
Do., 14.12., Curaçao. Inzwischen bin ich schon über eine Woche hier, die Mosquitoes sind nicht viel besser geworden, aber ich hab mich dran gewöhnt. Denn bei geschlossenen Luken zu schlafen, ist absolut unerträglich. Es ist Regenzeit, schwül und heiß und ab 10:00h morgens schon nicht mehr auszuhalten. Bis neun und ab 17:00 sind so ungefähr die einzigen Zeiten, wo es lohnt, Arbeiten anzugehen. Aber: bis 6 und ab 18:00 ist es dunkel! Muss ich mich erst dran gewöhnen (ans Arbeiten wie an die Hitze).
Letzten Freitag war Grillabend, wie jede Woche, (rede-) lustiges Völkchen, die Yachties. Marc und Mireille, Franzosen, die im April auch schon hier waren, Willi, Niederländer und vor allem Moritz, Schweizer! Aber vor allem die unbekannten anderen sind eng, wollen zusammen losfahren und tauschen sich meinungsstark darüber aus, (Moritz hält sich zurück, er scheint der einzige zu sein, schon mal auf San Blas war). Heute sind die ersten drei Yachten aufgebrochen, davon haben sie die ganze Woche gesprochen. Fast schon wehmütig, wächst man eben rasch zusammen, wenn man sonst allein auf See ist. Richtung Panamakanal, San Blas. Eigentlich alle in die gleiche Richtung. Nur von Kolumbien halten sie Abstand, wegen Piraten. Bin ich zu blauäugig?
Moritz hat mich am ersten Morgen am Boot begrüßt. Er war im April auch schon hier. Erzählt die Geschichte von Jens, der damals (mit Charlie im Begleitbooot) nach Jamaika aufgebrochen ist, dort ist ihm der Anker geslippt, er ist auf Grund gelaufen, beim Freischleppen hat er sein Ruder verloren und ihm ist nichts anderes übrig geblieben, als sein Boot zu verschenken. Inzwischen ist er wieder gesund in Deutschland. Wenigstens das, war sein erstes Segelabenteuer, Seufz.
Moritz hat den Nordatlantik als Crew gemacht, ist seit zwei Wochen wieder hier, sein Boot war noch nicht im Wasser, viel zu reparieren. Aber zuversichtlich, zumindest die meiste Zeit. Es macht ihm Spaß. Obwohl: versumpfter und verklebter Dieseltank, muss aufgebohrt werden, um ihn sauberzukriegen, muss eine Reinigungsöffnung dran: es gibt sicher schönere Arbeiten.

Was ich inzwischen gemacht habe: Bimini aufgebaut. Dinghy rausgeholt, Furlerleine umgesetzt auf Bb (wo eine ungenutzte Winsch im Cockpit sitzt), Rettungsinsel-Unterkonstruktion gebaut, damit die Achterluke nicht so verklemmt; Ankerwinsch gecheckt, Instrumente, Navigationslichter, Windmesser: alles funktioniert. Paar Ameisen an Bord, sonst alles besser als super. Nur: Gasherd funktioniert nicht. Muss ich heut abend ran. Gestern war ein guter Tag: Kurzschluss an der Motorabschaltung gefunden, den Job hab ich mehrere Tage vor mir hergeschoben. Und vor allem: Panama-Kanal gecheckt, mehreitige ASEM-Datei im Internet ausgefüllt (Anmeldung, Bootsdimensionen, Ankunft in der Kanalzone, Bootsausrüstung (ich brauche ein HORN!), Schleusenmöglichkeiten, Fleisch/Proviant an Bord, mit dem it Transit Scheduler telefoniert): ich versuche, es ohne Agent hinzukriegen. Ob das eine gute Idee ist, stellt sich hinterher raus. Vorteile bei Agent: keine Kaution, kümmert sich um (Rückgabe der) Fender und Langleinen. Hauptvorteil: Über ihn kann man einen Transfertermin bekommen (weil man ihm das Geld überwiesen hat und nicht mit einem Bündel Bargeld rumlaufen muss).
Und gewaschen, Bus zum Flughafen gecheckt: Morgen kommt Ina!

Fortsetzung Kreuzfahrttagebuch
Do., 30.11.2023, 08:00h Schiffsführung; 8 französischsprechende, drei Deutsche: ein jüngeres (als ich) Ehepaar und ich. Der Ehemann hat Erfahrung mit der AIDA und vergleicht. So ist etwa das Buffet dort um Klassen besser »Mindestens vierzehn Hauptspeisen.« (Es gibt aber auch keine gesetzten Mahlzeiten, erfahre ich später). Tourverlauf: Theaterbühnentechnik, Künstlergarderoben. Crew-Fitnessstudio, Waschsalon + Bügelbretter, Elektrowerkstatt (Oliver, der Deutsche: »Da ist meine zuhause aber größer.«, »Fast 100 qm«, nickt Ehefrau), Kühlräume (»Auf der AIDA wird das Obst nach Reifegrad sortiert.«), Vorratsräume (werden mit Gabelstaplern verräumt), Brücke: Dritter Offizier erklärt’s uns, sieht ziemlich verkatert aus. Er im Pullover. Alle anderen (6-8 Mann) in propperen weißen Hemden und blauen Hosen Auf einer Polsterbank direkt hinter der Frontscheibe, vor und abseits der anderen, sitzen zwei Männer in schlichten Jeans: der Ausguck. Der Hauptsteuerstand liegt in der Mitte der Brücke (Joystick). Links sitzt die erste, rechts die zweite Steuerperson (heute aber alles -männer). Seitliche Steuerstände (in den seitlichen Vorbauten, von denen aus man die Längsseiten des Schiffs entlangsehen kann) haben ebenfalls alle Funktionen. Von dort aus werden die BowThruster [querstehende Propeller zum seitlichen Manövrieren] angesteuert, es gibt drei vorne, drei hinten.
Der lange Flur auf Deck Null zieht sich in Schiffsmitte von Bug bis Heck, reger Verkehr, zu Fuß, mit Rollcontainern, Sackkarren, Gabelstaplern: die Herzschlagader des Schiffs. Näherei (dort werden bei Bedarf auch die selbstgekauften Uniformen repariert). Büglerei: ein garagengroßer Mangelautomat, der Bettwäsche trocknet, mangelt, faltet: fertig zum Wiedergebrauch.
Für die Küchenbesichtigung legen wir Papieranzüge, -hauben und -gamaschen an. Auf Deck drei, zwischen den beiden Hauptrestaurants (Rolltreppen bringen die KellnerInnen auf Deck vier hoch), ein Reich aus Edelstahl und Neonlicht. Hunderte Stapeltellerweise werden Vor- und Nachspeisen angerichtet (Costa-Sieb für den Kakao-Spiegel unter dem Tiramisu). Eine Mozarella-Maschine spuckt mit Heißwasser 6000 Kügelchen pro Tag aus tiefgefrorenen Rohlingen aus, drei pro Passagier. Heißküche: Suppen- und Soßenbottiche, Grillflächen wie Tischtennistische. Großküche eben. Pause im Restaurant Raffaello, kleiner Imbiss, Prosecco. Danach Bar und Aufenthaltsraum der Crew und ihr Freigelände ganz vorne im Bug. Kaffee, wer mag, und Fragen. Superspannende Führung gewesen!
So., 03. Dezember, es weihnachtet (fühlt sich aber bei 27° und Sonnenschein ganz anders an.) Menschenmüde ist Oliver, der männliche Teil des Deutschen Ehepaars mit der blonden Schönheit von Frau. Mariam (oder so ähnlich), eine unsägliche Holländerin, die sich gestern Abend auf der Voice-of the Sea-Bühne total daneben benommen und am Ende sogar den Kapitän zu küssen versucht hat, sich buchstäblich an ihn ranschmiss, nach glaubwürdigen Augenzeug-innenberichten). Seetage sind anstrengend, vor allem, wenn es so viele hintereinander sind.


Meine Frühstückscrew: Hélène und Victor. Victor ist Frühauf-steher und hält uns schon den Tisch frei.
Tagesroutine: 09:00 Morgenspaziergang (ca 15 Runden auf der Laufstrecke auf Deck 12). Muskeln aufwecken (stretching): das erste Highlight, 09:30 bis zehn: rund um die Animierbühne (Lautsprecher, Baldachin, Jacuzzi daneben, Theaterarena steil aufsteigend davor) stehen und bewegen sich auf drei Decks Menschen jeglichen alten Alters zur Musik und zu den Ansagen von Viviana, Sizilianerin. Vor allem „Breathe!“ ist ein beliebter Teil: Arme über den Kopf recken, Einatmen, Arme im seitlichen Bogen herabschwenken, ausatmen. Rundherum, auf allen Decks und auf allen Laufgängen und vor der Bühne in Siebenerreihen (mittendrin ich): ein wunderschönes Bild (bis auf mich). Bis zum Mittagessen (12-13:30): Lesen, faulenzen. Nachmittags Vorträge: Franco Alvisi erzählt bei übersteuerndem Mikrophon in schrecklichem Englisch ausführlich mäandernde (aber hochgelehrte und interessante) Geschichten in ungefährer Nähe zum gesteckten Thema. Gestern war die Kunst der Ozeanüberquerung dran, hauptsächlich über Kolumbus (und das Ende der Mauren in Granada und die Vertreibung (02.08.) der sephardischen Juden: alles im selben Jahr 1492, in dem Kolumbus am 03. August losfuhr. Im Januar wurde Granada übernommen (damit war die Finanzierung der Reise durch Isabel von Castilien, Fernando von Aragon gesichert. Als Übersetzer (aus dem Arabischen) war ein Jude an Bord, der am Vorabend hätte vertrieben werden sollen). Kolumbus, nicht unwillig, seinen Charme selbst Isabella gegenüber einzusetzen, war in Madeira verheiratet (Tocher des Gouverneurs), hatte in Gran Canaria eine Affäre (Frau des Gouverneurs, kam aber bei F. Alvisi nicht vor).
Vortrag von Gaia, deutschsprachige Hostess: Über die Musik der Sklaven (die, aus verschiedenen Teilen der afrikanischen Küste entführt, keine gemeinsame Sprache hatten, Instrumente und Tanz waren ihnen verboten: Calypso (entstanden in Tobago) als gemeinsame Ausdrucksweise, subversive Texte (die die weißen Sklavenhalter nicht verstehen konnten: Kreole), Instrumente aus Abfall (»Ohlphasen«) selbst gebastelt. Ohlphasen? Hab ich eine Weile gebraucht, bis ich kapiert hab, dass sie Ölfässer meint (und Steeldrums, die ich bisher in der Karibik nicht gesehen hab). Über Rum, zum Beispiel auf Martinique und Guadeloupe, rural: der einfache, echte). Industrielle, saveur: der teurere. Agricole heißt meiner, also: alles richtig gemacht.

Langsam, am sechsten Seetag, gehen mir (und Oliver) die Leute auf den Geist. Etwa zwei Bikiniträgerinnen, die partout nicht einsehen wollen, dass es auch im Buffetrestaurant eine Kleiderordnung gibt, sich beim erzwungenen Abgang umschauen, wie lange der Kellner wohl noch aufpasst (bevor sie es nochmal versuchen werden …).
Ehemals sicher wunderhübsche Frauen, gerne blond und sehnig, die von ihrer verblühten Schönheit nichts behalten haben außer der Arroganz und dem Selbstbewusstsein, jemand ganz Besonderes zu sein, für den alle üblichen Regeln (Anstand, Anstehen) nicht gelten.
Weil Costa eine eher preisgünstige Kreuzfahrt ist, fehlt es an Stil/savoir vivre (sagen Silke, Hélène). Dafür: bodenständige Leute, PoC (nach Martinique oder Guadeloupe); Ehepaare mit ersichtlich der ersten (oder einer zweiten, gleichaltrigen) Frau: sind mir alle sehr sympathisch. Erfolgsmenschen (Männer): die auch beim Volleyball (wo sie erbärmlich schlecht spielen) unbedingt gewinnen wollen. Beim Tennisturnier, an einem anderen Tag, hat er gewonnen, wie er nicht ohne Stolz erzählt.
Neues aus der Bordbibliothek: Mats Olsson: Demut. Thriller, schwedisch. Geht ganz gut los, verlabert sich dann, immer mehr Zufälle und nachträgliche Entdeckungen, showdown bodenlos-bedenkenlos unglaubwürdig. Einerseits: brutaler Mörder. Andererseits: selbstbewusste Junggaleristin glaubt, sie kann den Typen glattreden.
Geheimnis des Schreibers M.O.: Damit alle Frauenfiguren umwerfend attraktiv wirken, beschreibt man einfach nur ihre hervorstechendsten attraktiven Merkmale.
Auf meine Tischgesellschaft angewandt: Beatrix hat einen Schwall wunderbar dickes braunes langes Haar und große braune Augen, Maria ein ansteckend herzerfrischendes Lachen und einen perfekt geschminkten Kussmund, Sylvia ein hübsches Puppengesicht, Evelin ein herrlich spitzbübisches Schmunzeln und eine jugendliche Figur, Erika ein gutes Herz (überlässt mir immer ihre höchstens halb geleerte Wasserflasche) und eine interessante Biographie, Heidi ein gutmütiges Wesen und ist leicht zum Lachen zu bringen, Ueli ist braungebrannt und attraktiv ergraut, Silke hat reichhaltige Kreuzfahrterfahrung, Margret ein jugendliche Figur behalten. In anderen Worten, eine illustre und amüsante und kurzweilige und angenehme Tischgesellschaft. Wenn nur Nouráh, der indonesische Kellner, nicht viel zu viele Tische und viel zu wenige Helfer unter sich hätte … wobei er gut organisiert ist und sich Mühe gibt …
»Lymous« [Limes] ist das Stoffschweinchen von Silke, das a) immer dabei ist, b) immer auf dem Foto ist, c) jede Art von Ausrüstung hat (u.a. Anorak, Sonnenbrille, Badehose, Flipflops) d) auch Blogpartner ist (und Autoreninterviews führt: Silke ist Buchbloggerin: „S.D. bloggt und Limes rockt“). Als ich am ersten Tag das Drama um die Gummiente (sic) „Luis“ in Wort und Bild nahegebracht bekommen habe (Reist seit 23 Jahren mit der Besitzerin, jetzt hat sie ihn für ein Foto auf die Reling gesetzt, Windstoß, er ist abgestürzt, hat sich aber im Rost einer Arbeitsplattform zwei Decks tiefer verfangen (»festgeklammert«), jemand aus der Besatzung hat die Möglichkeit angedeutet, die Gummiente im nächsten Hafen zu retten, (geht aber nur im Hafen), nachts hat sich Luis gedreht und war zwischen den Gitterstreben eingeklemmt (s.o.), aber am nächsten Morgen doch verschwunden (verloren). Nicht gar so schlimm: Luis hat eine Freundin, Coco, die ist immerhin noch da (»Vielleicht hat sie ihn auch geschubbst.«)
Zum Glück hab ich nicht allzu deutlich gesagt, was ich von derlei Geschichten halte, weil a) am übernächsten Tag setzte sich die (ehemalige) Besitzerin von Luis zu uns an den Tisch (neben mich: Beatrix (»Bea«) und b): Silke hat ebenfalls ein Reise-Maskottchen: Limes (s.o./s.u.)
Im Schnelldurchlauf: Tageshighlights
Fr. 24.11. 13:00 Abfahrt. Zwei Franzosen kommen zu spät (13:30), werden aber noch mitgenommen. Später erfahre ich, dass einige Reisende nach Fuerteventura geflogen sind, um dort wieder aufs Schiff zu kommen
.Sa., 25.11. 11h Volleyball (zugeguckt) 16h Kulturvortrag: Geschichten, Legenden und Natur der Kanarischen Inseln zwischen Teneriffa und Fuerteventura (Franco Alvisi); 21:00 Präsentation der Offiziere und Abteilungsleiter. 21:15 Flamenco-Show. Kleidung: elegant.
So, 26.11. Italienische Nacht. Kleidung: rot, weiß, grün. Fernsehballett in Capri-Hosen., Vespa, Fiat 500.
Mo., 27.11. Puerto del Rosario (Puerto Cabras). Abends: Francesca Aureli Women on World, ABBAMania, die Zentralbar flippt aus. Kleidung: 70erJahre.
Di., 28.11.: Sta Cruz de Tenerife. Abends Glamazon mit dem Kreuzfahrtballett, Kleidung: Tierprints.
Mi., 29.11. auf See. (C(osta)/Club show: Erika bekommt nicht den Preis für die meisten Meilen: Jemand anderes hat 400.000 Meilen zusammen! (Sie hat nur 80.000.)) Abends: Gewinner von India’s got talent: Led Tron Dance. Kleidung: elegant (Glamour night). Manche haben einen ganzen Kleiderschrank dabei, scheint es.
Do., 30.11. Uhr eine Stunde zurück. Kulturvortrag: Der Regenbogentanz im Zuckergarten (über Rum) Der Zauber der Antillen (Franco Alvisi). Maximilian Philippe, Legends of Rock. Karaoke Vorrunde The Voice of the Sea: bodenlos, peinlich. Wie oft: Selbstbewusstsein und Können stehen in keinem Verhältnis. (Jungdäne, Unterhemdfranzose, Holländerblondine, bodenlos. Weil: Kleidung: leger.)
Fr., 1.12. 11:30h Feier zur Überquerung des Wendekreises des Krebses (und Halfway mark!) Neptuntaufe etc.) 16:00 Volleyball, Rest des Tages Gliederschmerzen, Schultern gehen gar nicht mehr. Abends: Weihnachtskalender von Beatrix! (Marzipan, lecker). Kings and Queens. Von Donna Summer bis Queen. Kleidung. Rot, Blau, Grün. Silent Party: Bluetoothkopfhörer, drei Farben, drei DJs, drei Musiken: genial.

Zwischendurch entdeckt: Im mittleren (von drei) Treppenhaus gibt es historisierend gemalte Bilder berühmter Entdecker, der Malstil ist fies, aber die Portraits bieten tolle Atmo (und ich kenne bei weitem nicht alle der Dargestellten, muss ich bei Gelegenheit nachschlagen!): 1497 Vasco da Gama / 13. Jhdt Brüder Ugolino + Valdino Vivaldi / 1642 Abel Tasman / 1520 Fernao de Magalhaes (Magellan) / 1699 William Dampier/ 1492 Cristobal Colon / 1488 Bartolomeu Dias / 1497 G. Caboto

Sa., 02.12. 16:00 Kulturvortrag Geschichte, Mythen und Schönheit zwischen Europa und der Karibik. Die Kunst der Überquerung der Ozeane. »Der dreht aber weite Schleifen!« (Beatrix). Hat sie recht: die vier Reisen des Columbus. Rimbaud (über die Ungeduld des ersten Offiziers von C.), Paul Gauguin, Vincent van Gogh. Abends: The Voice of the Sea, Holländerblondine schmeißt sich an Käptn und verdirbt mir den Abend, früh ins Bett. White Night (UV-Licht) verpasst.
So., 3.12. (Uhr eine Stunde vor) 15:30 Creole Sprachunterricht. Gibt kein J im kreolisch, wird alles zu Z. zedi (Jeudi) zanvier (Janvier). Deutsche Nacht: Gaia fast alleine auf der Tanzfläche der Disko; Show: H2O, Karnevalsparty. Farben: bunt, Karneval. Haben Leute echt Regenbogenperücken und Clownsoveralls dabei!

Mo., 4.12. 16:15 Schiffsvortrag (s.o.), bis 17:30 Bücher abgeben. Morgen muss ich um 12 vom Schiff, um elf an der Rezeption auschecken. Silke hat Sargasso-Algen gesehen, ich noch nicht, Gestern zwei Schiffe passiert (No. 3 und 4). Heute abend schon kein Oggi [Oddschi] a Bórdo mehr, seufz, schnief. Artistik: Romeo und Julia, Kleidung: Gala. Gab Sekt zum Abendessen, alle Crewmitglieder kamen in den Speisesaal, Riesenapplaus, mehr als berechtigt; um 23:00 gibt es Mitternachtsbüffet: die große Gala-Nacht. Abendkleider und Dekolleteées zum Reinsetzen/Dazwischendrängeln. Abschiedsfotos mit allen außer Silvia, Evelyn, Beatrix:


Di, 05.12. 03:00h: Bugkamera zeigt bereits Insellichter an, also aufgestanden und nachgesehen. Einfahrt in den Hafen um 03:30h: Notfall an Bord, muss ins Krankenhaus. Nochmal geschlafen, Frühstück, 10h Rezeption: Papiere sind noch nicht da. Kommen erst 11:30. 12 im Städtchen, Bus zum Bute Hotel, alles klappt. Hügelig ist St. Martin und sehr nett: Das Watertaxi zur Marina hätte man sich auch mit einem 20min Fußweg ersparen können, glaube ich, 5 DollarUS rausgeschmissen (bzw. Euro. Bus kostet 2 US).
Auf die Backstreet, hinter der Strandpromenade, Bus (Minibus) French Quarter oder Dutch Quarter, an der Ampel aussteigen, dort ist es dann schon. Die erste Auskunft hat passgenau hingehauen, obwohl ich dann noch dreimal nachgefragt hab unterwegs.
Bute Hotel, Illidge Road, Philipsburg St. Maarten: ehem. Motel, frisch renoviert, super. Abendspaziergang zur Promenade, drei von vier Kreuzfahrtschiffen tuten und fahren ab in den folgenden zwei Stunden, eins kommt wieder zurück: Noch ein medizinischer Notfall?
Silke schickt mir das Foto vom letzten Abend (s.o.): blaustichig aber super, viel besser als meins. Maria hat eben die neueste drei-Kamera-Technik von Galaxy.
Mi., 6. Dez. Nikolaus. Heute hat Limes, Silkes Reiseschweinchen, die Nikolaus-Mütze an. Ist wahrscheinlich auf ihrem/seinem Insta-Account zu sehen.
Nachts war es sehr laut im Bute Hotel, kam von der Musikbox der Imbissbude gegenüber, die Kundschaft aus dem Casino bespielt. Hühnchen mit Kartoffelsalat. Mittelgut. Abends Billiard und Bier in der Hotelbar. Magenkrämpfe in der Nacht. Haben damit sicher nichts zu tun gehabt. Ab Mitternacht hört die Musik auf. Morgens drei Mal Kaffee, den gibt es zum Selbermachen auf dem Zimmer, und eine herrliche Dusche, Raindance ist ein Scheiß dagegen. Maho-Bus Richtung Flughafen, das Gepäck kostet allerdings extra (zusammen US 4). Frühstück im Strandcafé Papaya. Superlecker. Und mein Gepäck darf ich auch dalassen, solange ich an den Strand gehe. Schmal, hellgelb, türkises Wasser. Aber komplett überfüllt, obwohl die einzige Attraktion die über dem Strand landenden (und startenden) Flugzeuge sind. Ich hab nur Propellermaschinen gesehen, da gibt es keinen Düsen-Wash. In der größeren, professionelleren Strandbar auf der anderen Seite hängt als Service ein Bildschirm mit An- und Abflügen. JetAir, mein Carrier, fliegt auch schon um 12:20h nach Curacao, steht da. Könnte ich umzubuchen versuchen, und wäre noch bei Tageslicht in der Marina. Gesagt, getan, 10min die Zubringerstraße entlang, auf dem Asphalt, weil sonst mein altersschwacher Rollkoffer quietscht und quengelt und blockiert. Setzt Tropenregen ein, gerade, als ich das Vordach des modernen, gerade in Erweiterung befindlichen Terminalgebäudes erreiche.
Glück gehabt
Ob ich wohl meinen gebuchten 15:30-Flug auf 12:20 umbuchen könnte?
»There ist no three-thirty flight to Curaçao.«
»But this is JetAir, right?«
»Sure is, Sir.«
Tatsächlich bin auf den 12:20-Flug gebucht, hat mir nur niemand gesagt (gestern abend hab ich noch mit der Fluggesellschaft geschrieben, weil ich nicht online einchecken konnte! Gut, dass ich so früh dagewesen bin …)
St. Maartens Innenhafen/Lagune (mit Zugbrücken-Einfahrt, hab ich schonmal in irgendeinem YoutubeVideo über Superyachten gesehen) ist voller Supermotoryachten. Und schöner Segelyachten. Und ein paar Weltumsegler-Wracks. Und hat einen ausgedehnten Boatyard mit aufgebockten Yachten in allen Stadien des Zerfalls. Kann ich gut nachvollziehen: der Princess Juliana International Airport bietet (Direkt-) Flüge nach Europa und in alle Welt. (Air France, KLM , United, American Airlines, Delta). Und (für die Megayachtbesitzer) St. Barts (oder St. Barth wie man im Jetset sagt, eigentlich Saint-Barthélemy), mit den Flagship-Karibikshowrooms aller Luxusmarken, ist nur einen kurzen Ausflug (20sm) entfernt. Hat der Krösus alles, was er braucht (sagt der sich unterprivilegiert fühlende Unterkrösus – die Südasiaten auf der Costa Fortuna arbeiten für US 500 im Monat, sieben Tage die Woche, kein Wochenende).
Oder, in anderen Worten: St. Maarten/St. Martin ist wunderschön: hügelig, unfassbar freundliche Menschen, türkises Meer, wie es sich gehört.
Klar stehen die Schaulustigen in langer Reihe am Strand, als der Flieger auf den Anfang der Startbahn zurollt, eine extraweite Kurve dreht, um möglichst nah am Zaun zu starten, dann Vollgas gibt. Was ihnen passiert ist, hab ich nicht gesehen. Anderthalb Stunden Flug, 30‘ Steigflug, 30‘ Flach (Geschlafen), 30‘ Sinkflug. Einreise Curaçao: Formular ausfüllen, am Tablet (Tablé, sagt Silke). Hotel: Curaçao Yachtclub, Schiff: Elizabeth. Bus nach Otrabanda: anderthalb Stunden gewartet. Dann Minibus Rond: dreht eine ewige Schleife um den Hafen (um die mautpflichtige Hochbrücke über den Hafen zu vermeiden?). Am Friedhof (neue Mauer in den letzten sechs Monaten!) steige ich aus. Der Fahrer schlägt sich vor die Stirn, als hätte er mich vergessen, obwohl wir ein langes Palaver am Busterminal Otrabanda hatten!) Zehn Minuten Fußweg über unwegsames Gelände, dann bin ich in der Marina, zehn nach fünf. Das Büro ist bis 17:00h besetzt. Aber JayJay ist noch da. Hat er einen guten Sommer gehabt? Oder war Rainy Season? – Nein, die beginnt gerade erst.
Die ELIZABETH liegt an der Launch-Rampe im Wasser. Sieht super aus, nur etwas staubig. Die Mülltüten, die ich um Furler, Selbststeueranlage, Mastwinschen geklebt habe, ist mürbe geworden, fetzt ab. Die Persenning steht, nur eine Winsch hat sich durchgearbeitet (ist eine Naht aufgegangen, muss ich nähen!). Sonst alles paletti. Schlüssel ist aus der Ankerwinschabdeckung rausgerutscht, völlig verrostet (aber schließt auf!). Schere festgerostet. O-Saft: Innenplastik hat sich von der Pappe gelöst. Aber genießbar. Das einzige, was sich ewig hält: der Rum. Achterkabinenschloss festgesetzt. WD 40 drauf. Also: Persenning geborgen, Batterien angeschlossen, Strom eingesteckt. Batterien zeigen noch 12,2 Volt: Super! Leinen ausgetauscht, Fender ausgetauscht, (JayJay hatte mir seine geliehen). Zigarre aus St. Maarten (»Verkaufen Sie auch einzelne Zigarren?«–»Sicher, die hier ist für 38.« – »38 was?« – »Dollar US.« – »Oh. nein, tut mir leid, entschuldigen Sie, nichts für mich.« – »Wir haben auch günstigere, hier, für 20.« – usw., am Ende gab es für mich eine für 3,50.) geraucht, Rumpunch getrunken. Schloss Achterkajüte ist nicht zu bewegen. Aber um 21:00 geht es wieder: alles Bestens. Das Leben ist formidabel! Tiefe Gefühle für die gute alte ELIZABETH. Und für die Lieben Zuhause. 21:30 Nachtruhe – morgen früh will JayJay mir einen Liegeplatz zuweisen und ich muss den Motor gestartet kriegen!
Klar startet am nächsten Morgen der Motor nicht, klingt unangenehm unkernig, rückgratlos: Ventile schließen nicht, keine Kompression. Das regelt Mechaniker Manuel innerhalb einer Stunde, selbst während die ELIZABETH zwischendurch mit dem Arbeitsboot der Marina an den Steg verholt wird …































































































