niemand ahnen, dass er hier mit seiner E-Sim Handy-Empfang und sogar 5G/LTE hat!) Bei Ebbe jedenfalls tauchen organisch geformte urtümliche Felsrücken, Sandsteinmauern, Granitplatten aus dem Meer und immer wieder wie Echsenhaut erkaltete Vulkanlava, alles grau und braun im späten Licht und wundervoll bizarr und fremd.

Durch ein Loch im Fels gelangen wir auf einen weiteren Strand, springen über (schmale) Klüfte, weitere Steinformationen bis zur nächsten Huk. Zwischen Mouse on Mars und Fluch der Karibik. Allerdings kommt die Flut langsam herein und wir müssen an den Rückweg denken. Das Loch im Fels ist nur bei Ebbe passierbar. Zum Glück gibt es Fußspuren im Sand, die uns zu einem der Wege für den Rückweg führen. Mogo hat an alles gedacht. Zum Sonnenuntergang setzen wir uns an zwei einladend unter dem Palmenschirm stehenden Plastikstühlen. Kommt Mogos kleiner Bruder: 10 Dollar Miete kosten Schirm, Stühle, Kissen. Ziehen wir weiter. Auf dem Rückweg, zwischen den Inseln ist vielleicht ein knapper Kilometer zurückzulegen, treibt uns die Flutströmung ab. Aber am Ende, den Sandstrand hinter unserem Boot entlang gegen die dort weniger spürbare Strömung hoch, schaffen wir es doch.

Versteinerte Brandung

Gestern, Sonntag, zum zweiten Mal auf Mogo Mogo, die andere, östliche Hälfte der U-förmigen Insel erwandern. Bier zur Stärkung, schon nachmittags um drei.

Höchst anstrengend: Strandwanderung

Einen steilen Hang hinauf hat Mogo (oder sein Vorbesitzer; eigentlich sieht die Insel aus wie ein ehrgeizigeres Projekt als nur am Wochenende für die herangekarrten Ausflügler Bier, Imbiss, Stühle und Schatten zu verkaufen …) ein Bergseil zur Unterstützung gespannt. Auf dem brüchigen bröseligen Boden eine willkommen Hilfe. Dschungel ist auch hier mit Hängeranken pittoresk verwachsener Mischwald, außer Vögeln und kleinen Echsen nichts zu sehen. Dann der erste Strand, blendend gelb und Muschelübersäät. Mogo hat Mülltüten ausgehängt, entsprechend werden die Plastikflaschen vom Strand am Zugang gesammelt und gestapelt. Irdgendwann müsste man sie auch wegfahren …

Wir versuchen, um die Südspitze der Halbinsel herumzuwandern und verlassen den Strand in diese Richtung. Wie gestern: steingewordene Wogen aus verschiedenfarbigem Fels laufen wie Brandung auf die Steilküste zu. Dazwischen krallen sich buschige Bäume, Blätter klein wie Eschen oder Pappeln. Der Fels weist alle Farben von eierschalen bis anthrazit auf, Stahlgrau, braun, ocker. Körnig und bröselig oder granithart. Weich ausgespült wie eine Designerbadewanne oder mit spitzen, scharfen Kanten. Um die Huk herum von schmierigem Schlamm bedeckt und entsprechend glitschig. Krabben in allen Größen wuseln herum, kleine Fische sind bis zur nächsten Flut in übriggeblieben Schrunden gefangen. Bis zur Flut haben wir noch mehrere Stunden. Aber für einen bequemeren Rückweg als überdie Felsen müssen wir auf einen Strand mit (menschlichen) Fußspuren bauen. Kommt lange nicht. Stattdessen zwei völlig unberührte (nur mit Müll verzierte) Strände. Eine Wellblechhütte mitten im Wald, Zugang nur vom Meer. Und dann endlich, es geht schon auf die Flut zu, der Bilderbuchstrand neben dem Imbissgelände. Dieser Spaziergang war wie für uns gemacht. Und das Dinghy ist auch noch da.

»Regel 25: Niemals in der Brandung ankern.«

Schifferweisheit

In der Nacht hat nämlich, wie vorhergesagt, der Wind gedreht und kommt jetzt aus Süden. In die Richtung liegen wir ungeschützt, unter Bug- und Heckanker exakt quer zu den anrollenden Wellen. Obwohl sie kaum einen halben Meter hoch sind, rollen sie die ELLI hoch und quer. Selbst meine Kaffeetasse fetzt es von der Cockpitbank. Denn: Weil wir so nah am Strand ankern, baut sich die Welle bereits als erste Brandung auf. Macht unseren gemütlich geplanten Aufbruch dann doch ein wenig hektisch …

Nur Muscheln, aber einige in rosa

Für die Fahrt nach Isla Bayoneta legen wir einen langen Schlag aufs Meer hinaus hin, der Wind steht gegen uns. Am Ende sind wir zu weit und können halbwind reinkurven. Ankermanöver klappt auf den ersten Versuch. Außer uns liegt nur noch ein Fischerboot mit enorm hohen Bug in der Bucht, Piratenflagge gehißt. Vor Piratenüberfällen warnt uns der Führer (und das Auswärtige Amt) ausdrücklich. Aber unser Pirat hat seine Frau dabei, da wird er es schon nicht so schlimm treiben …

Montag, 05.02. Dinghy auf Deck gehievt, Motor ans Dinghy gebaut. Ausflug zur Nachbarinsel Casaya mit winzigem Fischerdorf. Der Ortspolizist führt uns zum Lebensmittelladen (eiskaltes Bier und Kippen), drei Kinder spielen an Strand und trockengefallenen Felsgrund, zwei kleinere rollen auf einem Fahrrad mit Stützrädern herum.

Die Erwachsenen daddeln in Hängematten. Casaya liegt zwischen Strand zum Meer und Anleger nach hinten raus, zu anderen Inseln. Bei der Rückfahrt erwischt uns fast die Dunkelheit, aber alles geht gut. Das Piraten- Ehepaar ist weg, aber die gute ELLI ist zum Glück noch da. Wir liegen auf einer Nebeninsel der Isla Bayoneta, in der Form eines Telefonhörers. Heute, Dienstag, haben wir das Dinghy frisch betankt und die Insel erkundet. Langer Ebbe-Felsspaziergang, bis die Mangroven unduchdringlich wurden. Weitere, bisher nicht gesehene Felsformationen, alle vergossen, wie vulkanischen Ursprungs. Ocker, das zu Eisenbraun oxidiert, scharfkantig grau, sandweicher Beton mit eingelagerten Hartfelsplatten. Könnte gemalt sein. Nachmittags war ich faul, Odysse ist zum Strand geschwommen und hat eine Tour um den Telefonhörer geschafft.

Odysse: Telefonhörer

Am Dinghy ist eine Niete ausgerissen, es leckt. Erster Flickversuch mit Schraube und Gummiunterlegscheibe ging schief. Muss aus dem Wasser, evtl. Poppniete, sonst Maschinenschraube – es war eine der Nieten, die den Abweiser am Heck halten [ein flacher Spiegel, um den Wasserablauf am Heck zu glätten]. Außenborder läuft treu und zuverlässig wie die Eins. Rest der Spaghetti von gestern, noch immer lecker (Koch: Odysse). »Spaghetti in paradise.« (Odysse). Morgen soll der Wind drehen, wir sitzen im Abendrot und warten, das die LIZBETH sich in den neuen Wind dreht. Dauert noch. Cola-Rum geht auch lauwarm. 

Mi, 7.2., Pearl Island Marina, Pedro Gonzales [so heißt die Insel und das Dorf]. Heute früh in Isla Bayoneta los, Wind von hinten, nur die Genua rausgedreht, gemütlich in zwei Stunden die 10 Meilen hierher gesegelt. Die Marina gibt es nur auf Navionics, in keinem Führer. Ob es ein Militärhafen ist? Nur eine riesige Mole ist zu sehen, kein einziges Boot. Um die Mole herum leuchtet eine wunderschöne, unbelebte Marina, alles glänzt neu. Wir legen an, der Marinero kommt uns entgegen, wir fragen defensiv und können es kaum glauben: Wir können tatsächlich bleiben. Es gibt ein Restaurant (da essen wir heute abend) und Bier. 75 USD die Nacht, Strom, Wasser, Müllabfuhr inklusive. Aber sehr schön. Erstmal duschen. Dann Blog schreiben. Denn: das WLAN ist erste Sahne. Im Marinabecken jagt ein mehr als einen Meter langer, dicker Fisch, blaugrün mit gelben Flossen; und die kleinen Fische fliehen durchs Wasser und durch die Luft. Der Karpfen sieht hungrig und wendig aus und schnappt sie sich. Traumhaft (vom Steg aus gesehen). Odysse will mit dem Dinghy los, weil außerhalb der Marina alles Privatclub ist (2000 USD pro Nacht ein Haus, 750 USD ein Apartment) und es keinen Weg über Land gibt. Aber laut Prospekt/Internetauftritt ist die Privatsiedlung nach ökonomisch (s. Preise), ökologisch und sozial vorbildlichen Maßstäben erstellt worden. »Pearl Island breaks new ground, environmentally, economically, and socially, for the region.«

Odysse: Pedro Gonzales

Er ist tatsächlich mit dem Dinghy nach Pedro Gonzales gefahren, hat sich von Marcello den Ort erklären und alles zeigen lassen (und ist ihn nicht losgeworden). Und hat bei einer freundliche Verkäuferin eingekauft (Bananen, Kokosnüsse). Das Dorf sei ziemlich ärmlich, vor allem im Kontrast zum Beach Club hier.

Tapferer Seemann in winzigem, leckem Dinghy bei ordentlich Wellen und Wind: Odysse

41. Oh, wie schön ist Panama!

Ausfahrt aus Cartagena de Indias

Sa., 13. Jan., Shelter Bay Marina, Colon/Panama. Segelreisen sind Stress. Heute früh um 07:45h im Büro der Marina mit dem Elektriker telefoniert – mein europäischer Stromanschluss passt nicht an die (Us-amerikanischen) Steckdosen der Marina. 08:00 den Bus in die Stadt genommen, der mich zur Citibank bringen soll, wo ich meine Ersparnisse einzahlen wollte, um den Transit durch den Kanal zu bezahlen – Durchfahrt nur gegen Vorkasse in bar. Erster Stopp: Supermarkt. Einkäufe erledigt, um elf auf den Bus gewartet, der mich in die Stadt bringen sollte. Aber: er fährt zurück zur Marina. Für die Bank hätte ich sitzenbleiben müssen. Dumm gelaufen. Zwar habe ich den Fahrer gefragt, auch nach der Citi, aber ihn dann anscheinend falsch verstanden. Also raus aus dem Bus, Taxi genommen (USD 5.–), zurück ins Zentrum, die Bank sollte bis 12:00 offen haben, hatte aber schon um halb zwölf das »Cerrado«-Schild in der Tür hängen. Metzgergang. Mit dem Taxi zurück zur Marina (USD 25.–), um meinen Telefontermin mit Paula zu halten. War aber nicht. Zwar hatte ich mich am Morgen ins WiFi eingebucht (USD 28 für 15 Tage), aber in der Mittagshitze krieg ich mich nicht eingeloggt: »Wrong Password.« Also neuer Plan: Montag als erstes zur Bank. Dafür muss ich aber meine Kanalpassage als Linehandler auf der SABRINAS-EXPEDITIONS (Yegor und Marlené, kenn ich aus Curaçao, Nachbarboot) absagen. Die gehen nämlich am Montag durch die Schleusen. Also jetzt endlich frei. Und eigentlich sollte Entspannung einsetzen.
Weil: auch gestern war Stress angesagt. Erst hatten wir Grundberührung bei der Ausfahrt aus Cayos Limon (Lemmon Cays), ließ sich aber mit Motorkraft regeln. Dann eine Schule (6 Stück) großer Delfine (hatte Ina beim Veranstalter gebucht, haben wir seit Tagen von geredet, sie hätte sonst reklamiert (natürlich gibt es keinen Veranstalter, nur mich)).

»I’m Jack. – You’re only crew.«

Seglerlatein (»Capt’n Jack« ist Inas Anrede an mich, wenn etwas gut geklappt hat, wie bisher eigentlich alles und immer).

Dann ein ganzer Trupp kleinerer (ca. 1,50m) Delfine, die in Formation und großen Luftsprüngen seitlich angerauscht kommen und unter dem Schiff hindurchtauchen, als wäre die ELLI gar nicht da. Dann geraten wir mit dem Zeitplan in Verzug (wir wollen die Einfahrt zum Kanal unbedingt bei Tageslicht erreichen), erst weil wir zu langsam sind, dann weil wir zu weit nördlich vom Kurs abkommen, dann weil der Wind einschläft. Abends sind wir schon anderthalb Stunden motort, weil wir ein Marine-Reservat umgehen müssen und der Wind gegen uns steht. In der Nacht mussten wir uns unbedingt von einem notorisch gefährlichen Einzelfelsen vor der Küste Panamas freizuhalten. Gegen zehn Uhr vormittags sind wir noch immer 27 nm von Colon, der Einfahrt vom Atlantik aus, entfernt. Unter Segeln sind nur bis zu 2 kn möglich. Ungefähr Stehgeschwindigkeit. Würde mehr als 10 Stunden dauern. Also wieder Maschine an und 2 ½ Stunden motort. Anstrengend, weil unter Motor die Windsteuerung, die sonst unsere größte und beste Entlastung darstellt, nicht funktioniert. Gegen eins sind wir vor dem Hafen, wo riesige Frachtschiffe vor Anker liegen und warten. Maschine stopp, Segel runter, Ruder der Hydrovane hochziehen und zwei Fahrwasser kreuzen: das kleinere, das die Einfahrt in den (riesigen Industrie-) Hafen von Colon darstellt; und das größere, das zwischen den Wellenbrechern in den Vorhafen des Kanals führt. Nervensache: rechtwinklig quer zum Fahrwasser passieren, und hoffen, dass keiner kommt. War am Ende piepseinfach, weil sich keins der Riesenschiffe um uns herum bewegt hat. (Später haben wir einen der Riesen, geschoben von zwei Schleppern, gesehen: im Hafen fahren sie nur Schrittgeschwindigkeit.) Ging also auch alles gut.
Dann die Marina angefunkt (die Ina vierfach per Internet reserviert hat, ohne WLAN haben wir aber in den Tagen auf Kuna Yala (s.u.) keine Bestätigung bekommen). Ging auch gut, wir haben einen Platz (No. 60), fahren rein, finden auch D 40, leer, leicht anzufahren … das werden wir wieder angefunkt: E (»Echo«)-40 ist unser Platz. Und die Marineros winken auch schon. Seitenwind und zwei vergebliche Anläufe hab ich gebraucht, rückwärts einzubiegen, bis ich den (ersten) Rat des Marineros beherzige, vorwärts in die Boxengasse und dann rückwärts mit dem Wind (der den Bug dreht) einzuparken. Muss ich erwähnen, dass das Manöver unter den (mehr oder weniger) fachkundigen Kommentaren der Crews von zwei deutschen Luxusyachten (Halberg-Rassy 38, Contest 46) stattfand? Dass ich meinen Motor zweimal abgewürgt habe? Dass Thomas, unser Nachbar das Ankergeschirr seiner Contest mit einem Kugelfender verteidigen zu müssen glaubte? Alles gutgegangen, die drei Marineros machen uns fachmännisch fest. Endlich Feierabend.
Denkste. Es ist halb drei Uhr nachmittags, an einem Freitag, Hafenpolizei (Anmeldung) und Immigration (Einreisestempel) machen um halb vier Feierabend, dann wäre Wochenende! Also Papiere gegriffen und verschwitzt und in Segelklamotten (lila T-Shirt) losgehetzt. Zum Glück dauert die Dateneingabe bei der superfreundlichen (trotz Kopfweh) und tiefgekühlt klimatisierten (Kopf- und Halsweh) Hafenpolizistin so lange, dass ich zwischendurch Ina holen (die Immigration will Fotos machen) und mich umziehen kann. Dann klappt wieder alles und um halb vier sitzen wir bei Frozen Margarita und Bier (und Kippen) auf der Terrasse des Marina-Restaurants. Und alles ist gut (nur etwas benebelt). Abendessen und um halb acht ins Bett. Schlafen allerdings schlecht. Weil: Um halb sieben klingelt der Wecker, weil ich heute so viel vorhatte …

Kuna Yala

So heißt das Gebiet der Inseln, der Heimat der Ureinwohner Kuna. Dass man ihre Inseln »San Blas Inseln« nennt, mögen die Kuna nicht besonders, der Name stammt von den spanischen Konquistadoren. Innerhalb Panamas haben sie sich eine Art Autonomie bewahrt und führen eine (zwei) eigene Flaggen: eine mit gekreuzten Oberarmen mit Pfeil und Bogen, die andere zeigt ein spiegelverkehrtes Hakenkreuz auf gelbem Grund.

Es ist, 6. Januar, Reyes, Dreikönige, und wir faulenzen seit drei Tagen zwischen einer winzigen Sandinsel Tiadup (5 Palmen, 150m entfernt), einer unbewohnten Insel Olosicuidup (aber mit Hütte, guckst du Video (u.) 350m) und einer, wie sich beim Herantauchen herausstellt, von einer großen Familie sehr wohl bewohnter Dupwala (300m), wo ich mich, nachdem der Hund mich verbellt (und sein Herrchen mich freundlich gegrüßt hat) sehr schnell wieder vom Acker mache. Etwas abseits liegt ein Sandflecken, völlig ohne Vegetation Warsobguadup. Und zwei andere, mit Palmen, die wir beim Einfahren links liegen gelassen haben, Gorgidup und Dainyadup. »Dup«, so die begründete Vermutung, heißt auf Kuna wohl Insel (oder Garten?)

Am 2. Januar sind wir aus Cartagena los, der Taucher hat uns die Achterleinen gelöst, John uns intensiv beraten und uns an einer Sorgleine rückwärts ins Hafenbecken gelotst – es war kräftiger Wind aufgekommen und ich hatte schon das Ruder der Hydrovane montiert [welches das Manövrieren auf engem Raum schwierig macht]. Alles ging glatt. Ewig lange Ausfahrt, wie die ewig lange Einfahrt an Heiligabend. Cartagenas Skyline (Boca Grande) leuchtet uns noch lange nach.

Immernoch nicht Panama …
Wellen, vor allem Wellen
Mola: Schildkröte
Mola: Fische und Palmen

Mit zwei Reffs im Groß und reduziertem Vorsegel dennoch mit bis zu sechs Knoten durch hohe Wogen und halben Wind in 1d 19h, also anderthalb Tagen, nach Kuna Yala. Ausnahmsweise hat der Zeitplan geklappt und wir sind morgens vor den Inseln angekommen, die man nur bei Tageslicht (und Sonne von hinten) anlaufen soll, hat Moritz uns eingeschärft. Wieder lange Einfahrt. Vor allem sind keine Inseln zu sehen, nur einzelne Sträußchen windzerzauster Palmen. Aber das ist es: grün auf der Karte sind Korallenriffe, gelb ist Sand, der sich auch manchmal von der Stelle bewegt. Unseren anvisierten Ankerplatz erreichen wir um neun, der Anker will nicht recht halten, in der ersten Nacht stellen wir den Ankeralarm am Funkgerät an. Aber er hält. Für die zweite Nacht fahren wir ihn noch einmal mit voller Kraft rückwärts ein. Seitdem liegen wir fest, zwischen Inseln (s.o.) und Korallenriff (scharfkantig, siehe Video: Cayos Coco Bandero).

Mola: Papageien (oder so)

Nachmittags kommt ein Boot mit Benancio vorbei und verkauft uns Molas, Schmucktücher in aufwendiger Stick- und Nähmusterung. Sollte man einmal kaufen (rät Moritz), damit man späteren Anbietern sagen kann: »Wir haben schon!« (Klar, dass nach Venancio keiner mehr kam, oder?)

Und alles sollte wie ein Traum sein. Die Brandung bricht sich einen halben Kilometer entfernt. Hier drin schaukelt uns nur eine schwache Welle dennoch durch. Wind weht, sodass man nachts sogar ein Laken überziehen möchte. Tagsüber vor allem Lesen und Träumen und schnorcheln (und Dinghy aufbauen, mühsam).

»So., 7.01.
Herd VOR Frühstück repariert
09:15 ab Cayos Coco Bandero
11.45 Schildkröte StB. (Ina sieht etwas vorbeitreiben, das aussieht wie ein umgestülpter Bastkorb, braun. Dann streckt es einen Kopf heraus und taucht ab: eine Schildkröte, sicher fast ein Meter Panzerdurchmesser.)
15:45 vor Anker Cayos Limon.«

aus dem Logbuch der ELIZABETH
Inselchen

»Mo., 8. Jan.
Großpersenning fertig (genäht), aufgezogen
Dinghybrett gebolzt („repariert“)
Ausflug zu Hotelinsel Tiadup und Laguneninsel Niadidup
Nudelsalat
Handbreit
Rumpf abgeschabt, geschrubbt. Elli hat eine Riesenmatte.«

aus dem Logbuch
Zwei Fischer(?)boote

Mo., 8.1., Cayos Limon (Lemmon Cays). Südsee-Feeling. Winzige Inseln, Palmen und weißer Sandstrand, Hüttchen drauf. Auf der ersten, rechts der Einfahrt Tiadup, ein Restaurant auf Stelzen, „Welcome“, dahinter am Strand Miethütten, jede mit eigener Veranda, Hängematte und Badeplattform. Einzelne sind sogar belegt. Gegenüber eine derzeit unbewohnte Insel Naguarchirdup, auf der anderen Seite der Einfahrt eine dicht mit Schilf (??) bewachsene Miriardup, vor dem Horizont noch mindestens drei Inseln, bewohnt, weil nachts elektrisch beleuchtet. Auf unserem Ankerplatz scheinen wir in einer Durchfahrt zu liegen, immer wieder sausen Motorboote wie Wassertaxis an uns vorbei. Neben uns eine kanadische Yacht und ein Spanier. Beide selten zu sehen. Und ein Katamaran-Wrack, das  bereits komplett ausgeweidet wirkt, Dach eingedrückt, Fetzen vom Vorsegel am Vorstag, und darauf zu warten zu scheint, endlich untergehen zu dürfen. (Habt ihr mitgezählt? Insgesamt nur VIER Boote hier, uns eingeschlossen. So unbelebt dürfte es sonst nirgends auf den Inseln sein …) Mehrfach danken wir Moritz (im Geist) für seine Ankerplatz-Empfehlungen, alles allererste Sahne. Und ein weiteres Abendessen hat er sich mehr als verdient …)

Höhepunkt des Inselrundgangs: Foto-Session

Heute Ruder-Ausflug zum Restaurant und zum Hotel der Strandhütten. Alles abgeranzt und bretterbudenmäßig wie im Traveller-Handbuch vorgeschrieben. Aber Süßwasser und Duschen in jeder Hütte oder zumindest in Laufentfernung, Restaurant am Strand mit Sonnenuntergang. Was will ich noch in der Südsee, wenn man das doch alles hier in der Karibik haben kann? Weißer kann der Strand dort auch nicht sein. Höchstens Landausflüge, Berge beklettern wäre vielleicht schön.

Captain: Jack – Crew: Ina

Tage wie Träume, Schlafen von acht bis sieben, dann dösen, dann lesen, dann essen, dann dösen, dann schlafen. Heute Dinghy notdürftig repariert (beim Aufbauen in Coco Bandero hab ich es geschrottet). Dann Ausflug zu den Nachbarinseln, jeweils ca. 500m. Bisschen Wind, bisschen Strömung, kein Problem.

»Di., 9.1.
1 Schoner, 1 Kreuzfahrtschiff, 2 Einbäume mit stehenden Fischern (?) Neue Gäste im Hüttchenhotel
Kreuzfahrtschiff ankert, lässt 3 Schlauchboote ab, fährt Passagiere zu Bilderbuchinsel, wo (Stände aufgebaut sind und) Taxiboote warten.
Abends laden sie wieder ein und fahren – den Kanal hoch!
Fischer mit 10j Sohn „Bulito“ verkauft uns zwei Makrelen (?) „Sena“ (1 ½ kg). Gebraten von Ina: lecker.
Obstboot: Bananen, Salat, Tomaten 5 USD
Abends Bier im Hafenrestaurant. Das andere, zum Kanal hin, sieht VIEL besser aus: einfacher, uriger, sauberer.«

aus dem Logbuch der ELSE

Moritz hatte Recht: von West nach Ost werden die Inseln immer schöner. Hier sind sie mehr bewohnt, die Cayas Coco Bandero kamen uns ursprünglicher, weniger bebaut vor. Und der Strand war weißer. Am Boot zieht eine Strömung von sicher anderthalb Knoten vorbei, muss man gegen anschwimmen, um vor den Rumpf zu kommen (oder Unterwasseraufnahmen vom Kiel zu machen, der nur 30 cm über dem Grund schwebt: Handbreit.) Ach ja: der Tiefenmesser zeigt die wirklich Tiefe an, nicht erst ab Unterkante Kiel (habe ich gestern gelernt.)

Kitzelt schon fast am Kiel

Schöne Fotosession an der Pelikan-Insel gegenüber (mit kreisrundem Beton-Pier –Stonehenge? Aufgegebene Fischfarm?) an einer Palme am Strand. Aber das ist auch schon der Höhepunkt einer Inselerkundung: die Fotosession. Sonst ist nicht zu tun, als sich über den Müll zu ärgern und den Einsiedlerkrebsen beim Herumkrebsen zuzusehen – und ihre geliehenen Schneckenhäuser zu vergleichen, zu bewundern und zu kommentieren.

Zivilisation

Ina legt Wert auf die Feststellung, dass ihr Fäzes nach Farbe und Konsistenz als »Bristol 4« qualifiziert ist, also die höchste (gesündeste) Wertung in Bezug auf ihr Mikrobiom (Darmflora) erreicht. Ina hört interessante Podcasts. Ich lese uninteressante Bücher: Slumdog Millionaire liest sich beim zweiten Mal doch eher schematisch. Dabei hatte mich The God of small things (auch beim zweiten Mal wunderbar) auf Indien angefixt. Wahrscheinlich hab ich mir die Erinnerung durch den Film verdorben. Oder der Film war besser als das Buch. Eine eindrückliche Latrinen-Szene hab ich jedenfalls vermisst. Soviel zum Thema Darm.

Ina geht
Fotosession

Inas Arm (Nerven/Muskelschmerzen) wird langsam besser, zum Glück. Hoffentlich hat sie sich beim Schwimmen heute nicht zuviel zugemutet. Nudelsalat mit dem Rest der Spaghetti von gestern (mit Guacamole aus phantastischen Avocados, superlecker). Sonst essen wir wenig Kohlehydrate, mehr Obst (köstliche Mangos) und Gemüse (Gurken, Tomaten). An das langsame Leben im Paradies kann man sich gewöhnen.

»Mi, 10.1.
09:30 ab Cayos Limon
10.15 Anker fällt Cayos Chichime
Makrelensandwich – lecker
Dinghy hochgehievt und abgebaut.«

aus dem Logbuch
Navigatoren wie wir: Frachterwrack

Letzte Station auf Kuna Yala: Cayos Chichime, Fische gucken (rät Moritz). Einfahrt etwas verwinkelt, Wrackteile regen aus dem Riff, draußen liegt das Wrack eines Frachters als eindringliche Mahnung. (Auch die markanten riesigen Kegelbojen, die wir schon vor anderen Inseln bemerkt haben, stellen sich bei näherer Betrachtung als Büge gesunkener Yachten heraus.) Ankern auf elf Meter Tiefe (aber der Anker ist beim Schnorcheln glasklar zu sehen! – Siehe Video), mindestens vierzehn andere Yachten sind schon da und wir quetschen uns dazwischen. So liegen wir wenige Meter vor einer Anlegestelle mit schmalem Sandstrand, dahinter Wohn- und Vorratshütte einer Kuna-Familie mit kleinem (2J) Kind und Frau in bunter Tracht. Die arbeitet in der Hängematte sitzend, putzt Gemüse, macht Handarbeiten.
À propos: Molas, Motivtücher in Fresco-Technik [mehrere verschiedenfarbige Lagen Stoff, die Muster werden herausgearbeitet, indem man eine Lage ausschneidet und vernäht, dann kommt die darunterliegende zum Vorschein] haben wir schon am ersten Tag gekauft.
Weitere Händler in Booten: Gemüse (nach der Verpackung vom Großmarkt), Fische (zwei Makrelen, s.o.), mit Sohn (ca. 10j.) Bulito, sicher ein Dutzend Fische von zwei Sorten (bunt, wie Mahi-Mahi; mit seitlicher Zeichnung, wie Makrelen) Saubermachen? – Claro. Tiene Cuchillo? – Reiche ich ihm ein Messer, legt er sein Paddel quer über den Einbaum und nutzt ihn als Schneidbrett und nimmt die Fische aus.)

Eher enger Ankerplatz: Cayos Chichimé

Cayos Chichime ist genau das Schnorchelparadies zum Fischegucken, das Moritz uns versprochen hatte: alle Größen, alle Farben. Und direkt vom Boot aus, wenige Dutzend Meter Richtung Riff hinausugeschwommen, tummeln sie sich. Ina hat sogar direkt am Ankerplatz einen Stachelrochen (Manta) gesehen. (Ich später auch, hab aber an der GoPro den falschen Knopf gedrückt, also keinen Beweis. Guckst du Fische: Video.)

Schnorchelvideo

Am Donnerstag nachmittag wollen wir los, für den kurzen Schlag zum Panama-Kanal. Vorher noch einmal abkühlen. Wasser perfekt temperiert, glasklar. Kurzes Sandwälzen am Strand: Paradies. (am Morgen hat eine Gruppe westlicher Freiwilliger eine Müllsammel-Aktion auf der Insel durchgezogen. Sah gut aus.) Übermütig probiere ich auf dem Rückweg meine Beweglichkeit: Ich kann wieder Delfin, meine Schulter ist völlig in Ordnung! Glückseligkeit.
Anker auf um 14:00h. Die nahen Nachbarn umfährt Ina wie ein Pro. Bei der Ausfahrt, ich verzurre den eben gehobenen Anker, Ina fährt raus, die ferne Lücke zwischen der brechenden Brandung fest im Blick, braucht das Navi ewig, um hochzufahren. Als es endlich anzeigt wo wir hinfahren, sind wir vom Kurs ab: »Hier rechts, und zwar scharf!« Da setzen wir bereits auf, der Kiel knirscht sich ins (weiche) Korallenriff. Leerlauf und Rückwärtsgang, volle Kraft. Noch mehr Knirschen, das Boot dreht zum Riff hin in ab. Ich meine, wir hätten schon etwas Lage, aber mit Ruder zum Wasser und Vollgas voraus bahnt sich die gute ELSBETH einen Weg ins Tiefe. Nochmal gut gegangen. Denn das Peinlichste wäre, unter den Augen (und Kommentaren) von vierzehn Yachtie-Besatzungen festzuhängen …
Thema Motor: der gute alte Nanni-Diesel ist seit England ein Fels in der Brandung (gewagtes Bild, passt hier nicht gut): springt sofort an, tut auch stundenlang klaglos seinen Dienst. (Dass er in Curaçao, nach einem heißen Sommer mit Salzwasser in der Kühlung, nicht ansprang, war ein Bediener-Fehler! Regel 24: Motor vor der Einwinterung mit Süßwasser spülen – und Frostschutz in die innere Kühlung! (Nicht wegen Gefrierens, sondern weil das Zeug auch Schmiermittel enthält)). Er hat sich einen eigenen Namen verdient. »Nennt mich Gustav.« Auch Eisenbeißer-Gustav nach den Geräuschen, die er macht. Jedenfalls stets zuverlässig und vermittelt ein gutes Gefühl. Ganz anders als zu Beginn der Reise …

30. Achteinhalb Tage

San Pedro (Turtle beach), Sao Vicente, Cabo Verde
Richtung Kapverden

Samstag, 11. Februar war es endlich soweit. Am Nachmittag sollten die Winde auf Nord-Nordost drehen, evtl. kleine Flaute, dann die ganze Woche in unsere Richtung, teilweise bis Bf 7. Aber stets achterlich. Eile hatten wir also keine. Marlene ging letzte Einkäufe tätigen, Gustave und ich bereiteten das Rigg für Passatbesegelung vor. Um halb vier in die andere Marina gedampft, wo es eine Tankstelle gibt. Auch wenn nur 20l reinpassen würden. Nach dem Tanken konnten wir am Anleger bleiben, bis eine andere Yacht tanken kommen wollte. Kam aber keine. Gaston und Matx („Matsch“), Baske, schauten vorbei, später noch Blue, die uns ein handgemaltes Kartenspiel (für Hanabi) geschenkt hat. Wehmütig (Abschied) und ausgelassen (große Erwartungen) war auch noch ein Tänzchen an der Tanke drin, sicher auch für guten Wind (hat jedenfalls geholfen). Um fünf macht die Tanke zu, um halb sechs sind wir raus aus Marina und Hafen. Draußen war erstmal zwei Wachen (6h) Flaute. Sind wir getrieben bzw. herumgedümpelt, See ruhig, Sonnenuntergang klasse. Dann kam der Wind. Der Wachturnus war rasch festgelegt und hatte sich schnell eingespielt: nachts drei-Stunden-Wachen, vier Stück, zwischen 21:00 und 09:00, tagsüber vier-Stunden-Wachen, drei Stück, wiederum bis 21:00. Kein weed während der Wachen, musste ich dran erinnern. Außerdem scheint es schwierig zu sein, sich zu merken, dass der Klo-Pumpen-Hebel nach Gebrauch wieder ins Gehäuse zu schieben ist. Hab ich schon erwähnt, dass ich mir wie der letzte Spießer vorkomme?

Exkurs: Im Salon, pardon: im Square (in der Bordsprache Englisch haben alle Kabinen neue Bezeichnungen bekommen: Triangle ist die Vorschiffskabine, Square heißt der Salon, bleibt Circle für die Achterkabine); ELIZUPA heißt das Boot (weil ich, anscheinend typisch deutsch (Französin mit Tomás vor dem Motown)) andauernd „super“ sage – muss ich mir abgewöhnen. Gustave findets allerdings gut. Außerdem weckt er mich (meine Wache ist nach seiner) mit dem traditionellen »Reise, Reise!« [»Raisöraisö«], was ich wiederum super finde. Zurück zum Spießer: Im Square hängt ein Zeitungsausschnitt, eine Filmreklame: El peor vecino del mundo (Der schlimmste Nachbar der Welt). Den Film kenne ich zwar nicht, aber der Titel (und der Untertitel (Nunca es tarde para empezar a vivir (Es ist nie zu spät, ein (neues) Leben anzufangen) versprechen ein Spießer-Drama. Und was hat der (Hollywood-) costume designer als Outfit ausgesucht: dunkelblaue Allwetterjacke, dünner Wollpullover, kariertes Hemd. Genau mein Stil. Tom Hanks trägt zwar keine Brille, aber mit Quadratschädel und fiesem Blick kommt er ganz auf mich. Oder wie Marianne Rosenberg singen würde: Er ist wie ich.

Schickes Outfit: Hanks

Zurück zur Passage: Bei dem fast durchgehend herrschenden schweren Seegang dringt doch deutlich Wasser ins Schiff, sprudelt dann aus den Bodenbrettern, ergibt eine unangenehme Sauerei. Alba macht sich Sorgen. Und pumpt heftig.
Abendessen gibt es gekocht und warm (je nachdem, welches Gemüse dran/am vergammeln ist), Frühstück und Zwischenmahlzeiten macht jeder für sich oder für diejenigen, die wach sind. Ich hab eine Erkältung erwischt und schlafe mit Mütze und Halshandtuch so oft es geht.
An Sonntag früh verschwinden die letzten hellbraunen Berge der Südküste von Gran Canaria endlich im Dunst. Von jetzt ab nur noch Atlantik. Einmal ein Frachter hinter uns quer (irgendwo nach Mauretanien?), einmal ein hellerleuchtetes Fischerboot, einmal ein einsames Licht wie von einem Segelboot querab, in der Dunkelheit aber nicht auszumachen – dafür, dass die gesamte (komplett ausgebuchte) Marina in Las Palmas auf günstigen Wind gewartet haben soll, ist erstaunlich wenig los. Oder haben wir den aufziehenden stürmischen Wind nicht ernst genug genommen?
Dessen Höhepunkt ist für Donnerstag angesagt, also reduzieren wir schon Mittwoch nachmittags vorsorglich die beiden Genuas. Die lassen sich aber (bei wenig Wind) problemlos auf das Vorstag rollen. Teilweise segeln wir nur noch mit einem Bettuchgroßen Stück, am Donnerstag Nachmittag und nachts sogar völlig ohne Segel: Ablaufen vor Topp und Takel. Aber immerhin noch mit vier Knoten! Im Radio war Gale warning (Sturmwarnung). Zwar lässt der Wind immer wieder nach, aber hohe Dünungswellen bleiben. Und zwischen Bf 4 und 7 (Böen 8) schiebt uns der Wind von hinten fast geradewegs auf die Kapverden zu. Schaukelfahrt, aber immer wieder auch wie auf Schienen. Und Sonnenschein bzw. sternenklare Nächte. Inzwischen hat die Erkältung auch Gustave erwischt, Marlene kann es unten nicht lange aushalten, wir essen im Cockpit auf den Knien zu abend. Und es schmeckt: Wind macht hungrig. Alle Bananen sind gleichzeitig reif geworden, lecker Bananenpfannkuchen (Marlene) und Bananenschokopfannkuchen (Alba), die Äpfel halten auch nicht, was uns versprochen wurde und die Orangen stoßen sich in ihren Netzen weich und wund. Marlenes Hängematte allerdings tut als Obstnetz unter dem Bimini gute Dienste. Gestern hat sie in ihrer Wache sogar die fluoreszierenden Delfine gesehen – was mich beruhigt: war also doch nicht nur meine Einbildung.

Der Moment

… ereignete sich schon am zweiten Morgen. Erstes Grau im Himmel, Boot läuft ruhig unter Passatsegeln, Gustave und Marlene kuscheln sich durch ihre Wache, jeweils eine Tasse Tee in den Händen. Auch ich hab einen Pott Kaffee. Und urplötzlich erinnere ich mich an das Bild, mit dem für mich alles anfing: eine stilvoll-naive Illustration wie aus einem Kinderbilderbuch (von Paulas Agentur, hätte ich gesagt, aber der Moment muss Jahrzehnte früher stattgefunden haben). Auf der Yacht ein junges Paar, ebenfalls im Morgengrauen, ebenfalls unter Passatsegeln, nur ruhig, friedlich, still. Irgendwo hat der/die Zeichner/in noch einen rückenbiegenden Delfin untergebracht, der war bei uns nicht dabei. Jedenfalls: das Paar, sie noch im Schlafanzug (überweites T-Shirt, Slip) mit einem Pott dampfenden Kaffee in der Hand, er kauert am Heckspiegel und rasiert sich den Schaum vom Kinn. Bewegt ist eigentlich nur das Kielwasser, das sich sanft kräuselt. Dieses Bild, das ich irgendwo vor Jahren gesehen habe (sollte ich vielleicht mal googeln) hat jedenfalls meine Sehnsucht nach einer Segelreise ausgelöst oder heraufbeschworen. (Oder ich hab damals angefangen, mich nass zu rasieren?). Und genau dieser Moment trifft jetzt, am zweiten Morgen der Passage ein. Ganz merkwürdig wehmütig-befriedigendes Gefühl. Fast wie ein Déja-vu. Jedenfalls sehr bewegend. Ich bin noch den ganzen Vormittag befangen vor emotionalem Überschuss.

Heute, Samstag, 18.02. (Karnevalssamstag in der Stadt mit K.), sind wir eine Woche unterwegs und haben schon vor zwei Tagen beschlossen, auf jeden Fall auf den Kapverden Station zu machen. In der kleineren Genua ist ein Riss entlang des Achterlieks, die Befestigung des Wasserkanisters ist abgegangen, am Herd funktioniert nur noch eine Flamme (Wasser im Schlauch) und der Wassereinbruch im Salon scheint sich zu verstärken. Wir brauchen eine Reparaturpause. Außerdem sind mir die Zigaretten ausgegangen. Heute mittag waren es noch 182 nm, also fast zwei Tage. Wenn wir können, wollen wir die Ankunft so terminieren, dass wir nicht im Dunkeln einlaufen. Mal sehen.

Karneval in Cabo Verde

Rosenmontagmorgen um sechs Uhr (also noch im Dunkeln) endlich die Marina Mindelo ausgemacht (Navionics hatte ich für die Kapverden nicht geladen) und vom Marinero an der Tanke erwartet worden. Seitenwind falsch eingeschätzt und eine Schramme in die Flanke der armen ELLI gefahren. Aber gut angekommen, fest- und Bier aufgemacht. An der Tankstelle konnten wir nicht bleiben, also umsetzen an einen wackligen Ponton, vor dem wir vor zwei langen (unelastischen) Vorleinen mit dem Heck zum Steg liegen (zwei Marineros im Schlauchboot haben die Vorleinen ausgebracht) und unsere Boje komplett unter Wasser ziehen. Das hier übrigens grün ist und fendergroße Moos- oder Algenbälle schwimmen hat. Einchecken und Umlegen hat so lange gedauert, dass wir erst um halb eins bei der Hafenpolizei sind, die Immigration hat inzwischen geschlossen. Es ist Rosenmontag, der Karneval ist weltberühmt und wird das Städtchen bis einschließlich Mittwoch in Atem (und die meisten Geschäfte geschlossen) halten.
Ging direkt abends mit einer großen Parade los. Öhrenbetäubende Beschallung, Goldlammé-Kostüme, Tragegestelle mit Pfauenräder-Befederung, hochhackige Stiefel und hochgeschnittene Badeanzüge: besser ist der Karneval nur in Guinea-Bissau, im Senegal und natürlich in Rio (belehrt mich ein Betrunkener/Psychiatriepatient auf portugiesisch, ich antworte auf deutsch, kann ihn aber dennoch eine halbe Stunde lang nicht loswerden. Andererseits; freundlich gestikulieren, aufkochende Erbostheit beschwichtigen, ab und zu einsichtig lächeln geht in jeder Sprache. Zu irgendwas ist die Fasteloovend-Erfahrung dann ja doch gut.) Nach einer Stunde fällt mir auf, dass die Musik sich wiederholt. Tatsächlich spielen sie (auf dem gesamten Zugweg, überall in der Innenstadt) dasselbe Lied in Dauerschleife, insgesamt sicher vier Stunden lang, später werde ich dazu einzuschlafen versuchen (die Marina liegt praktisch in der Verlängerung der Hauptstraße, die am Strand in einem Kreisverkehr (und Feierzentrum) endet).

Gestern abend Großkampftag und große Parade. Danach noch auf den Hauptplatz, lief aber nur noch Konserve zum Chillen. Dennoch: die Tänzerinnen, die nach einem Tag High Heels barfuß nach Hause wanken. Die kreischbunten Hochglanzkostüme in allen Stadien der Auflösung, die Stimmung zwischen Euphorie und Erschöpfung, Rausch und Ohnmacht, das seelige Lächeln zwischen zwei Gähnanfällen – Kehraus ist vielleicht das Menschlichste am Karneval. Hier noch dazu mit streunenden Hunden und kleinen Kindern (auf Schultern gehoben mit leuchtenden Augen oder schlafend getragen). Einer hat Alba, mit der ich unterwegs war, seine Bockleiter angeboten, sie war zu genant, ich hab es mir nicht nehmen lassen: in den hinteren Reihen sieht man nur die Mottowagen und die Tänzer/innen auf ihren luftigen Podesten. Aber das eigentliche Leben findet auf Straßenebene statt: Trommlergruppen, Sambaschulen, strahlende Märchenprinzessinnen für eine Nacht. (André, der heute aufs Boot kam (und eine Mitfahrgelegenheit in die Karibik sucht, was sonst?) hängt hier schon seit Wochen rum und hat die gesamten Proben und Probeumzüge mitbekommen. Es scheint hier seit Wochen nur um den Karneval, diese drei tollen Tage zu gehen. Nur wir sind völlig unbedarft hier hineingestolpert, wo andere extra deswegen hierherfliegen …)
An Karneval hat nur der chinesische Supermarkt geöffnet (Falcoes), außerdem Putenschnitzel, Pommes, Spiegelei, Reis, Salat, Bier und Vanillecremetörtchen im lokalen Restaurant (8€). Und endlich mit Paula signaltelefoniert (und André und seinen Skipper getroffen). Und Julian und Amanda (Bonn), unterwegs nach franz. Guyana), weil Julian den Müll aus dem Windschatten des Pontons direkt am Heck der ELLI gefischt hat, eine Tüte voll innerhalb einer halben Stunde.

Ach ja: Und das Ruderlager geflickt. Am Donnerstag Nachmittag hab ich nämlich endlich nach der Ursache für das Poltern gefahndet, das (mich im Schlaf aufschreckt und) sich nach einem schweren Gegenstand anhört. Das Ruder der Hydrovane war es nicht. Aber das Messinggehäuse der Stopfbuchse am Schaft des Hauptruders hat sich gelockert und zwei mm Spiel, dadurch die Dichtungsgummierung zwischen Ruderlager und -koker herausgearbeitet: daher das Wasser im Schiff bei hohem Wellengang. Die Crew nimmt die Nachricht gefasst auf, vor allem erleichtert darüber, dass jetzt endlich klar ist, wo das Wasser herkommt, das sie zweimal täglich ausgepumpt haben. Aber damit war der Entschluss gefasst, auf den Kapverden Station zu machen – mit lockerem Ruderlager über den Atlantik? Geht gar nicht. Heute (Aschermittwoch) habe ich den Flansch des Ruderkokers, der nicht mit dem Flansch von Ruderlager und -stoffbuchse gefluchtet hat, einseitig auflaminiert. Danach sollte das Ruderlager flächenschlüssig (und nicht nur auf Unterlegscheiben, wie nach der Verzweiflungsreparatur im Boatyard in Cornworthy) klemmen und damit so stabil sein wie der Rest der guten alten ELIZUPA.
Gleich geht’s wieder ins Getümmel, die Bands trommeln sich schon warm …
Marinarundblick: im Osten, hinter der Fischmarkthalle, wo die Boote anlanden, schwanken hohe Motivwagen, grellweiß angestrahlt heran, Samba dröhnt herüber, ein Stück weiter links ist ein Bühne aufgebaut, Requeton wummert heran, noch ein Stück weiter malen Luftabwehrscheinwerfer Lichtschwerter in den Nachthimmel, die gehören schon zur nächsten Bühne (Rumbarausch mit Frauenstimmen), am Kreisverkehr vor der Marina treffen sich Trommlergruppen und Tanzschulenkostüme von beiden Seiten, begegnen sich irgendwie, ohne sich zu mischen und augenscheinlich ohne sich zu stören (jeweils eigene Musik), ein Steg weiter gähnt ein schickes rotleuchtendes Dreieckslokal mit atemberaubend ausgeleuchteter Terrasse (aber gähnend leer, Musik jedoch voll aufgedreht), gegenüber singt sich eine Calypso-Boygroup die Seele aus dem Leib, auf dem nächsten Platz, etwas zurückgesetzt, tanzt eine (oder mehrere?) Rumbaschulen völlig synchron (eigene Musik) … und das war nur die Uferpromenade. Die richtig großen Bühnen und Tribünen sind zwei Blocks den Hügel hinauf im Stadtzentrum aufgebaut. Dort tanzt er kapverdische Bär. Dazu: Brathuhnduft und Holzkohlegrillrauch, Popcornaroma und Garküchendunst. Aber: kein Alkohol im Straßenverkauf! Im Sturm (herrscht ununterbrochen seit drei Tagen!) fliegt der Plastikmüll und kreiselt im Windschatten eines Rohbaus zu Boden. Bilder, die man nicht geschossen hat. Und die hoffentlich dennoch bleiben.

Endlich Band I der Recherche zu Ende gelesen (die Passage war lang (8 ½ Tage), trotz Sturm und Starkwind und hohem Wellengang). Großer Stilist, unbestritten, aber große Kunst? Das unvermittelte Changieren zwischen Gesellschaftssatire und Empfindsamkeitsliteratur, die unglaubwürdigen Figuren und ihre lächerlichen Manien, die unentschlossene Erzählhaltung (bin ich Swan, bin ich Marcel, bin ich auktorial?), die verschiedensten Erzählblöcke (Sehe ich Landschaft und Gegend? Lese ich Gefühle und Irren/Wirren?), die verschwimmenden Zeitebenen und Orte und Bezüge (erfahre ich die Erinnerung des Erzählers oder seine gerade gewonnenen Einsichten) – nicht der angekündigt (und angestrebte) große Wurf (für mich). Aber vielleicht zuviel Zeit zwischen den Lektüreschüben (seit Oktober!) vergangen. Jedenfalls wieder einmal: großes Leiden (unglückliche Affäre mit irgendeinem Antoine) schafft große Kunst. Und Gravity‘s Rainbow. Muss im LSD-Rausch geschrieben worden sein: hemmungslos episodisches Geistesblitz-Erzählen, das sich an nichts vorher Geschildertes erinnert oder stilistisch annähert (die Kotz-Szene, wo ein paar wildgewordene Alliterationskünstler mit erfundenen ekligen Gerichten eine ganze Abendgesellschaft nach und nach zum Hinausstürmen und Erbrechen bringen; die finale Erlösungsrakete mit fügsamem Menschenopfer; die Irrfahrten des schiffbrüchigen Slothrop, der kaum von einer Yacht gewaschen, auf den nächsten Nachen gerettet wird und nicht einmal Zeit findet, vernünftig auszunüchtern; die sexuellen Obsessionen jeder einzelnen Figur – irgendwie hat Th. Pynchon es am Ende doch noch geschafft, so etwas wie einen Bogen zu schließen, aber die Auflösung hab ich nicht verstanden. War Slothrop Opfer eines ungeheuerlichen Menschenversuchs oder („nur“) seiner überschießenden (und alle Hauptfiguren einbeziehenden) Paranoia? Sind alle seine Gespielinnen eigentlich ein und dieselbe Frau? Spiegeln sich seine Erlebnisse in den anderen (episodisch erzählten) Figuren oder wird eine einzige Geschichte, eine Parabel, („einfach“) an verschiedenen Charakteren durcherzählt?) Aber, wem nach einer Erzählung über den Irrsinn des Krieges und was er mit seinen Akteuren und deren Psyche anstellt, ist, dann ist er mit diesem Brocken von Grausamkeit, Sinnlosigkeit, Paranoia und Kadavergehorsam, sexueller Unterwürfigkeit und Dominanz gut bedient. Juli Jurik:Die Schule von Beslam (wieder) gelesen. Und laut schluchzend und tränenüberströmt im Cockpit gelitten, bei Sonnenschein und tropischer Umgebung (allerdings Starkwind, 35 kn). Und gegen die Hitze: J. Krakauer: In eisige Höhen (wieder). Geht immer wieder. Und kühlt immer wieder. Und bewegt immer wieder.
Und (wieder) B. Schenk Transatlantik in die Sonne. Auch dieser Profi wickelt sein Spinnakerfall in den Fockroller. Auch dieser Großnautiker ist nervös vor dem Landfall. Auch der bestverkaufende Segelbuchautor Deutschlands schlägt sich mit den Nachlässigkeiten seiner Crew herum. Wieder viel gelernt (nur nicht über vegane Ernährung: mit den Rezepten und Mengenangaben konnte Marlene nichts anfangen. Allerdings haben wir auch nicht zwei (!!) Gefriertruhen an Bord und müssen deshalb täglich (!!) eine Stunde den Motor anschmeißen (dafür lassen wir das Masttopplicht brennen; dieses Birnchen bringt uns dann auch nicht mehr um)). Tatsächlich hat die Batterie 7 Tage lang durchgehalten, nach einer Stunde Motor war sie zwar wieder auf 12,6 V, ging dann aber rasch runter. Muss auf dem Atlantik besser laufen.

Hexenweg
Richtung Santo Antao

Freitag (24.02.) hab ich endlich (zur Belohnung für die gelungene Ruderlagerreparatur) den lange geplanten (vorgehabten) Landausflug gemacht, eine Wanderung über Santo Antao, die vielleicht schönste der Inseln. Gestartet bin ich wie ein Pro: halb sieben aufgestanden, über den Zaun geklettert, weil die Marinero-Nachtwache auf Rufe nicht reagiert hat, um halb acht das Fährticket gekauft und um acht die Fähre (halbe Stunde) zur Nachbarinsel genommen, die im Dunst zu ahnen ist.

Hier nicht im Nebel: Pico da Cruz (höchster rechts)

Fliegender Fisch: fliegt einige Meter weit, bevor er wieder in die nächste Welle taucht (vier von der Sorte lagen bereits bei uns an Deck, einer hat es sogar (durch die Luke?) bis auf die Saloncouch geschafft.) Von einem hiesigen Studenten angesprochen worden, sein Vater sei Taxifahrer. Also schnell das richtige collectivo (hier: aluguer) gefunden, in der Wartezeit gefrühstückt (Bratfisch mit cachupa, einer Mischung aus gekochten Bohnen, Mais und irgendeiner Art Graupen. Halbe Stunde Fahrt in die Berge, traumhafte Strecke, atemberaubende Landschaft, wenn auch ziemlich trocken auf der Ostseite von Santo Antao. An der Abzweigung zum Pico da Cruz rausgesetzt worden, aluguer war nicht, also losgewandert (Sonnenhut und -Brille, kurze Hosen). Deutschsprachige Vierergruppe mit eigenem gechartertem Minibus angesprochen und die letzten Kilometer mitgenommen worden. Schlag Mittags auf dem Gipfel, Feuermelder-Ausichtsplattform, höchster Punkt rundum, König-der-Welt-Aussicht. Aus dem Nebel ragt der Gipfel eine Berges auf einer entfernten Insel (???), von Santo Antao ist nur die Küste auf der Ostseite zu sehen, die in strahlendem Sonnenschein liegt.

Nur die Alemannen kommen irgendwie nicht bei. Auf dem Rückweg streifen sie durch ein Waldstück, glauben den Gipfel gefunden zu haben.
Informationstafel gelesen. Schwerer Fehler. Der Weg hinab nach Ribeira da Penedo („da Penad“) (520 Höhenmeter, fast alles bergab) dauere drei Stunden, eine Seitenstrecke führe durch das malerische („lush green“) Seitental Faja de Janela (=Hexenkessel, wusste ich da aber noch nicht). Gemacht (gedacht). Außerdem gebe es lokal produzierten Käse. Dass die Strecke acht Stunden länger dauert, stand da nicht. Käse gekauft, Bier genehmigt.
Anfangs führt eine breite, gepflasterte Straße zwischen einfachen Steinhäusern und -ställen sanft bergab. Esel werden be- oder entladen, fressen Heu, brüllen herzerweichend. Kuhhirte treibt drei Rinder zur Tränke. Nach dem Weg gefragt. In einer scharfen Rechtskurve geht der Wanderweg, breit aus dem Berg gehauen, geradeaus. Wird rasch schmaler, führt aber traumhaft schön auf dem Kamm des Zentralgebirges entlang. Immer wieder lauthals geschrien vor Glück, weil die Umgebung so schön ist.

Zwei Jahreszeiten im selben Augenblick

Links des Wegs geht es hinab nach Osten, weißer Nebel drängt die Berge hoch, schiebt sich über den Grat und löst sich im heißen Westen sofort in Nichts (Luft) auf. Unfassbar beeindruckend.

Andererseits bräuchte man für die Wanderung zwei Outfits: geht der Weg links des Grats, läuft man durch Regensturm und Matsch. Rechts vom Kamm brütet Hitze im Sonnenschein. Also sollte man eigentlich links Regenhose und -Jacke tragen, rechts dagegen Sonnenhut, T-Shirt und kurze Hosen. War irgendwie nicht gleichzeitig zu machen. Gegen drei trifft der Weg auf eine Baustelle mit Lastwagengeeigneter Zufahrt. Scheint bergab zu gehen, in die richtige Richtung. Irrweg: obwohl die Straße bald gepflastert ist, führt sie „nur“ zu einem winzigen Dorf, kein Weiterkommen, obwohl ich bis auf die untersten Felder am Rand einer tiefen Schlucht geklettert bin. In den Häusern ist keiner anzutreffen, vor einer Hütte steckt feinsäuberlich ein Paar neu aussehender Wanderstiefel auf zwei Pfählen – die werden hier doch wohl keine Bergwanderer essen?

Wassersammler

Ohne Karte, ohne Wegmarkierung warte ich ratlos. Urplötzlich steht eine Señora mit Eimer auf dem Kopf zwischen den Hütten. Bringt sie mich freundlich zurück auf den Weg über der Baustelle, den ich niemals hätte verlassen sollen. 400 Escudos (4 €) nimmt sie auch. War der Rückweg zu ihrer Hütte, sie war anscheinend Wasser holen. Irrweg hat mich sicher eine Stunde gekostet.
Atemberaubend schön geht der Weg weiter. An einem Baum auf der Wasserscheide des Grats läuft so viel Regen (von der anderen Seite) herab, dass es sich gelohnt hat, ein Stück Folie anzudengeln und das Wasser zu sammeln.

Kommt ein Trupp Bauarbeiter mit Hacken und Schaufeln den Weg hoch (die haben die Strecke in Schuss gehalten, vermute ich). – Ja, das ist der richtige Weg nach Ribeira do Penedo. Und weiterhin wunderschön. Manchmal nur schulterbreit, fast zugewachsen zwischen Büschen, an anderen Stellen anderthalb Meter breit gepflastert und mit Randsteinen versehen, führt der Weg bergauf-bergab den Grat entlang. Nur eben keine Markierungen, nirgendwo ein Wegweiser.

Links vom Grat düsterer, regensatter Wald mit verwunschen bemosten Baumstämmen und fettgrünen Agaven, rechts vom Kamm baumhohe Agavenblüten im lichter, sonnenüberfluteter Trockensteppe mit niedrigem Buschwerk. Unfassbar.


Oben vor einem Abstieg ins Tal dringen Stimmen aus einer Hütte, zwei Männer unterhalten sich lautstark beim Essen. Einer tritt aus der Tür und grüßt. Ich, auf dem unübersehbar und breit gepflasterten Weg, grüße zurück. Frage aber nicht. Fehler.

JEDEN fragen. Wirklich jeden, selbst wenn die letzte Auskunft erst wenige Minuten alt ist.

Lektion No. 23

Weil: der herrlich breite Weg führt steil bergab, im dunkelbraunen morschen Fels lagern dicke Kalkschichten, auch die Erde auf den in Terrassen fixierten Feldern leuchtet in diesem Teil des Tales hellbeige.

kalkbeige

Jahrhundertealte Terrassen aus Steinwällen ziehen sich über jedes Fitzelchen beackerbares Land, weit die Schluchten hoch. Die Pflasterstraße folgt dem Verlauf der Hänge und Schluchten kunstvoll. Die große Chinesische Mauer und die Reisterrassen von Güelin liegen assoziativ gar nicht so fern. Traumhaft.
Dann endet die aufwendig gebaute Pflasterstraße in einem Dörfchen auf einer Klippe. Geht zwar weiter auf einen (zunächst) sanft abfallenden Hügel, endet aber unten am Abhang im Nichts: die Trampelpfade sind vom Vieh, kein Weg führt ins Tal. Auf dem Geröll ausgerutscht, Knie verstaucht, Handgelenk aufgeschürft. Hoch ins Dorf zurück geklettert. Keine Menschenseele, alle Häuser versperrt. Ratlos.
Am Ende fühl ich mich verschreckt und zaghaft wie ein Hühnchen. In der Not sogar das Handy angeschmissen, mobile Daten und Karten aktiviert. Gibt sogar Netz. Aber meinen Standort kann die App nicht finden, nicht die Kapverden und Ribeira do Penedo schon gar nicht. Online war ich vielleicht drei Minuten. Aber die SMS meines Providers folgt auf dem Fuß. „Sie haben Daten im Wert von 47,50 € heruntergeladen. Wenn sie weitere Daten nutzen möchten, wählen sie die folgende Rufnummer:…“ Was tun? Guter Rat sauteuer. Verzagtheit.
Der letzte Mensch war der Abendesser, zwei Kilometer, sicher hundert Höhenmeter und anderthalb Stunden Weg zurück. Aber Alternative sehe ich keine.
Noch arbeiten die Jungs auf dem Feld (selten mich so über Menschen gefreut wie da), sind superfreundlich und hilfsbereit. Bloß: der richtige Weg ist wenige Meter weiter bergauf unscheinbar und gegen die Laufrichtung abgebogen. Drei Stunden durch den Irrweg verloren (drei Zigaretten geschenkt). Aber vor allem: inzwischen ist es 17:00h geworden, die Strecke dauert noch drei bis vier Stunden und ist auf keinen Fall im Dunkeln zu meistern, ich müsse mich wirklich beeilen (»Corre! Corre!«, und macht es mir mit Trappelschritten sogar vor). Andererseits ist der junge Mann zu einem Schwätzchen aufgelegt, will mir sein Haus und seine Felder zeigen, fragt mich wo ich herkommen etc.

Nebelklippen

Doch ich muss weiter. Nicht in die Dunkelheit zu kommen leuchtet mir, nach meinen bisherigen Erfahrungen (unmarkierter, an Klippen und Abgründen ungesicherter Weg, schwer zu deutende Abzweigungen (die Ackerwege der Bauern sind vielbenutzter als der Wanderweg), schon bei Tageslicht kaum auszumachende Strecke zwischen Büschen und Gräsern) klar ein. In einer Stunde wird es dunkel. Auf der anderen Seite des Grates, wo der Weg hinführt, herrscht Nebel und wahrscheinlich Regen. Das kleine Dorf auf der Klippe mit mehreren einladend leeren Ställen ist mehr als eine Stunde Fußweg entfernt – und in die falsche Richtung.

Und dann kommt eine zweideutige Weggabelung. Das ist mir ein Zeichen.

In eine Terrassenecke wächst dicht neben der hüfthohen Stapelmauer eine junge Bananenpalme, im beckenbreiten Zwischenraum liegt Heu oder Stroh. Das wird mein Nachtlager. Eine halbe Stunde Licht bleibt noch für ein paar Buchseiten, dann ziehe ich alles an, was ich dabeihabe (leere Mülltüte unter den Po, dicker Troyer und Regenjacke, Mütze und Kapuze, Hose in die Socken gesteckt, Sonnenhut um die Hände gewickelt, Rucksack als Rückenstütze – ausgestreckt liegen kann ich nicht, auch weil die zusätzliche (neongelbe) Regenjacke, die ich mir, Kapuze übers Gesicht, als Biwak überstülpe, nur bis zu den Knien reicht). Regennebel zieht über den steilen Berg vor mir, um den herum (hoffentlich, morgen) die richtige Strecke geht … Dann bibbere ich mich in zwölf Stunden Dunkelheit, kein Geräusch (außer dem Wind und den (wenigen) Tropfen von den Blättern der Bananenpalme), zum Glück kein Regen…

Zwischen Mitternacht und halb sieben, als das Schwarz sacht zu Grau wird, scheine ich tatsächlich geschlafen zu haben. Sobald es hell genug ist, meine Kippen aufzusammeln und nichts zu vergessen, esse ich mein letztes Stück Käse und ziehe los. Neblig, schmaler Weg, ein kaum Eselsbreiter Trampelpfad zwischen blühenden Büschen, aber es geht immer irgendwie weiter. Mehrere Klippengipfel werden entweder überstiegen oder seitlich umschifft, oft geht es zum Glück bergab, manchmal leider auch steil bergauf. Ein Bauer hinter einem Esel kommt mir entgegen, was ein Glück! Ich bin auf dem richtigen Weg, und weil der alte Mann seinen Esel ein dutzendmeterlanges Tau nachschleppen lässt, (an dem er sich auch festhält und bergauf zieht) habe ich eine Art Fahrradspur im sandigen Geröll des Weggrabens zur Orientierung.
An einer Engstelle, kaum meterbreit, fällt der Berg auf beiden Seiten fast senkrecht ab, sicher hundert Meter tief. Die Stelle ist nur wenige Schritte lang, aber es herrscht starker Seitenwind. Nichts zum Hinabsehen, gut, dass es rasch vorbei ist. Und definitiv ein Grund, diese Strecke auf keinen Fall bei Nacht zu versuchen …
An den steilsten Stellen des Pfades (die für mich zum Glück meist bergab führen), häuft sich Eselkot – die heftige Anstrengung presst den Dung aus den Tieren. – Frohgemut (auf dem richtigen Weg zu sein, scheiß auf die Eselscheiße!) geht es beschwingt durch dichten Nebel bergab. Aber Lektion 23 »JEDEN fragen!«, beherzige ich stur.

Schlängelt sich ein Weg ins Tal …

Kommt eine Gruppe Männer; kommt ein junger Bauarbeiter im Overall. Unten werde es sonnig und warm, richtig schön. Kann ich, in dicker Nebelsuppe steckend, nicht wirklich glauben.
Ist aber so. Kommen drei Schuljungen mit ihrem Opa.
Dann ist an einer Biegung plötzlich das Meer zu sehen!

Das Ziel in Reichweite, allerdings weit unten, die steilen Berghänge scheinen sich bis direkt an die Küste zu ziehen. Oft ist der Weg nur eine tiefe Rinne zwischen Steinen und Geröll, bisweilen breit und komfortabel gepflastert.

Jetzt führt er auch über die Findlinge in einem Flussbett. Und dann, das Örtchen am Talausgang ist schon zu sehen, fangen, als wären sie schon immer dort gewesen, stolz die Markierungen an: blaue und weiße Pinselstriche wie auf jedem Wanderweg in den Alpen. Zum Kotzen.
Inzwischen ist es zehn Uhr, die vier Stunden habe ich, obwohl langsam und mit zitternden Knien, gut geschafft. Kommt mir eine russische Wandergruppe entgegen (Stöcke, Turnschuhe, bauchfreies Top). Der einheimische Führer weit dahinter, cool-entspannt. Dass ich vom Pico da Cruz komme, kann er nicht glauben, guckt auf seine Uhr. Nein, das war gestern, ich habe die Nacht in den Bergen verbracht. Ja, dann, das leuchtet ihm ein. (Der alte Bauer mit dem Esel mit Abschleppseil hatte ähnlich reagiert.) Will heißen: es lag nicht nur an mir (oder meinen Irrwegen), die Strecke ist in drei Stunden einfach nicht zu schaffen.
Kommt eine Gruppe französischer Pensionäre. Keuchen schon jetzt, wenige Meter über dem Meeresspiegel. Möchte ich nicht gerne wissen, wie weit die gekommen sind.
Ribeira do Penedo, stellt sich heraus, ist das Bergdorf (mit Westler-Freaks, klar) und gar keine Stadt. Müllhalde ist das Flussbett, in das über mir ein leerer Farbeimer im hohen Bogen fliegt. Die Werferin klingt allerdings etwas verwirrt (ich kann ja auch weder portugiesisch noch kreolisch), jedenfalls gebe es im Ort keinen Laden (also keine Kippen, keine Cola). Beschwerlicher Weg durch das trockene Flussbett (wie das bei Regen gehen soll, ist mir ein Rätsel), dann letzte Pflasterstrecke, ein Fahrweg, die Straße am Meer. Wie für mich gemacht gibt es ein Straßencafé, Wasser, Cola, Kippen; Frühstück (Bratfisch mit Graupen-Mais-Bohnen-Mus, Kaffee: leckerster ever!) und, nach zwei Stunden Wartezeit, das Collectivo zurück nach Porto Novo („Port Nov“). So heißt, wie ich jetzt endlich erfragt habe, der Ort, wo die Fähre zurück nach Mindelo ablegt.

Porto Novo, Santo Antao

Dort um 14:00 eingelaufen, gelesen, Kaffee und Kuchen, um fünf die Fähre genommen.

Vor Mindelo, links der Fels in der Einfahrt
Mindelo, Sao Vicente

Um halb sieben zurück auf dem Boot. Um sieben hab ich einen Telefontermin, Paula hat für Freunde gekocht, ich will mich dazuschalten.
Findet aber nicht statt, Paula ist krank, auch die Freunde schwächeln. Weil ich schon mal im Luxushotel-Strandbar-Poolareal mit hervorragendem Wifi bin, telefoniere ich lange mit Axel und arbeite meine E-Mails ab. (Heute ist der Blog über den schrecklichen Sonntagabend mit Gawain vorprogrammiert online gegangen).
Auf dem Boot haben Marlene, Alba, Gustave und André mit dem Abendessen gewartet, die Guten, und sogar einen Kuchen mit einem Topping aus Zitronencreme (lemon turd) und kandierten Nüssen gebacken: es ist mein Geburtstag. Ausklang mit Grock (Zuckerrohrschnaps) und Livemusik im Pub. Ich muss mich leider früh zurückziehen. Und schlafen.

Fazit: Unverzeihlich leichtsinnig und selbstüberschätzend mangelhaft vorbereiteter Ausflug. Konnte die Hexe nichts für. Und zugleich die wildeste (und schlimmste und vielleicht schönste) Wanderung meines Lebens. Hexenweg heißt der Weg (für mich) nach dem Tal: Unten am Hostal (und dem Wartepunkt für das Aluguer) ist eine riesige Hexe samt Kopftuch und Besen an die Wand gemalt.

Auf dem Pickup nach San Pedro: André, Gustave, Marlene, Alba, komischer Typ

Heute kurz zum turtle beach (San Pedro), halbe Stunde Pickup-Fahrt. Aber Marlene, Tauchlehrerin, lehnt es ab, zu unterstützen, dass Tiere (die Schildkröten) angefüttert werden (um Fotomotive für Touristen abzugeben) und dadurch vergessen, sich naturgemäß zu ernähren. Also nur Strandspaziergang und Schattenbaden.

Turtle beach

Und pünktlich zum Karnevalsausklang (Gustave hat erfahren, dass heute ein Sarg durch Stadt getragen und im Meer versenkt wird – de Nubbel is et all schuld!) zurück in der Stadt. Und diesen Blog geschrieben.

Morgen oder übermorgen geht es (wieder mal!) los, see you on the other side. Drei Wochen (mindestens) Pause. Vergesst mich nicht.

26. Kanaren (aber nur mit der Fähre)

Die Sonne geht hinter Fuerteventura unter, Delfine springen um den Bug der Fähre, in der Ferne blasen Wale, dahinter landet ein Flieger nach dem anderen (dazwischen starten welche, beinahe im Minutentakt). Und dann geht auf der anderen Seite auch noch tiefrot der Mond auf – Ferienende auf den Kanaren. Ich bin auf der Rückfahrt nach Cádiz, der Abschied von Paula war schwer, ist vielleicht für länger … Wir haben fünf Wochen zusammen gehabt, drei davon wunderschön. Nur auf die Kanaran zu segeln haben wir nicht geschafft.

Der Vormittag nach Sylvester kam schwer in die Gänge. Aaron ließ sich erst am Nachmittag blicken. Die Disko, in der wir am Ende gelandet sind, war um zwei, als wir ankamen noch so gut wie leer. Erst ab halb vier ging der Betrieb los, aber da sind wir dann auch schon weg. Aaron hatte ich in der Dusche angesprochen, sein Boot FORWARD UNTO DAWN (nach einem Raumschiff aus dem Ego-Shooter Halo) lag genau neben der LISBETH. Er hatte nichts vor, aber eine Flasche Portwein offen. Die haben wir uns beim Abendessen geteilt, den Rest hat er mitgenommen in die Stadt. Traubenessen auf der Plaza del Ayuntamiento war nicht – die Glocken schlugen die Stunde nicht. Scheint eine Ausnahme gewesen zu sein, weil die Einheimischen ebenfalls fassungslos waren. Dann hat Paula Sherry spendiert, in einer Musikbar haben sich drei junge Lissabonner um Zigaretten anschnorren lassen, mit denen sind wir weitergezogen (ich kam später, hab mich zum zweiten Mal verlaufen), aber am Ende konnten sie sich nicht auf die richtige Disko einigen und sind wieder abgezogen.
An Neujahr Paellaessen am Stadtstrand im Süden von Cádiz und langer Strandspaziergang in die Stadt. Auch der zweite Januar ist Feiertag in Spanien, alles geschlossen. Museum mit den Ausgrabungen (Römervilla am Kap Trafalgar, ägyptisch anmutenden Sarkophage, Vorzeitfunde) war aber offen. Treffen am Markt (ich hab mich verlaufen) und Mittagessen am Marktrestaurant. Dienstag früh bei Mariluz (Nautica Benítez, direkt am Kai des Puerto américa) das Bimini noch einmal gecheckt (ist vorrätig) und Taxi zur Fähre (und Churros con chocolate zum zweiten Frühstück).

Das Meer ist wirklich weit zwischen Cádiz und den Kanaren. Einen Nachmittag, eine Nacht und einen Tag und noch eine halbe Nacht. Im Winter fahren die Fähre nicht direkt zu den Inseln, es verkehrt nur eine und landet auf Lanzarote (Arrecife), Fuerteventuras (Rosario), Gran Canaria (Las Palmas) und fährt dann weiter nach Teneriffa. Jedesmal mit Autoausparken und von der Rampe fahren. Ankunft um halb vier Uhr morgens, wir haben tatsächlich vorher ein wenig geschlafen. Pepe und Sophia sind Goldschätze und wohnen in einem Architektentraum von Haus. Aber erstmal haben wir ausgeschlafen bis zehn.

Wer im Neujahrskranz („roscón“) das Püppchen findet, darf die Krone tragen

Fünfter und sechster Januar waren meine Tage in Las Palmas, aber am Donnerstag hatten viele Geschäfte (auch die Ferreterías) puente, also geschlossen. Und an Reyes (magos) hat eh alles zu. Im Einkaufszentrum Las Terrazas haben wir Marlene (und ihren Vater Mark) getroffen. Vielleicht fährt sie mit über den Atlantik. Ist jedenfalls so geplant. Nachmittags um drei feistes Mittagessen im Lupé, ganz wunderfein. Pulpo auf Kartoffelbrei (ich), Ceviche (Paula), Turm aus Auberginen, Tomaten, Ziegenkäse und karamellisierten Zwiebeln (Sophia), Tortilla (Pepe), fruchtiger junger Weißwein: alles köstlich. Licht und Klima auf den Inseln sind göttlich. Müsste man glücklich sein, dort zu leben. Am Donnerstag Juan (und Vincent) getroffen. Juan weiß alles und mehr und wird Paula dabei unterstützen, ein Angebot für ein Bimini nach Maß einzuholen (Danke, Paula!). Für die Karibik: Martinique muss toll sein (sagt auch Vincent, Franzose, klar). Außerdem die BVI (die Britischen Jungferninseln, auf denen Qazqrom teilweise spielt). Sind aber weit nördlich und ziemlich ab vom Schuss für mich. Aber wer weiß? Außerdem vorgeführt: Sicherheitsausrüstung, u.a. Knoten in der Safety line (zum wieder an Bord klettern), Notfallsender in der Hosentasche und an der Schwimmweste, Funkgerät im Grab-bag [Notfalltäschchen, das man sich greift, wenn man in die Rettungsinsel AUFsteigt]. Redet gern und viel (und nicht alles, was er an Erfahrungen erzählt hat er tatsächlich auch selbst gemacht). Juans Rennyacht liegt im Real Club Nautico von Las Palmas, eher exklusiv, eher schwer, dort einen Platz zu kriegen. Aber Restaurant schick und Siegerliste im Treppenhaus beeindruckend.

Heute früh zurück in den unübersichtlich riesigen Hafen, Fähre liegt dort schon, aber einsteigen muss man im Hafenbüro, fünf Fahrminuten entfernt. WahWah (Oah-Oah?) heißt der Bus, Camarote die Kabine und papas arrugadas die (runzligen, in Salzwasser gekochten) Kartoffeln (mit mojo: grün, rot oder tieforange scharfe Kräutersoße) der Inseln. Essen auf der Fähre gut. Kabine klein (und ohne Fenster: Innenkabine), aber pflegeleicht-schick und hell ausgeleuchtet. Meer ruhig, Sonnendeck windig (das Ding macht bis zu 20 kn (!!)). 

Aaron auf der FORWARD UNTO DAWN (???)

Am Herweg, 03.01., 16:49h hätte ich geschworen, die FORWARD UNTO DAWN gesehen zu haben, aber zu weit weg für Fotos. Allerdings schienen die Pixel dort, wo unter den weißen Segeln der Rumpf sein müsste, türkisblau zu sein – falls ich Aaron nochmal treffe, checke ich das, ob sie unsere Fähre vorbeifahren sehen haben.

Der Stadtstrand von Las Palmas ist grausig. Wunderschön, aber die Promenade ist fest in der Hand von urlaubsentschlossenen Touristen, kurzbehost und kaum bekleidet von Jungfreak bis Altpauschal. Klar sind alle Hinweisschilder und Speisekarten auch auf Deutsch. Muss man mögen.

Pepe, Sofia, Unbekannter, Paula

Am Sonntag (08.01.) begann die Rückfahrt ruhig, glatte See. Traumhafter Sonnenuntergang, scheine ich mich nie dran sattsehen zu können. Dann dunkle Wolken, lange alte Dünung, dann Seegang und die Fähre (nicht riesig, aber ganz und gar nicht klein) fängt an zu rollen. Muss man mögen bzw. aushalten. Um acht plötzlich Lichter im Osten: die marokkanische Küste ist nur wenig über 20 nm entfernt (sagt Navionics). Dann auch noch Regen.
Drei warme Mahlzeiten sind fast wie Kreuzfahrt. Außer Lesen nichts zu tun: Louise Erdrich: Der Nachtwächter. Groß. Nicht erhaben, sondern saftig und anschaulich. Und brutal, nicht in den Beschreibungen, sondern in Andeutungen, bei denen die eigene Phantasie die schrecklichen Details beisteuern muss. Kommt stilistisch einfach daher (…, sagte P. – …, sagte T. – … sagte V. – …), aber die göttlichen, erdnahen Dialoge reißen es mehr als raus. Und die First-nation-Leute nennen sich einfach Indianer. Hunde sprechen, Pferde haben Sex (sind aber danach voneinander genervt), Geistererscheinungen und Eingebungen bahnen die Wendepunkte in der Handlung an, Körpererfahrungen sind deftig und anschaulich und schön. Indianer zerfließen im Schlaf, ihr Bewusstsein zieht sich auch in Tagträumen schrittweise zurück. Stark. Dass eine 18-(??)jährige in Geschlechterdingen so unbedarft sein soll wie Pixie (Pardon: Patrice) klingt unwahrscheinlich (zumal das Chipewah (zwar keine Wörter für Hass aber) jede Menge Begriffe für sexuelle Aktivitäten kennt); dass ihre Kurzsichtigkeit niemandem aufgefallen sein soll (wo sie doch zu allem anderen (Holzhacken!) auch noch eine überragende Gewehrschützin sein soll), verwundert. Aber Pulitzerpreis, und zwar hoch verdient. Und die Geschichte der Terminierung, der Zwangsanpassung und Enteignung und Auflösung der Stämme gehörte wirklich schon längst erzählt (zumal der unsägliche letzte US-Präsident damit wieder anfangen wollte). Kommt in die Bordbibliothek. Noch elf Stunden bis zur geplanten Ankunft [ETA]. Besser Schlafen versuchen. Ab Übermorgen könnte der Atlantik dransein.

Montagmorgen (09.01.) um halb sieben (kanarische Zeit) weckt uns die Stimme aus der Borddurchsage: Wir nähern uns dem Hafen von Cádiz. Die BESS ist an ihrem Liegeplatz zu ahnen, alles gut, fast schon wehmütige Gefühle dem Boot gegenüber.

LIZZY: Bildmitte links mit rotem Ball am Heck

Die kleine Dicke (gordita), die mit ihrer schüchtern-dreist-anspruchsvollen Hilfslosigkeit schon verschiedene Passagiere während der Fahrt genervt hat, ist nicht nur gehbehindert, sondern hat auch ihre komplette Aussteuer dabei (oder einen Umzug vor), als die Fußpassagiere auf das Lieferwagen-Taxi (furgoneta) warten, das uns drei Minuten aus der Fähre zum Reedereibüro bringt.
Langer Weg den Hafen entlang zur Marina.
In der Nautica Benítez nur kurz vorbeischauen wollen, um zu sagen, dass ich am folgenden Tag bestellen will. Aber Doña Marieluz ruft sofort dort an, klärt meine letzten Fragen und hat bereits einen Liefertermin: Wenn ich noch am Nachmittag bestelle, sollte das Bimini am Donnerstag hier sein. Verführerisches Angebot. Kurzes Telefonat mit Paula, die inzwischen in Las Palmas bei Alisios ein Angebot für eine nach Maß gemachte Bimini angefragt hat. Dann bestellt.
Bei Nacex an der Plaza Mentidero liegt mein Paket mit Höhlenkletterleiter, Seilbremse und Sicherheitsschlinge abholbereit. Einmal Pass zeigen und eine elektronische Unterschrift und es ist meins. (Danke, Paula, die mit Alicante telefoniert und Franzisco bequatscht hat, damit das alles reibungslos läuft.)
Pizza in der allerletzten Touristenbude an der Plaza de Flores. War entsprechend lahm. Aber ich scheine doch mehr übernächtigt zu sein, als ich glaubte. An diesem langen Tag besser keine Entscheidungen mehr treffen. Segel (Gennaker) ausgebreitet (zu trocknen versucht): Gerissen ist nicht der uralte Stoff, sondern die Flickstellen. Nicht gut; die Segelmacher in Marbella, die Colin aus Almerimar drangesetzt hat, haben zu schwaches Tuch verwendet. Will ich selbst besser machen.

Abends kommt der Kostenvoranschlag aus Las Palmas durch: ein maßgemachtes Bimini würde „nur“ neunhundert mehr kosten als die bestellte von der Stange, Einbau schon inbegriffen. Echt faires Angebot der Alisios-Leute. Plus Zusage, das Teil ab Aufmaß innerhalb von 15 Tagen (approximamente) fertig einzubauen. Schwere Entscheidung.
Heute früh getroffen: Ich nehme das Fertigteil von hier, will es auch gleich hier einzubauen versuchen, Marieluz ist im Wort, mir mit allen evtl. benötigten Zusatzteilen zu helfen. Im Übrigen bin ich der Überzeugung, Oceansouth gehört aus dem Verkehr gezogen.

Cádiz, Cádiz, immer nur Cádiz

Gestern (11.01.) und vorgestern jeweils zwei Mal im Mast gewesen. Die Höhlenforscher-Strickleiter von Juan (VAGABONDO) funktioniert super. Ist aber trotzdem immer eine Schisser-Angelegenheit. Auf dem Weg nach oben bin ich an einer Seilklemme (aus dem Klettereibedarfsladen in Alicante) gesichert. In der hänge ich auch (Klettergurt) während der Arbeit. Aber der Rückweg bleibt ungesichert, die Seilklemme funktioniert nur in eine Richtung (aufwärts). Dampfer- und Deckslicht sind in etwa vier Meter Höhe (von unten gesehen: keine große Sache) unterhalb der Saling angebracht. Die Abdeckung der Decksbeleuchtung lässt sich abnehmen. Strom kommt an (1. Aufstieg), aber nicht, wenn das Lämpchen in der Fassung steckt. Dampferlicht (Vorschrift, wenn man unter (Segeln und) Motor fährt) lässt sich nicht aufschrauben (2. Aufstieg). Schuurd hat ein Ersatzteil besorgt, ich bei Marieluz die Lämpchen dafür. Die Schaltung verstehe ich zwar nicht, aber am Boden (Schalttafel) funktionieren beide Lichter, wenn sie jeweils gegen Masse gesteckt werden. Die alte Armatur ist mit Blindnieten befestigt. Müssen aufgebohrt werden. Ziemlich kipplige Sache, vor allem, wenn (wie bei mir) der Bohrer drei Mal blockiert und stecken bleibt und nur unter heftiger Sorge (wenn er abbricht, ist die ganze Reparatur gefährdet) wieder herauszuwuchten ist (3. Aufstieg). Als Anschluss kommt ein handelsübliches 220V-Kabel mit drei Litzen aus dem Mast: blau, braun, grün/gelb. Blau ist mit weiß an der Armatur verbunden, scheint Masse zu sein. Also müssten die anderen beiden geschaltet sein. Klemme ich so an (4. Aufstieg). Nichts funktioniert. Das war der Vollfrust gestern Abend. Musste ein Glas Whiskey dämpfen.
Ebenfalls gestern: Bei Marieluz habe ich eine Segelmacherei angefragt, um Stoff für die Reparatur des Gennakers zu besorgen. Paco ist schwer beschäftigt, will sich aber Fotos des kaputten Segels angucken und dann reden. Kam gestern und holte das Segel ab. Soll bis Freitag, spätestens Montag, fertig sein.

Mitfahrgelegenheit gesucht

Beim Warten vor Marieluz‘ Laden (Nautico Benítez) einen Anschlagszettel antelefoniert. Gawain ist Deutscher, will auf die Kanaren, ist zurzeit in Tarifa. Long story short: Er kommt morgen, Freitag (13.01.), damit wir uns beschnuppern können. Und gestern Nacht hat auch noch Lioba geschrieben, dass Lukas, ein Freund von ihr, gerade in Alicante ist und ebenfalls Lust hätte, nach Lanzarote mitzusegeln. Wenn alles klappt, wird es langsam voll auf der LILIBETH.
Heute früh (Do., 12.01.) in der Stadt, süßes Frühstückscafé gefunden. Hafermilch und Käse und auf dem Markt Obst und Gemüse gekauft. Jetzt muss ich leider wieder in den Mast.
PS Selbstverständlich herrscht zum Hohn die ganze Woche über eitel Sonnenschein und NordNordWest-Wind: – wäre geradezu ideal für die Überfahrt auf die Kanaren.

Kai: schwarz vor Menschen

Samstag, 14.01. Riesenauftrieb im Hafen, schon am Vorabend tuckert eine Yacht nach der anderen herein. Die ELCANO (Juan Sebastian de Elcano), Viermaster, das Segelschulschiff der spanischen Marine wird am Samstag Mittag auslaufen und alle sind geschmückt und ausstaffiert (es gibt spanische Flaggen in der Größe von Squash-Feldern!) und wollen sie begleiten auf ihrem kurzen Trip nach Rota hinüber.

Ein Feuerlöschboot sprüht Fontänen und der Kai ist schwarz vor Schaulustigen. Ganz großes Kino: draußen vor dem Hafen ziehen sie sogar die Segel hoch (alle vier Masten, drei Vorsegel), obwohl sie höchstens eine Stunde unterwegs sein werden. Echte Seemannschaft.

Die ELCANO (Juan Sebastian de Elcano)


Donnerstag nachmittag kam das Bimini-Paket, wie versprochen. Leichte Abnutzungen an einer Lagerfalte, sonst guter Eindruck: stabile Inox-Rohre. Freitag war es installiert – zumindest provisorisch: sitzt viel zu hoch und wirkt blockig. Unzufrieden. Samstag kommt Gawain, supersympathisch und der angekündigte Sonnyboy. Quatschen. Samstag abend will er noch im Hostel verbringen, wo er sich mit dem Personal angefreundet hat. Außerdem ist er total übernächtigt, weil er am Vorabend lange gefeiert hat. Aber zuversichtlich. Gleich (So., 15.01.) bringt er Brötchen zum Frühstück und steigt tatsächlich ein. Mal sehen. Gestern abend zum letzten Mal im Franzisco Uno. Eher enttäuschend.

Gestern die Bimini tiefer gesetzt, sechs Mal 25mm Edelstahlrohre gesägt. Jetzt sitzt sie besser, ist auch leicht aus- und einzufahren. Fehlen nur noch die Sicherungsstifte zwischen Stützen und Strebebogen. Die waren gestern nicht mehr einzuhämmern, scheint schwieriger als gedacht.

Gawain ist der rechts


Hat mir heute (16.01) Gawain dabei geholfen. Zu zweit kein Problem. Einkaufen gewesen. Sicherheitseinweisung. Abendessen gekocht. Morgen soll es losgehen.

25. (Zurück) nach Cádiz

Frohes, glückliches, gutes Neues Jahr wünschen P. & U.
Zum Estrecho ((Meer-)Enge=Straße von Gibraltar)

Fr., 16.12., Motril. Mittags Salonbilge ausgeschöpft (3 ¾ Eimer, ca. 15l) und zum Fischereihafen (Deposito) gefahren (Fahrrad, gibt’s bei der Marina umsonst, weil sie ziemlich außerhalb liegt, halbe Fahrradstunde, teilweise bergauf. Außerdem macht der nähergelegene Zugang zum Hafengelände abends zu und man ist auf einen ziemlich entfernten Zugang angewiesen, der immer geöffnet ist – allerdings muss man sich kontrollieren lassen. Wenn jemand (mit P.) spätabends einfach um die Schranke herumfährt, wird der Wachhabende ungehalten. Doch das war später); das Ölentsorgungsdepot steht auf rot, kurz vor dem Überlaufen; zum Glück ist niemand in der Nähe, ein paar Eimer passen noch rein. Abends um sechs herrscht allerdings Hochauftrieb im Hafen: Brüder und Väter erwarten die einlaufenden Fischerboote (von denen noch nichts zu sehen ist). Für einen alten Mann, der seinen Eimer auf dem Fahrrad balanciert und Öl in die Auffangwanne um das Depot schüttet, haben sie kein Interesse.

Abends Städtchen, Buchladen, Waschsalon, Abendessen im Meson Medina; Tapas vom Feinsten, der Kellner erklärt, welcher Fisch der Beste sei. (Warum brauchen die Spanier keine Speisekarten? Weil ohnehin jeder nachfragt, welcher Fisch gerade reingekommen ist, wie er so ist, und was er so kostet. Ohne Palaver geht es nicht ab.)

Am Samstag (17.12) ist wieder Diesel in Motor- und Salonbilge. Nachgelaufen (weil Diesel ziemlich ölig und zähflüssig ist)? Eher nicht. Für Sonntag ist endlich Ostwind (also Rückenwind) angesagt, Abfahrt 08:50 aus Motril. Nach einer guten Stunde fetzt der frische, bei Vorwindkurs gern unterschätzte Rückenwind den frisch reparierten Gennaker weg. Auf den ersten Blick ziemlich direkt neben/unterhalb der Reparaturstelle. Das Segel war eben a) nur für Leichtwind geeignet und b) alt und mürbe. Ob ich es selbst noch einmal zu nähen versuchen soll? steht mit großem Fragezeichen im Logbuch. Mit Wind platt von hinten stehen Vor- und Groß Schmetterling, sieht sicher super aus, ist aber bei seitlichem Seegang eine ziemlich kipplige Fahrt.

Beispielfoto: Schmetterling

Zwischendurch Anruf von Melli, Schwester einer Freundin von Lioba, die evtl. von den Kanaren aus in die Karibik mitsegeln möchte. Super. Als die Sonne sich zum Sinken neigt, ist Malaga noch immer etliche Stunden entfernt. Wir biegen ab nach Caleta de Velez und fahren dort noch bei vollem Tageslicht ein. Über Funk (in der Halbzeit des Endspiels, das wir über Radio verfolgen*) hat sich in der Marina niemand gemeldet, die Telefonnummer stimmt nicht mehr, der Warteponton (Muelle de espera) ist schon von einem Katamaran überbreit mehr als belegt. Kurven wir durch Hafen, fassen einen unbenutzt aussehenden Liegeplatz ins Auge, parken rückwärts ein (so dicht, dass man auf den Kai absteigen kann, so viel Abstand, dass das Ruder der Selbststeueranlage nicht anstößt – nicht viel mehr als einen Viertelmeter Spiel). Aber Paula fängt die Poller für die Achterleinen wie ein Profi, ich kann die sumpfigen Muringleinen aus dem Wasser und zum Bug ziehen und dort belegen. Fest in Caleta de Velez um viertel vor sechs. Dann, gerade, als alle schmutzige Arbeit erledigt ist, kommt auch der Marinero an. Der Liegeplatz ist zwar eigentlich nur für Boote bis zwofuffzich Breite, aber für eine Nacht lässt er uns gnädigerweise dort liegen.
Nachbar im Wohnmobil erzählt mir sein Leben als Preis dafür, dass ich ihn um eine Kippe anschnorren will.
Abends Siegerehrung in Qatar. Wer das Spiel gesehen hat, hält es für das beste Endspiel aller Zeiten. Muss ich irgendwann auf Youtube nach-schauen.
Montag Vormittag Einkaufen, Bäcker, Konditorei, Ersatzpullover, persönlich empfohlenes Olivenöl vom Mini-Supermarkt (mit einer Spanierin in der Crew wird jeder Einkauf, jede Restaurantmahlzeit, jeder Besuch im Hafenbüro zum Event (bzw. Palaver): Ob sie sein Olivenöl (aus einem Bergdorf ganz in der Nähe, klar) probieren würde? – Claro que sí. – Lässt er Paula den Zeigefinger (Kuppe nach oben) ausstrecken, über einem Stück Küchentuch, dass er zuvor auf den Schiebetresen an der Kasse gebreitet hat, träufelt ein paar Tropfen Öl auf den Finger und fordert mit zwei Handbewegungen dazu auf, zu riechen und zu schmecken (und – mit einem erwartungsvollen Hhm?– zu loben). Bestes Olivenöl ever, selbstverständlich.)

(* FUSSNOTE: Fußballübertragungen im Radio (Gab es viele zur Zeit der Weltmeisterschaft) sind in Spanien eine Operette für sich. DREI Sprecher(Innen) teilen sich den Äther. Einer kommentiert aufgeregt die Spielzüge, Tore werden minutenlang ausgeSUNGEN: GOL! GOL! GOL! In allen Tonlagen der Begeisterung. Golgolgolgolgol auf höchster Stufe. Golgolgol mit Variationen. Goooool mit steigender Intonation (macht natürlich der aufgeregte Spielkommentator.) Zweite Rolle: vorsichtig Zweifelnder (»Könnte nicht auch …?«, »Man muss auch bedenken, dass …« mitteldünne Sprechstimme (diese Rolle wurde bei einer Übertragung auch von einer Frau übernommen). Dritte Rolle: Tiefer, rauchiger Bass – ewige Wahrheiten und Weisheiten, im Brustton der selbstverständlichen Überzeugung vorgetragen. Beim Endspiel überschlugen sich alle drei vor schierer Begeisterung, der aufgeregte Kommentator kriegte sich kaum noch ein. Am nächsten Tag zwei volle Seiten Tageszeitung (El Pais, kein Sportblatt): Messi und das Endspiel. Kommentarspalte dazu: Das beste und bewegendste und spannendste Endspiel aller Zeiten, ohne jeden Zweifel.)

In Adra

Stichwort Marinabüro: kommt der Marinero und fragt ganz defensiv, ob wir dort noch kurz vorbeischauen könnten … Kann nichts Großes sein, wir haben bereits bezahlt, die Abrechnung kam per Mail, alles geregelt.
Klarer Fall von Denkste: Das Marinabüro von Adra hat die hiesigen Kollegen kontaktiert (Suchmeldung? Eingabe in einer zentralen Datenbank? Wird nach uns an der gesamten Südküste gefahndet?) dass a) wir einen Stromadapter nicht abgegeben hätten (wir hatten gar keinen geliehen) und b) bei der Abrechnung ein Fehler passiert ist: statt € 77 sind nur 77 Cents abgebucht worden, sie können das mit der Quittung belegen. Lege ich die Karte hin und zahle den Rest.
Schwerer Fehler, denn die Spanierin an meine Seite hatte mir ausdrücklich verboten, noch IRGENDetwas zusätzlich bezahlen. Und jetzt behält sie natürlich recht: Wenn die in Adra, denen wir eine Nacht geschenkt (zuviel bezahlt) haben, uns jetzt Schwierigkeiten machen wollen, dann rechnen wir die Nacht gegen und wollen das Geld dafür zurück. Kann der Hafenmeister in Caleta de Velez nicht machen. Soll P. eine Mail schreiben. Eben hatte sie es noch eilig, loszufahren, jetzt lässt sie sich von niemand, schon gar nicht vom Skipper, davon abhalten, die Beschwerde- bzw. Rückforderungsmail rauszuhauen.

In Adra hatte nämlich, nachdem wir morgens den Mietwagen zurückgegeben hatten (in El Ejido, halbe Stunde Busfahrt) und zurück in den Hafen kamen, das gesamte Büropersonal Fortbildung (u.a. Feuerlöschübung), es regnete in Strömen (und suppte in das nagelneue brutalmoderne Sichtbetonbüro), beide Marineros wollten rauchen (aus der Tür, Vordach gibt es nicht im Betonkubusmodernismus), der jüngere (unerfahrenere) musste in den sauren Apfel beißen und uns ausbuchen. Tat sich mit der Anzahl der abzurechnenden Nächte und der zugehörigen Addition etwas schwer. Und tippte eben auch falsch in das elektronische Abbuchungsgerät. – Jetzt, Paula kocht vor Ärger und tippt – selbstverständlich findet sie zwischen zwei Beschwerden auch noch Zeit, den hiesigen Hafenmeister zum Reden zu bringen, er erzählt von den Sorgen des Adra-Hafenmeisters, auch von seinen eigenen Sorgen, auch von seiner Zeit in Deutschland (man spricht deutsch) etc. pp. – kommt der Anruf des (überarbeiteten: Personalmangel!) Hafenmeisters aus Adra, er entschuldigt sich, es sei ihr Fehler (bzw. der des Marineros) gewesen, und will die Sache auf jeden Fall aus der Welt schaffen. Und plötzlich ist es relativ einfach möglich, meine Nachzahlung rückgängig zu machen und eine Zahlung des (um eine Nacht) verminderten Fehlbetrags auf den Weg zu schicken.
Drei Uhr legen wir ab, wollen noch tanken, (Montags geschlossen! Aber Montagnachmittag kommt doch einer!), sind um 16:00 endgültig auf dem Weg Richtung Malaga, wollen den endlich wehenden Ostwind zu nutzen, so gut es geht.

Meuterei hat ein Gesicht: weiblich

Geht aber leider gar nicht. Draußen vor dem Hafen und weiter draußen vor irgendwelchen Fischreusen weht kein Lüftchen. Eine halbe Stunde hält die Crew das aus. Dann Meuterei. Durch die Nacht segeln wollten wir ohnehin. Aber die Nacht durch auf der Stelle stehen? No way. Segel runter, Selbststeueranlage abbauen: wir motoren.

Abbauen. Hier: Ruder der Hydrovane („Georgie“)

Unter Motor muss die ELLI die gesamte Zeit von Hand gesteuert werden. Wir fahren zwei-Stunden-Wachen. Paula hat von sechs bis acht, ich mache von acht bis zehn und von zwölf bis fünf, Paula bis halb acht, ich den Morgen. Tierisch anstrengend, obwohl es eine sternklare, schöne Nacht ist. Wenn wir vor neun in Gibraltar sind, steht die Strömung gegenan. Also drosseln wir für die letzten drei Stunden. Insgesamt wird der Motor bis in die Marina Alcaidesa von La Linea de la Conception 21,5 Stunden klaglos gelaufen sein, wir haben unzählige Frachter, Tanker, Kreuzfahrtschiffe gesehen. Und Delfine. Auch grünlich leuchtend.

The Rock

In La Linea steht Programm an: Einkäufe, Besorgungen, Gibraltar: Fußgängerzone Uhren- und Schmuckparadies. Was der Engländer halt so kauft, wenn er in Urlaub ist.

Paula und zwei Affen
Drei Affen

Seilbahn zum Affenfelsen. Der erste Pavian wartet gelangweilt direkt an der Ausstiegsstelle auf die Gondeln. Der winzige Bereich am Bergkamm, von dem aus man auf das Mittelmeer schauen kann, ist sehr eng abgezäunt. Mauerreste von militärischen Ausgucksgebäuden. Ein Pavianpärchen posiert. Erst laust sie ihn „liebevoll“ würde man menschelnd sagen. Dann begattet er sie, das Vorspiel sind zwei Klapse auf den Rücken, sie hebt den Hintern, er steigt auf, stößt kurz zu, nach fünf Sekunden (nicht untertrieben!) stöhnt er auf und alles ist vorbei. Er stolziert weg, rekelt sich in der Sonne, ihr läuft der Saft aus seinen extradicken Klöten aus dem Hinterteil. »Like they do it on Discovery Channel«. Irgendwie frustrierend und schockierend, wie unsere zweitnächsten Verwandten so gar nichts Charmantes an sich haben. Dann wieder typisch menschliche Gebärden: Sie puhlt sich am Hintern, schnüffelt am Finger, was sie gefunden hat, schüttelt leicht den Kopf und reibt das Zeug an den Mauerrest, auf dem sie sitzt.

Rückweg noch einmal durch die Fußgängerzone. Paula ersteht eine grüne Armbanduhr beim Araber und eine Silberkette beim Inder. Abends gibt es Superschinken (»pata negra«) in einer Stehkneipe in La Linea.

Nächster Morgen Aufbruch. Slawomir und Adriana fragen am Hafenmeisterbüro (wo wir anlegen müssen, um auszuchecken) nach einer Mitfahrgelegenheit für ihre Freundin Lina. Die habe jetzt so oft und lange (mehrere Wochen) Gelegenheiten für ihre Bekannten gesucht und selbst keine gefunden … Schneller Vorlauf: Inzwischen bin ich in Kontakt mit Lena. Wenn alles klappt fährt sie von Cádiz aus mit auf die Kanaren.)

Aus der Bucht raus laufen wir schon unter Segeln, bei leichtem Wind. Der einschläft, als wir mitten in der Einfahrt stehen. Das Boot reagiert nicht aufs Ruder, wir drehen uns unkontrolliert. Ob es Strömung gibt? Also Motor wieder an. Draußen frischt der Wind auf. Dabei zeigt der Windmesser (frisch repariert für 220€ (Platine)+70€ (Marco)) nur vier kn Wind: – kaum ein leichtes Lüftchen. Uns dagegen pfeift der Gegenwind um die Ohren: der Windmesser (Anemometer) spinnt ganz offensichtlich. Tatsächlich legt es uns ziemlich auf die Backe bei der Überfahrt nach Ceuta. Sicher Bf 6 bis 7.

Quer über die Straße: Rauschefahrt nach Ceuta

Als wir dort anlegen, erzählt uns der Marinero, dass die Leute von einem anderen Boot, das eine Stunde vor uns ankam, auch geklagt hätten über den heftigen Wind. Dabei ging es uns eigentlich ganz gut damit. Und rumgeheult haben wir auch nicht.

Abbauen. Hier: Skipper tucht auf (Beispielfoto)

Paulas Lieblingswitz:
Nach einer heftigen Segelpartie dreht eine Yacht unter Motor in den Hafen ein, nutzt das größte, leere, in Windrichtung liegende Becken, um die Segel einzuziehen. Kommt ein Polizeiauto vorbeigefahren, kehrt um, ein Polizist steigt aus, winkt und wedelt heftig gestikulierend mit den Armen.

»Da drüben ist die Polizei.«

Steuerfrau

»Die meinen nicht uns.«

Skipper (hängt über dem Großbaum und tucht auf)

»Die winken aber zu uns rüber«.

Steuerfrau

»Lass mich hier arbeiten!«

Skipper

»Ese velero, ese velero!« („Das Segelschiff da!“)

Polizeiauto (über Megaphon)

Und dann rast auch noch ein Lotsenboot mit Karacho auf uns zu: Wir müssen ins andere Hafenbecken, wo die Marina ist. Und zwar schleunigst.
(Wollten wir eh, nur in Ruhe die Segel einholen. Fanden die nicht gut.)

Die Überfahrt war nicht ganz einfach. Zwar hatte der Skipper Strömung und Kurs bestimmt, aber nicht mit derart starkem Wind gerechnet. Mitten auf der Straße (von Gibraltar) fällt ihm auf, dass sie auf dem geplanten Kurs den Hafen von Ceuta verpassen werden (und damit ein Landfall erst Stunden später möglich sein wird – östlich von Ceuta kommt erst einmal Wasser). Der Skipper versucht, Ruhe zu bewahren und spricht gelassen:

»Wir sind in Schwierigkeiten.«

Skipper (betont ruhig)

»Wüsste nicht, welche!«

Steuerfrau (überschwänglich, achselzuckend)

Hat echt Vertrauen in ihren Skipper, diese Paula. Irgendwie ließ sich dann doch ein Kurs noch höher am Wind anlegen, eine halbe Stunde lang musste auch der Motor zusätzlich aushelfen, aber irgendwie schafften wir es in den Hafen.

Porras: dicke Churros

Am Vorvorabend von Heiligabend gibt es Churros und Chocolate fast direkt am Anleger, an der Hafenpromenade. In der Stadt ist der Bär los. Ein Feinkostladen (Besitzer sind zwei fesche Jungmänner) präsentiert exquisite Köstlichkeiten und schenkt auch davon aus. Auf der Einkaufsstraße lärmt eine Blaskapelle, bollert der Weihnachtsmann persönlich freundlich winkend seinen Elektrowagen-Schlitten mit vorgeheißten Rentieren durch die Menge, führen identisch hergemachte Eleven einer Flamencoschule (Haare streng nach hinten in einen Dutt gefasst, blutroter Lippenstift, Augen auf schwarzes Loch geschminkt) stolz, vorgereckten Kinns, souverän und absolut synchron ihre Kunst auf (und im zweiten Durchgang die Tanzlehrerinnen, alle durchtrainiert, großaügig, unbeteiligt-stolz und zugleich berückend elegant).

Gestern (23.12.) die Bilge ausgeschöpft (wie immer nach heftigem Seegang), die Bolzen in den Decksabschlussleisten nachgezogen, zum Strand spaziert (fünf Minuten Weg, auf der anderen Seite der Innenstadt auf ihrer schmalen Halbinsel), Bier in Freiluftbar genommen: lauter aufgebretzelt-animierte junge Leute.


Weihnachten in Afrika
Hafenmeisterschaft

Heute, Heiligabend, findet in Ceuta die Hafenbeckenmeisterschaft statt: vierhundert Meter schwimmen. Manche nehmen‘s ernst.

Fisch: nur bei Lucas

Wir haben viel telefoniert (Famillich), Guiri („Fremde“)-Fisch bei Lucas, (Albadejo, edler als Mero, aber aus derselben Familie – »bestes Fisch in Meer!«.) Strandspaziergang, Turron. Spanierinnen präsentieren an Heiligabend alles, was Beine und Brust hergeben. Aufbretzeln ist gar kein Ausdruck. (Müsste eigentlich eher Abbretzeln heißen.) Nach dem Aperitif geht man in die Disko (klärt mich die Spanierin auf).

Sonntag (1. Feiertag) erst die Küste entlang getuckert, Grenzzaun gucken. War aber nicht deutlich zu sehen. Dann zum zweiten Mal die Straße gequert, guter Wind, Sonnenschein, nicht viel Seegang: Rauschefahrt mit 6 kn. Später, Richtung Tarifa, waren sogar über 8 Knoten drin (könnte günstige Strömung dabei gewesen sein; durfte aber laut Kartenangaben zu dem Zeitpunkt gar nicht geherrscht haben). Andererseits: später am Tag, schon fast in Sicht von Barbate, ging die Strömung, die eigentlich für uns sein sollte, gegen uns. Deutlich spürbare Fahrt (durchs Wasser), aber nur anderthalb Knoten (über Grund). Irgendwie hab ich die Strömungen (wieder mal) nicht richtig gecheckt. Ist aber auch schon anderen Yachten passiert, z.B. POLAR SEAL, Ryan & Sophie sailing. Trotz allem guter Schlag, Ankunft nach 13 Stunden und fast 40 nm um Mitternacht. Marinero (über Funk nicht erreicht: zu früh den Kanal gewechselt!) ruft vom Kai – wir können uns einen Liegeplatz aussuchen.

Montag (26.12., 2. Feiertag) Juan vom Nachbarboot VAGABONDO gesprochen, mit seiner Yacht (nach schwerem Unfall: von Frachter gerammt) achtmal den Atlantik überquert, mit dem Vorgängerboot ebenfalls acht Mal. Segelt später am Tag einfach los (obwohl nach meiner Wettervorhersage der Wind gar nicht besonders günstig zu werden versprach). Beruhigt mich: auch im Februar sind die Trade winds (Passatwinde) noch stabil. Nur weil sie an Weihnachten in der Karibik sein wollen, fahren die meisten schon Ende November. Und weil die Karibiksaison halt spätestens Anfang Mai zu Ende ist: Hurrikane. Nachmittags feinen Sand am Strand gesammelt: Orca-Vorsorge. (Danke, Petra, für den Tipp!) Ausprobieren muss ich es hoffentlich niemals. Feistes Abendessen mit Mojama (gepökeltes Tunfischfilet, mindestens so gut wie Schwarzwälder Schinken) und Lagrein aus Südtirol (Danke, ihr Piepers!). Dienstag (27.12.) viel zu spät (12:30) den Schlag nach Cádiz angefangen, aber (anders als vorhergesagt) Glück mit dem Wind gehabt, fast glattes Meer, Sonne: Rauschefahrt bis an Sancti Petri vorbei, die letzten drei Stunden unter Motor. An Cádiz: 20:30. Für einen Gang in die Stadt und ein Abendessen im Franzisco Uno hat es auch noch gereicht.

Cádiz

Heute Motorbilge (wieder einmal) ausgetupft, 200ml Öl, aber hauptsächlich Diesel und Wasser. Nebenbilge (Wasser) dito, Salonbilge (zwei Eimer) dito. Die See war nicht wild genug, um einen Vergleich zu haben, aber an den hundert Schrauben durchs Deck (ein gutes Drittel davon ließen sich mindestens eine Viertelumdrehung nachziehen, zwei mehr, die meisten gar nicht) scheint es nicht zu liegen, dass die ELLI leckt. Bimini zu bestellen versucht, passendes Teil gefunden, die Ferreteria-Frau Marieluz ruft auch beim Hersteller an. Aber: Betriebsferien bis 10. Januar. Da hoffe ich schon aus Cádiz abzufahren. Eine Höhlenkletterer-Strickleiter (Alu; Tipp von Juan) zu beschaffen stellt sich als noch viel schwieriger heraus: der einzige Laden dafür ist in Alicante; die können aber vielleicht nach Cádiz liefern. Mal sehen. Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass Oceansouth eine Scheißfirma ist und aus dem Verkehr gezogen gehört.

Landausflüge

Nationalpark Doñana: Flamingos, Hirsche, Wildschweine, Dachse. Zwei von vier haben wir gesehen. Das Westernstädtchen Rocío könnte ohne Umdekoration als Filmkulisse herhalten: vor den Häusern Querstangen, um Pferde anzubinden, vor den Kneipen überkopfhohe Tresentische, damit man auch hoch zu Ross sein Bier genießen kann – einmal im Jahr (25 Tage nach Ostern) ist der Ort Ziel einer Pilgerfahrt aus ganz Europa, große Herbergshäuser unzähliger Bruder-/Schwesternschaften (Hermandades) stehen 50 Wochen im Jahr leer. Aber in den zwei Wochen des Pilgerfestes kommen eine Million Feierfreudige, alle zu Pferd (Autos sind in der Zeit nicht erlaubt). Ach ja: es gibt kein Stück asphaltierte Straße, nur Sandwege. Nach einem Monat Dauerregen war die Anfahrt ein echtes Abenteuer. „Schlaglöcher“, also Pfützen, von der Größe eines halben Tennisfeldes säumen und versperren den Weg. Und sind bis zu hüfttief (was man nicht sehen konnte). Klar, dass es nacht war, als wir ankamen. Klar, dass es geregnet hat. Klar, dass wir zur falschen Pension gefahren sind. Klar, dass es die Straße mit der richtigen Adresse zwei Mal gab. Klar, dass wir zur falschen gefahren sind. Aber immerhin haben wir in ein leerstehendes Hostal hineingesehen: Auch innen sind die Häuser/Hostales noch im Zustand der mexikanischen Kolonialbauten –weißgekalkte Wände, dunkle Jalousien-Holztüren; Innenhöfe. Bezaubernd. Ach ja: die süßmild lächelnde Madonna wird zu den Feiertagen selbstverständlich auch aus der Kirche und durchs Dorf geschleppt.

Landroverfahrt durch den Nationalpark. Halb Sumpf-, halb Waldgebiet. Vögel ohne Ende, Rehe und Hirsche. Und der Spanische Luchs (nicht gesehen).

Außerdem: Granada, schnuckelige Pension im Albayzin, zwei wunderschöne Aussichtsplätze (Miradore): ein tieferliegender, von dem aus die Alhambra ohne die später ergänzte 19.Jhdt-Kuppel ausssieht wie zu Zeiten von Al-Andalus; ein höher liegender, von dem aus die gesamte Bebauung auf dem Hügel gegenüber zu sehen ist. Sacremonte-Spaziergang; Höhlenmuseum; weiter oben Hundegebell und das unangenehme Gefühl, Elendstourismus zu betreiben.

 29.12.: Segelausflug nach Rota, einmal quer über die Bucht von Cádiz. – Weißgekalktes Bilderbuchstädtchen, wie es die Amerikaner (große Navy-Base am Südrand von Rota) lieben. Kunstvoll-kitschige Blumentöpfe (Männer- und Frauenköpfe) hängen an den Hauswänden, überall sind Sinnsprüche, auf Kacheln gebrannt, angebracht. Einer der Matrosen von Kolumbus stammte aus Rota (und hat auf der zweiten Fahrt eines der Schiffe geführt). Auf dem Rückweg in der Dunkelheit fast verfahren und die Hafeneinfahrt von Cádiz nicht gefunden – Navionics musste aushelfen.

Cádiz: perfekt, um sich zu verlaufen

Gestern, Freitag (30.12.), in der Altstadt verlaufen, auf dem Zentralmarkt Tapas gegessen – Sylvester ist für die Spanier wie Heiligabend: Ausgehen und Party, Almodóvar hätte an den Frauenfiguren seine Freude gehabt – falsche Flasche Wein „great italian wine“ aufgemacht. Paula war im Museum: Ausgrabungen aus der Römerzeit. Cádiz ist mit dreitausend Jahren Geschichte eine der/die älteste Ansiedlung Europas.

Traubenverschlingen mit Aaron (Nachbarboot)

Programm für heute (Sylvester): Museum, Tapas auf dem Markt, Abendessen kalte Platte auf dem Boot, Requetón im Nachtclub an der Hafenpromenade. Schaun wer mal, wie Kaiser Franz gesagt hätte. Wenn er sich nach dem Qatar-Skandal noch zu äußern traute (lebt der überhaupt noch?).

Happy New Year am Strand

24. Richtung Kanaren mit Paula

Montag (5. 12) abends halb elf wieder in Almerimar angekommen. Die Marineros haben die Leinen zusätzlich befestigt, muss wohl Sturm gegeben haben. Dienstag Mittag kommt Victor aus Cartagena, zwei Stunden Fahrt, fährt am selben Abend wieder zurück. Trotzdem schön. Mittwoch Mittag ist Marco, der Elektriker angesagt, der den elektronischen Windanzeiger repariert hat. Ihn aber inzwischen an einem anderen Boot ausprobiert hat, dort hat er nicht funktioniert. Entsprechend defensiv tritt er auf. Aber: auf der Elizabeth funktioniert er, zunächst angestöpselt ans Netzwerk, dann auch oben im Mast.

Abstieg: Skipper, Marco, Christian (Bootsnachbar)

Also können wir am Donnerstag los, einen vorhergesagt sturmfreien Nachmittag ausnutzen und zumindest den kurzen Schlag nach Adra (12 nm) schaffen.

Sturm, Sturm, Sturm

… und wenn nicht Starkwind, dann zumindest Starkregen. Der Sommer war in Spanien der trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen. Der Dezember holt alles wieder auf, Überschwemmungen und sensationsheischend-mitfühlende Berichterstattung im Fernsehen. Drei Tage Landurlaub mit Nationalpark.

Am folgenden Mittwoch (14.12.) ist das nächste sturmfreie Wetterfenster angesagt. Wind noch immer aus der falschen Richtung (von Westen). Also motoren wir fünfeinhalb Stunden nach Motril (25 nm). Ziemlich ungemütlicher Seegang von vorn und zwischendurch auch Wind auf die Nase. Aber alles klappt, um halb sechs am Nachmittag laufen wir in der Marina ein. In der Motorbilge steht mindestens eine Handbreit ölige Flüssigkeit, in der Salonbilge immerhin zwei Finger breit, bräunlich verfärbt. Nicht gut.

Heute, Donnerstag, erst die Motorbilge ausgeschöpft (fast 20 l), Diesel mit Wasser vermischt: die Reparatur der Dieselrückleitung ist schiefgegangen, der zu lockere Schlauch hat sich gelöst und wir haben den Sprit statt zurück in den Tank über den Motor gespritzt. Ziemlich blöd.

Auch blöd: Nachdem ich fünf Wochen (!!!) lang versucht habe herauszukriegen, warum mein in Deutschland bestelltes Bimini [Sonnenschutzabdeckung über dem Cockpit] nicht ankommt (keine funktionierende Telefonnummer rauszukriegen, beim Lieferant Oceansouth existiert die Telefonnummer nicht, an einem anderen Anschluss geht nie jemand ans Telefon; beim Lieferservice GLS gibt es keine Telefonnummer, auf der Internetseite lässt sich als Herkunftsadresse nur das Land Belgien einstellen). Inzwischen habe ich über die Sendungsverfolgung herausbekommen, dass mein Paket (das über Wochen als „wird sortiert“ in Madrid angezeigt war) anscheinend schon am 21. November zugestellt (und der Vorgang damit erledigt) sei: Augenscheinlich ist eine Sendeverfolgungsnummer zwei Mal vergeben worden, mein Paket hatte dieselbe Nummer …

»Making mistakes is human.
But to really fuck up things you need a computer.«

Programmierer-Weisheit

Nach sechs Wochen vergeblicher Kontaktversuche per Mail und Telefon habe ich eine Adresse in Brüssel erfunden und endlich eine Antwort (mit nicht existierender Telefonnummer, aber zumindest funktionierender Mailadresse) aus Belgien bekommen, eine Mail an den spanischen Customer support geschrieben und die beiläufige Antwort erhalten, dass mein Paket (tut uns leid, »Sentimos las molestias«) verloren gegangen ist.

Nachmittags waren zwei Mechaniker von Triton Marine Services da und haben den abgeschorenen Dieselschlauch innerhalb von zwanzig Minuten repariert. Wenigstens das. Regnen tut es immer wieder. Und der Wind bläst immer noch aus Westen, genau in die falsche Richtung. Saublöd.

23. Im Superyachthafen Malaga

Künftiges Model (2.v.l.) im Morgenrot in Marbella

Dienstag (08.11.), 02:17h (!!). In Málaga soll es, sagte mir der Hamburger vom Nachbarboot in La Linea, ein völlig leeres neues Hafenbecken geben, wo man gut (und umsonst) ankern kann. Auf Karte und Navionics finde ich nur einen erweiterten alten Flusslauf, außerhalb und neben dem Industriehafen. Die Marina liegt ebenfalls ab vom Schuss (und hat schlechte Kritiken: teuer, keine Liegeplätze für Durchreisende, unfreundlich). Aber in der Karte ist im innersten Hafenbecken eine Marina verzeichnet, allerdings nur als Symbol, kein Funkkanal, keine weiteren Angaben. Aber wenn da eine Marina ist, kann ich dort auch reinfahren. Als endlich die drei Kreuzfahrtschiffe größer werden, auf die ich drei Stunden zugedampft bin, (kein erwähnenswerter Wind), tuckere ich gegen halb fünf endlich in die Einfahrt (16:30 Uhr wird die Málaga Port Control später als TOA [time of arrival] eintragen: ich hätte mich per Funk (Kanal 11) anmelden müssen, das war aber weder in der Karte noch auf Navionics vermerkt). Das innerste Hafenbecken (noch ein viertes Kreuzfahrtschiff) ist zwar leer, aber superschick und die Yachten am Kai sind alle riesig. Vorsichtig frage ich über VHF, ob sie auch eine kleine Yacht wie die Elli nähmen? – Klar, ich soll irgendwo festmachen, er (der Marinero) werde dann gleich vorbeikommen und mich einweisen. Gut. Kommt er auch und gibt mir einen Platz zwischen zwei Megayachten. Rückwärts Einparken, der Besitzer (vermute ich) des spiegelblanken hellgrauen Luxuskatamarans neben mir wirkt sehr nervös, packt zusätzliche (unbenutzt aussehende) Fender an die Seite zwischen uns, springt schließlich auf die Kaimauer und hilft dem Marinero, mich festzuzurren. Denn: der Hafen ist auf Yachten ab 30m eingestellt, die Muringleinen ziehen uns gegen das Nachbarschiff. Erst eine zusätzliche Spring vom Bug zu einem seitlichen Poller (es gibt keine Klampen) hilft.

SABETH: zwischen zwei Megayachten kaum zu sehen

Auch die Megayacht auf meiner anderen Seite funkelt in Lichtgrau: elephant breath scheint die Farbe der Saison zu sein.
Kaum angelegt checke ich Mails. Eine von Hendrik, Ehemann einer lieben ehem. Kollegin, allerdings gerichtet an eine »Liebe Frau Anja F…«. Leichte Panik. Anja heißt meine ehem. Schulleiterin, evtl. hat sie neu geheiratet …? Alles Quatsch: Hendrik verteidigt mein Blog gegen die (berechtigten) Vorwürfe von Frau F., ich hätte den Jungs (Julian und Lukas) nicht deutlich genug klargemacht, dass ihre Segelerfahrungen nicht für eine größere Tour ausreichen (u.a.). Danke, Hendrik! Und danke, Frau … da fällt mir auf, dass Frau F. die erste Blogleserin sein muss, die nicht mit mir verwandt, befreundet, bekannt ist. Holla, die Waldfee: Wie schön!

Die IYG-Marina in Málaga ist auf Superyachten spezialisiert. Vorteil 1: Es gibt keine Chipkarte für die Zugangskontrolle (muss man sonst immer Pfand zahlen und morgens zurückgeben), weil: die Anleger sind Tag und Nacht engmaschig bewacht: als ich eben nicht mehr schlafen konnte (Alptraum: Fressmaschine von Riesenziege schlachtet an einem Berghang ein allzu zutrauliches Kalb. Wobei das Kalb so groß war, dass ich (im Traum unten am Abhang) hastig ausweichen musste, damit mich der mit einem Huftritt bewusstlos gehauene, den Hang herabtorkelnde Tierkörper nicht erschlägt. Der Kopf der Riesenziege sprang in der Mitte auf (wie Schwarzenegger in Total Recall) und hatte im Inneren einen bleichen (Briten-) allesfressenden Menschenkopf, darunter ein Fahrgestell aus kreiselnden Raupen – Ende Alptraum). Als ich jedenfalls meine (quietschende) Achterluke aufschob, war die freundliche Vigilantin bereits auf dem Kai über dem Boot, noch bevor ich ins Cockpit geklettert war. À propos Kai: der ist natürlich auch überhoch, weil er für die Überhecks der Megayachten gedacht ist; bei Ebbe musste ich gestern Nacht ziemlich klettern (mich sitzend von der Hafenmauer herablassen), um aufs Boot zu kommen. Grüßt mich die junge Frau von der Nachtwache schon, als ich gerade die Luken aufschließe … 

Wo war ich? Ah ja: Vor- und Nachteile. Vorteil 2: Standort; nur fünf Minuten Fußweg zur Kathedrale, zum römischen Amphitheater, zur maurischen Stadtfestung. Zentrales Zentrum, die Marina liegt ideal. Vorteil 3: SEHR persönlicher Service. Die Desk Managerin (»Ich bin Alejandra, encantada«) begrüßt mich mit Handschlag, gibt mir zum Abschied ihre Karte (»Sie können mich JEDERZEIT anrufen!« – »Auch, wenn ich das Restaurant nicht finde (das sie mir kurz zuvor empfohlen hatte – sollte ein Witz sein!)?« – »Auf jeden Fall (in vollem diensteifrig-charmantem Ernst)!«. (Klar, dass sie jung und attraktiv ist; klar, dass ich das nicht persönlich nehme, oder?)
Nachteil: Es gibt keine Duschen (»alle Megayachten haben ihr eigenes Bad.«). Nachteil: Preis. Nachteil: Stress beim Ablegen. Links spiegelblanke fünf Millionen (der Übervorsichtige war der Matrose, er und ein Kollege wohnen vorne im rechten Rumpf), rechts blitzende acht Millionen (geschätzt, ich hoffe, ich trete niemandem auf den Schlips (nicht vorhanden: Links saß abends ein Typ (Mitte 40, unscheinbar) im Sweatshirt vor dem Rechner, allerdings im Salon, den die Matrosen sonst nicht benutzen). Keine Ahnung wie ich da morgen schadlos rauskomme – wahrscheinlich darf ich mit meinen dreckigen Fendern den spiegelnden Monstern nicht einmal nahekommen …

Eben (mitten in der Nacht), die Elli schaukelt bedenklich in der kaum sichtbaren Hafendünung, während sich die 30m-Monster kaum bewegen, sitze ich im Cockpit: knarrt ein Festmacher. Ich sofort nervös. War aber der Festmacher vom 8-Mio-Nachbar – auch Großgeld bewahrt einen nicht davor, die falsche Art Leine einzuziehen!

Malaga ist übrigens ein Traum: wunderschön und geschmackvoll überlaufen (Turronladen [span. Süßware] mit 300 Sorten Mandelkonfekt, alle handgemacht!). Weil der Laden, den mir Alejandra empfohlen hat (»da geh ich selber auch hin«), geschlossen hatte (die machen erst um halb neun auf, hatte ich nicht die Nerven und zuviel Appetit für), war ich beim Edelitaliener. In meiner Lasagna war (Hackfleisch vom) Stierschwanz, daher wahrscheinlich der Alptraum! Später doch noch am La Campana vorbeigeschaut: winzige Bar, Tische davor, fischlastige Karte – das wäre es gewesen. Fazit: Málaga ist schön, aber schlecht für’s Budget. Aber hier (für lau) zu ankern wäre eine unerhört verschwendete Gelegenheit gewesen – alles richtig gemacht.

Vladimir Nabokov: Die Schwestern Vane (Erzählungen, danke, Cornelia!). Welch ein Stilist! In drei Sprachen! Chancenlos neidvolle Bewunderung. So ein Leben/Schicksal muss man aber auch erst einmal durchstehen, um davon berichten zu können (Leben, um davon zu erzählen hat Marques seine Memoiren betitelt). Ganz großes Kino für die Ohren bzw. das Sprachgefühl (oder wie das heißt).

Almerimar
Ebenfalls grau (aber alt): Nachbarn am Kai in Almerimar

Do (10.11.), 06:00h. Der Vollmond steht über dem Hafen, alle Häuschen am Kai schlafensstill, nur ein früher Raucher hustet auf seinem Balkon, in der Ferne rumort die Straßenreinigung und in der Ferne ist das sanfte Rauschen der Küstenautobahn zu hören. Almerimar wird nach allem, was ich bisher gesehen habe, die abgeranzteste Marina, in der ich jemals war. Aber nett. Und vor allem: alle Gewerke im Hafen, sogar ein umfangreiches Lager mit gebrauchten Ersatzteilen – muss ich noch checken.

Die Etappe von Malaga war eine Druckfahrt, 78 nm [ca. 137 km]. Musste aber sein, weil ab Donnerstag widrige Winde angesagt waren. Segeln unter Zeitdruck ist ein Widerspruch in sich.
Bei der frühen (08:45) Ausfahrt aus dem Hafen – wichtig: vorher von der Malaga Port Control die Erlaubnis dazu einholen, kein Problem: »no hay trafico«– ziehen schon die ersten zwei Delfine sachte ihre Bahnen im Hafenbecken. Sicher ein gutes Omen.
Draußen weht der angekündigte Westwind, allerdings nicht so ausgeprägt wie erhofft. Dann Mittagsflaute. Dann Abendflaute. Aber dazwischen immer wieder ein wenig Wind.

Glorioser Abschluss einer lahmen Nacht: mit vier Knoten an Motril vorbeigerauscht
Gegenschuss: Motril im Morgengrauen

Dann Morgenflaute. Um halb zehn werfe ich die Maschine an. Fazit: fünfzig Meilen in 24 Stunden gesegelt, 25 Meilen in fünf Stunden motort. Zwei Längengrade überfahren. Aber: nur die (60) Minuten der Breitengrade entsprechen einer Seemeile, deswegen darf man Entfernungen nur an den seitlichen (nicht: oberen oder unteren) Rändern der Seekarte abgreifen! Deswegen liegen zwischen den LÄNGENgraden keine 60 sm. Dennoch Dank an Mercator für seine Kartenprojektion, die (zwar keine realistische Darstellung der Oberfläche, aber) winkel- und distanzgetreue Wiedergabe bereitstellt (und so Navigation erst ermöglicht). Es wurde eine lange Nacht, obwohl Signore Giorgio brav gesteuert hat, die meiste Zeit unter Schmetterling. Zweimal Kartoffel-Lauchsuppe, zwei Schachteln Kippen. Eins der Projekte für Almeria: Rauchen aufhören. Der einsame Huster heute früh klang genauso krank wie mein kehlig-knorpeliges Abhusten am Morgen. Allerdings liegt genau gegenüber meines Festmacheplatzes (»por polpa«: Heck zum Kai) ein tabaco. Wenn das kein Wink eines übelmeinenden Schicksals ist …

Almerimar habe ich angesteuert, weil lt. Youtube dies der Hafen für Reparaturen und Ausrüstungsergänzungen ist. Der Hafenmeister äußerte sich ähnlich selbstbewusst – dafür sind wir der beste Platz. Also stehen in den nächsten zwei Wochen Arbeiten an. Über die ich erst die Ergebnisse berichte. In anderen Worten: dieser Blog macht drei Wochen Pause. Dank euch für eure Treue bisher, für eure vielen aufmunternden und (wenigen) kritischen Anmerkungen (Hartwig, Susan, Andrea (muss meinen inneren Schweinehund [male chauvinist pig] im Zaum halten), Frau F.), bleibt der ELIZABETH und mir gewogen und schaltet Anfang Dezember wieder ein!

Herzliche Grüße

Ulrich

Gästebuch:

Reparaturen und Ausrüstungsergänzungen

So voll waren die Tage in Almerimar, dass ich geglaubt (und dem schwedischen Nachbarn gesagt) habe, ich wäre schon zwei Wochen hier, dabei sind es (erst) acht Tage …
Alleinsegler sind Schwadlappen, bzw. haben ein erhöhtes Mitteilungsbedürfnis. Asha und Helge (www.gegenwind.de), John. Lektion 23: (Ich nehme mir vor:) Nicht erzählen, nur auf Fragen antworten.
T. Pynchon: Gravity’s Rainbow (wieder mal) angefangen. Bildmächtig, sprachverliebt, groß. Nicht Ulysses oder Der Mann ohne Eigenschaften, aber nicht weit darunter. Erkenntnis 1: die Klo-Szene aus Trainspotting ist geklaut. Erkenntnis 2: the Kenosha Kid. Insgesamt hocherotisch, schreckt auch vor pornographischen Passagen nicht zurück. Und frech: als er zwei Figuren loswerden will, schickt er sie (einfach?) auf einen Strandspaziergang, wo sie sich im Nebel verlieren … großes Kino für Kopf, Bauch und Lenden.
Endlich Zeit gehabt, die 120 GB (!!) Musik durchzuflöhen, die Hartwig mir auf Festplatte gebrannt hat: einmal quer durch die Musikgeschichte, fast alles drauf, was mich seit der Jugend begleitet hat, Perlen von individuellen Playlists („Red Mix Michel“; früher hätte man Mixtape dazu gesagt), Hörbücher, Klassik, alphabetisch geordnet, fantastisch. Danke, Hartwig! (Billig-Bluetoothbox vom Chino gekauft, jetzt kann ich auch im Cockpit Musik hören, wie von Leon angeregt/moniert.)

Auszug aus dem Logbuch
  • (09.09.) 15:10 an Almerimar
  • (10.10.) beim Segelmacher, Gennaker (zerfetzt) und Genua (Flicken nötig, wo sie an der Saling scheuert) weggebracht / Christian (Nachbarboot) kennengelernt, Markus & Julia (Insieme) gesehen, Andres (Mechaniker) kennengelernt / Waschsalon, Ferretería gecheckt / Nachmittags Bus nach El Ejido und Almería – Rückfahrkarten gekauft
  • (11.10.) Niederholer umgehängt (oben und unten vertauscht) / 2x20l Dieselkanister gekauft. Zwei neue Lüfterhutzen bestellt / Bimini bestellt / 15:00h: Sturm
  • (12.11.) drei Mal Motorbilge ausgelöffelt und -getupft: 2x Diesel, 1x Öl / Dieselrückleitung geflickt / WiFi: in der Bar Ankara, direkt gegenüber am Kai / Asador Almerimar: Scheißladen, bringt mir das falsche, Riesenkotelett (war aber lecker, nur zu viel, Hälfte zurückgehen lassen)
  • (13.11., Sonntag) Strandspaziergang
  • (14.11.) Elektrik umgebaut: neue Schalter für die zwei alten Panels über dem Navitisch eingesetzt [Geilo: jetzt funktioniert das Masttoplicht (Dreifarbenlaterne)!], neues Panel in Betrieb genommen, Kühlschrank abschaltbar angeschlossen
  • (15.11.) Wasser aufgefüllt / Thalys gebucht / Video „Delfine“ hochgeladen / Marina bezahlt (bis 09.12., 12,50/Tag) / Herd geflickt (aufgebohrt, Düse gesäubert)
  • (16.11.) Ruder (etwas) leichtgängiger eingestellt (am Quadrant Spannung rausgenommen) / Gerüst für Decksleistenreparatur ausgebracht (Schaden von La Linea und alt: von Oude Tonge), laminiert – Polyester zieht nur sehr langsam: zu kalt / Mail: OceanSouth (Bimini) hat kein Geld erhalten, Bestellung ist also nicht bearbeitet!
  • (17.11.) Scheuerleiste gespachtelt und laminiert / Bimini bezahlt / Superschnuck geschrieben / geduscht / Wraps (noch von Luke&Juli)
  • (18.11.) Regen / Dieselleitung abgedichtet (noch von Gareth) / Wäsche gewaschen / Scheuerleiste (angeschliffen und) einmal weiß gestrichen / 19:00 John (Versicherungsrechtsstreit nach Kollision bei Tag und Windstille) im Stumble Inn
  • (19.11.) Superschnuck fertig (alle 52 Folgen) / Scheuerleiste 2. Mal weiß und königsblau gestrichen (auch: Cockpitkästchenboden [weiß noch nicht, wie ich das finde])/ Restaurant Espigón: gut; lecker Fischsuppe.
  • (20.11., Sonntag) Navileuchte hinten braucht viel Strom – austauschen! / Handläufe (und Cockpitkästchen und Achterleiste) zwei Mal geölt
  • (21.11.) Lukas und Julian sind auf ihrer JASSEMINE losgefahren (Video und Nachricht über Signal), auf den Atlantik! (Ich denk an Sie, Frau F.!) / Marco (Bootselektriker) repariert Motorpanel, Überhitzungsalarm, checkt Windmesserkabel, hievt mich (zum 2. Mal) in den Mast, Platine des Anemometers ist korrodiert (Wasser eingedrungen), Ersatz bestellt (220 €) / Motor endlich fertig (Bilge zum 5. u. 6. Mal getrocknet) / am 18. Nov. hatte Proust 100sten Todestag
  • (22.11.) Birne Hecklampe ausgetauscht; Kontakte passen nicht wirklich (LED, China) / Lüfterhutze abgeholt, montiert, inkl. Sicherungsleine / Genua abgeholt / John’s Schooner angeschaut [wunderschön!] / Loch für (neuen) Lüfter ins Deck gesägt [5h Arbeit: schlecht – aber Deck ist massiv, 6-7mm dick: gut]

Fazit: Ich muss aufhören, von der Elli als alter Dame zu schwafeln: Sie ist eine gepflegte, guterhaltene Mitte Vierzigjährige, gut in Schuss und voll im Saft, »Nothing wrong with her a hundred Dollars can’t fix« (T. Waits) – eigentlich genau mein Beuteschema (wäre ich auf Beute aus).
Jeden Morgen Sonnenaufgänge (weil ich nicht mehr schlafen kann; weil ich pinkeln muss), immer wieder schön. Dafür abends früh zu Bett – Strom sparen. Sonnenkollektor hab ich mir abgeschminkt, bräuchte ich ein neues Ladegerät, am besten sogar eine zusätzliche Batterie. Dabei bin ich sehr froh, wie meine Elektro-Reparatur geklappt hat …
»Lange Zeit bin ich früh aufgestanden …« (als ich noch im Job war). Aber nicht jedes Mal vor Tagesanbruch, wie derzeit. Unterwegs zu Swann (Eine Liebe von Swann), Band 1 der Recherche (wieder einmal) angefangen, wird meine Reiselektüre. Jedenfalls genug Lesestoff für 36 Stunden Fahrt …
Rückfahrt: Donnerstag 07:00 ab Almerimar, Bus kommt nicht. An der Haltestelle gegenüber gefragt, an eine andere, etwas entfernte Haltestelle verwiesen worden. 07:10 kommt der Bus, fährt gerade weit genug entfernt vorbei, dass Rufen und Laufen sinnlos waren. Nächster Bus: 08:09 – zu spät. Taxi bestellt. 08:45 ab El Ejido, 09:30 ab Almería, 16:15 an Madrid. 18:15 ab Madrid, aber von einem ANDEREN Busbahnhof. 23:30 an Vitoria Gasteiz (Baskenland). 01:30 (Freitag) ab Vitoria, 15:15 an Paris-Bercy, im Studentenviertel, gegenüber der Großbibliothek. Abendessen mit Celia, lecker vegane Vorspeisenplatte beim Türken, bei ihr auch übernachtet. Samstag vormittag 11:25 ab Gare du Nord, 15:30 an Köln. Aber: nicht geflogen!